Alfons Maria von Liquori


Heiliger Alfons Maria von Liquori
- Bischof und Kirchenlehrer -


Aus "Lebensordnung eines Christen" und die
"Die LIEBE zu JESUS CHRISTUS"




Lebensordnung eines Christen


Geistliche Sprüche und Grundsätze, die man sich einprägen soll

Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber an seiner Seele Schaden leidet?

Alles hat ein Ende, nur die Ewigkeit endet nie!

Möge alles verloren gehen, wenn ich nur Gott nicht verliere.

Wenn wir Gott gefallen wollen, müssen wir uns selbst verleugnen.

Alles, was man tut, um seinem eigenen Willen zu genügen, ist für die Ewigkeit verloren.

Die Ehrenpunkte sind eine Pest des geistlichen Lebens.

Wer sein Heil wirken will, muß beständig in Furcht sein, daß er fallen könne.

Möge ich sterben, wenn ich nur Gott gefalle.

Keine Sünde, wie gering sie auch sei, ist ein geringes Übel.

Die Sünde ist das einzige Übel, das wir fürchten sollen. Was Gott will, ist immer gut, und darum müssen wir immer wollen, was er will.

Wer nichts anderes will und sucht als Gott, ist ruhig und zufrieden, es mag ihm was immer begegnen.

Unser einziges Gut besteht darin: daß wir Gott lieben, und alle Liebe zu Gott besteht darin: daß wir seinen Willen tun.

Jeder soll sich vorstellen, es sei sonst niemand auf der Welt, als Gott und er allein.

Die ganze Welt kann unser Herz nicht befriedigen, Gott allein kann es ausfüllen!

Ob wir arm oder reich sein wollen, hängt vom Gebet ab...

Den Tag soll man für verloren halten, an welchem man das betrachtende Gebet unterlassen hat. Wer das Gebet aufgibt, sagt die heilige Theresia, "verschließt sich selbst den Himmel" und schließt sich die Hölle auf.

Man soll keinen Tag vorüber gehen lassen, ohne etwas in einem geistlichen Buche zu lesen.

Um wahrhaft und von Herzen demütig zu sein, genügt es nicht, mit dem Munde zu versichern, daß man von allen Menschen verachtet zu werden verdiene, sondern man muß sich freuen, wenn man wirklich verachtet wird.

Was weiß, denn ein Christ für Gott zu tun, wenn er eine Beleidigung, die ihm widerfährt, nicht aus Liebe zu Gott zu ertragen weiß. - Wenn man dich beleidigt, nimm es wie einen Scherz auf.

Wer die Armut liebt, besitzt alles. Wenn es sich um Dinge dieser Welt handelt, wähle dir das Schlechteste, wenn es sich aber um Dinge handelt, die sich auf Gott beziehen, wähle das Beste.

Eine gehorsame Seele ist die Freude des Himmels.

Die wahre Liebe besteht darin, daß wir denen "Gutes erweisen", die uns Übles angetan haben, und so sie gewinnen.

Was nützen alle Reichtümer und Ehren in der Todesstunde?

Es ist eine große Gunst und Gnade Gottes, wenn man zu seiner heiligen Liebe berufen ist.

Gott läßt kein frommes Verlangen unbelohnt!

"Außer der Anhänglichkeit an Gott ist keine Anhänglichkeit gut, wenn auch der Gegenstand an und für sich gut ist."

Sei dankbar gegen die Menschen, sei es aber vor allem gegen Gott. Mache daher den Vorsatz, Gott nichts zu verweigern, was er von dir verlangt, und wähle immer dasjenige, was ihm das wohlgefälligste ist.

Wenn du krank bist, kannst du kein besseres und schöneres Gebet verrichten, als wenn du dich ganz in den Willen Gottes ergibst.

Ein frommes, heiliges Leben und weltliche Vergnügungen vertragen sich nicht miteinander.

Wer auf sich selbst vertraut, der ist verloren; wer auf Gott vertraut, der vermag alles.

Wer Gott liebt und auf ihn vertraut, kann nicht zu Grunde gehen.

Was kann einer Seele eine größere Freude machen, als das Bewußtsein, daß sie Gott Freude macht.

Gott ist bereit, sich demjenigen ganz hinzugeben, der aus Liebe zu ihm alles verläßt.

Der einzige Weg, heilig zu werden, ist der Weg des Leidens.

Durch Versuchungen und durch die Trockenheit und Trostlosigkeit des Geistes prüft Gott die Seelen, die ihn lieben.

Bitten wir Jesus Christus, daß er uns eine zärtliche Andacht zu "seiner heiligsten Mutter" verleihen möge.

Wer auf den Gekreuzigten hinblickt, erträgt alles mit Geduld.

Je mehr wir Gott lieben, desto zufriedener werden wir auf dieser Welt sein. Alles, was wir nicht für Gott tun, wird uns zu Pein werden.

Die Unruhe kommt nie von Gott, möge sie auch aus einem an und für sich guten Beweggrunde hervorgehen.

Es ist genug, daß man niemals ablasse, auf den Wegen Gottes zu wandeln, und man wird gewiß sein Ziel erreichen.



Fromme Gedanken und Erwägungen, um die heilige Liebe zu Gott und die Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria in unserem Herzen zu erwecken

Gott ist die Fülle aller Gnade, alles Guten, aller Vollkommenheit.

Gott ist unendlich, Gott ist ewig, Gott ist unermeßlich, Gott ist unwandelbar.

Gott ist mächtig, Gott ist weise, Gott ist gerecht, Gott ist für alles vorsehend.

Gott ist barmherzig, Gott ist heilig, Gott ist die Schönheit selbst, Gott ist Licht und Herrlichkeit. Gott ist reich an allen Schätzen, Gott ist alles. Er verdient daher geliebt zu werden, und wer kann das Maß von Liebe ausdrücken, das er verdient?

Gott ist sich selbst genügend, er gibt allen und empfängt von niemanden. Alles, was wir besitzen, haben wir von Gott, aber Gott hat nichts von uns. "Mein Gott bist Du, weil Du meiner Güter nicht bedarfst" (Ps. 15,2).

Gott ist ewig. Er ist immer gewesen, und wird immer sein. Wir zählen unser Dasein nach Tagen und Jahren. Gott aber kennt keinen Anfang und kein Ende. "Du aber bist derselbe und Deine Jahre werden nicht abnehmen" (Ps. 101,28).

Gott ist unermeßlich...

Gott ist unveränderlich, und alles, was sein heiligster Wille von Ewigkeit her gewollt hat, will er, und wird es wollen durch alle Ewigkeit. "Ich bin der Herr und verändere mich nicht" (Mal. 3,6).

Gott ist mächtig, und im Vergleiche mit der Macht Gottes ist alle Macht der Geschöpfe nur Schwachheit.

Gott ist weise, und im Vergleiche mit der Weisheit Gottes ist alle Weisheit der Geschöpfe Unwissenheit.

Gott ist für alles vorsehend, und im Vergleiche mit der Vorsehung Gottes ist alle Vorsorge der Geschöpfe eitle Torheit.

Gott ist gerecht, und im Vergleiche mit Gott ist alle Gerechtigkeit der Geschöpfe mangelhaft. "In seinen Engeln hat er Bosheit gefunden" (Job 4,18).

Gott ist barmherzig, und im Vergleiche mit Gott ist alle Güte der Geschöpfe unvollkommen.

Gott ist heilig, und im Vergleiche mit Gott ist alle Heiligkeit der Geschöpfe, selbst die heldenmütigste, unendlich gering und mit unzähligen Gebrechen behaftet...

Gott ist die Schönheit selbst, eine Schönheit, die alle unsere Begriffe übersteigt, und im Vergleich mit Gott ist alle Schönheit der Geschöpfe nur Häßlichkeit.

Gott ist Licht und Herrlichkeit, und im Vergleiche mit Gott ist alles erschaffene Licht, selbst das Sonnenlicht, und alle Herrlichkeit der Geschöpfe nur Finsternis.

Gott ist unendlich reich, und im Vergleiche mit Gott ist aller Reichtum der Geschöpfe nur Armut.

Gott ist alles, und im Vergleiche mit Gott sind alle Geschöpfe nichts... "Alle sind wie nichts vor Dir" (Ps. 38,6).

Gott verdient es also, geliebt zu werden; und er verdient eine Liebe, für deren Maß es keinen Ausdruck gibt.

Ach, Gott ist so liebenswürdig, daß alle Engel und Heiligen im Himmel nichts anderes tun und die ganze Ewigkeit hindurch tun werden als Gott lieben und in dieser Liebe zu ihrem Gott unaussprechlich selig sind, und es durch die ganze Ewigkeit sein werden...

Alle frommen Seelen aber, welche Gott ehren und lieben, ehren und lieben auch die heiligste Jungfrau.

Selig ist, wer Maria für sich hat, und zu beklagen ist, wer Maria nicht für sich hat.

Die heiligste Jungfrau vermag alles bei Gott, weil sie in Wahrheit die Mutter seines eingeborenen Sohnes ist und so sehr von Gott geliebt wird. Sie erlangt alles, was sie will; sie will aber alles für uns, weil sie auch unsere Mutter ist und uns so sehr liebt.

Suchen wir also sie immer mehr für uns zu gewinnen, und wir werden ihr Herz immer mehr gewinnen, wenn wir ihr mit immer größerem Eifer dienen und sie mit immer größerer Andacht verehren.

Alle Tage den Rosenkranz zu ihren Ehren...

An allen Samstagen Fasten zu ihren Ehren.

An allen minderen Festen wenigstens einige Andachtsübungen zu ihren Ehren...

Nehmen wir ferner in allen Vorfällen unseres Lebens, in allen unseren Anliegen und Nöten mit kindlichem Vertrauen zu Maria unsere Zuflucht, und wir werden sicher sein im Leben, sicher sein im Sterben, sicher sein durch die ganze Ewigkeit.

Und wollen wir den Grund dieser Sicherheit wissen, so erklärt uns der heilige Bernhard, dieser große Verehrer der seligsten Jungfrau, wie die Dinge im Himmel vor sich gehen, um uns zu einem großen Vertrauen aufzumuntern. Er sagt: "Die Mutter steht vor dem Sohne." Die heiligste Jungfrau stellt sich ihrem göttlichen Sohne vor und erinnert ihn, daß sie ihn durch neun Monate in ihrem reinsten Schoße getragen und mit ihrer Milch ernährt hat. "Der Sohn steht vor dem Vater und zeigt ihm seine Seite und seine Wunden. "Jesus Christus erinnert seinen ewigen Vater an alles, was er, um die Menschen zu erlösen, getan und gelitten, an das Blut, das er für sie vergossen, und an die Wunden, die er für sie empfangen hat". Wo aber die Liebe mit solchen Abzeichen auftritt, kann ihr nichts verweigert werden. Bei dem Anblicke solcher süßer Zeichen und Unterpfänder der Liebe kann der ewige Vater dem Sohne nichts abschlagen, und wir erreichen alles, was wir verlangen.



Lebensregeln


Sobald man des Morgens aufgestanden ist, soll man sein Morgengebet verrichten und Glauben, Hoffnung und Liebe erwecken, im Verlaufe des Tages aber eine halbe Stunde lang die Betrachtung halten und wenigstens eine Viertelstunde lang aus irgend einem geeigneten Buche eine geistliche Lesung machen. Ferner täglich der heiligen Messe beiwohnen, das heiligste Sakrament und die allerseligste Jungfrau besuchen, und den Rosenkranz beten. Abends endlich, bevor man zu Bette geht, sein Gewissen erforschen, Reue und Leid machen, die drei göttlichen Tugenden: Glauben, Hoffnung und Liebe erwecken.



Kurzer Inbegriff der Tugenden, in welchen sich eine Seele üben muß, die ein vollkommenes Leben führen und sich heiligen will

(Es ist sehr heilsam, alle Monate an dem Tage, welchen man in der Zurückgezogenheit zubringt, diesen kurzen Inbegriff durchzulesen, um zu sehen, in welchen Tugenden es am meisten mangelt.)

Vor allem mußt du ein großes Verlangen haben, in der Liebe zu Jesus Christus immer mehr zuzunehmen. Erwecke also oft in dir dieses Verlangen. Die heiligen Wünsche und Begierden sind Flügel, mit welchen die Seele sich zu Gott aufschwingt. Der heilige Aloisius wurde deshalb so schnell heilig, weil er ein sehnliches Verlangen hatte, Gott zu lieben; und da er wußte, daß er niemals dahin gelangen könne, Gott so zu lieben, wie er es verdient, ward er von dieser Sehnsucht verzehrt. Dies war der Grund, warum die heilige Maria Magdalena von Pazzi ihn einen Märtyrer der Liebe nannte.

Betrachte oft das bittere Leiden des Herrn. Der heilige Bonaventura sagt, daß die Wunden Jesu Christi Wunden sind, welche die Herzen verwunden und mit dem Feuer heiliger Liebe entzünden.

Bitte den Herrn oft um seine heilige Liebe. Die Gnade Gott zu lieben, sagt der heilige Franz von Sales, schließt alle übrigen in sich und hat alle übrigen in ihrem Gefolge; denn wer Gott wahrhaft liebt, bemüht sich, alles zu vermeiden, was ihm mißfällt, und alles zu tun, was ihm wohlgefällig ist. Und darum müssen wir Gott unablässig - und vor allen anderen Dingen - um die Gnade bitten, ihn zu lieben.

Verrichte im Laufe des Tages öfters die geistliche Kommunion, wenigstens dreimal.

Besuche häufig das heiligste Sakrament auf den Altären, wenigstens einmal oder zweimal an jedem Tage, und erwecke bei diesen Besuchungen zuerst Akte des Glaubens, des Dankes, der Reue über deine Sünden, - und sodann bitte eifrig und inständig um die heilige Beharrlichkeit und um die heilige Liebe.

Wenn dir etwas Widerwärtiges begegnet ist: wenn Mißverständnisse oder Verwirrungen entstehen, wenn du einen Verlust erlitten hast, wenn dir eine Beleidigung widerfahren ist etc., nimm sogleich zum heiligsten Sakrament deine Zuflucht, wenigstens an dem Orte, wo du dich gerade befindest, wenn du nicht in die Kirche gehen kannst...

Sehne dich danach, in den Himmel zu kommen, und verlange deshalb zu sterben, um von der Gefahr, zu sündigen und die Gnade Gottes zu verlieren, befreit zu werden, und um im Himmel Gott aus allen deinen Kräften und durch die ganze Ewigkeit zu lieben, ohne ihn jemals verlieren zu können.

Wünsche sehnlichst, daß alle Menschen Gott lieben möchten, und bemühe dich hierzu mitzuwirken, soviel du es vermagst. Rede deshalb mit anderen von der Liebe, die Jesus Christus zu uns getragen hat, und von der Liebe, die wir ihm schuldig sind, sooft sich eine Gelegenheit dazu darbietet.

Schaffe aus deinem Herzen alle Neigungen, die nicht Gott zum Ziele haben. Behalte dir nichts vor, und versage dem Herrn nichts, was du erkennst, daß es ihm wohlgefällig sei; ja wähle immer dasjenige, das zu seinem größeren Wohlgefallen gereicht.

Nimm oft zu den Heiligen deine Zuflucht, vorzüglich zur allerseligsten Jungfrau, damit sie dir durch ihre Fürbitte die Gnade erlangen, Gott wahrhaft und über alles zu lieben.

Verehre die Muttergottes mit einer besonderen und zärtlichen Andacht, weil Gott an dieser Andacht ein großes Wohlgefallen hat.

Biete dich dem Herrn mehrmals des Tages an, jede Pein aus Liebe zu ihm leiden zu wollen, und sprich: Mein Jesus, ich schenke mich Dir ohne Vorbehalt, siehe: hier bin ich, mache mit mir, was Dir gefällt.

Erneuere oft den Vorsatz, lieber tausendmal sterben zu wollen, als mit Vorbedacht auch nur die geringste, läßliche Sünde zu begehen.

Versage dir auch erlaubte Dinge, die dir angenehm sind, wenigsten zweimal oder dreimal an jedem Tage. - Wenn du von den Reichtümern, Ehren und Freuden dieser Welt reden hört, so erinnere dich, daß dies alles ein Ende nimmt, und sprich: Mein Gott, dich allein verlange ich und sonst nichts!

Verwende täglich zwei Stunden oder doch wenigstens eine Stunde auf das betrachtende Gebet.

Übe alle äußerlichen Abtötungen, welche dir der Gehorsam erlaubt: vor allem sei aber bedacht, die innerlichen zu üben, wie z. B. der Befriedigung einer Neugierde zu entsagen, auf ein beleidigendes Wort nicht zu antworten, einen scherzhaften Einfall zu unterdrücken etc., und tue überhaupt nichts, um dir selbst zu genügen.

Verrichte alle deine Andachtsübungen so, als ob es die letzten wären, die du auf dieser Welt zu verrichten hast. Denke deshalb in der Betrachtung oftmals an den Tod, und wenn du zu Bett gehst, gedenke, daß du einst in diesem Bett deinen Geist aufgeben wirst (magst).

Unterlasse niemals deine gewöhnlichen Andachtsübungen noch sonst ein gutes Werk, weil du im Geiste trocken bist und Ekel und Überdruß dabei empfindest.

Wer einmal anfängt, eine oder die andere Übung auszulassen, setzt sich der Gefahr aus, am Ende alle aufzugeben.

Unterlasse auch niemals ein gutes Werk aus menschlichen Rücksichten.

Wenn du krank bist, beklage dich nicht über die Ärzte, die Hausgenossen oder den Krankenwärter, daß sie dir nicht genug Hilfe leisten, oder zu wenig aufmerksam sind; suche sogar, soviel es sein kann, deine Schmerzen zu verbergen.

Liebe die Einsamkeit und das Stillschweigen, um allein mit Gott zu sein und mit IHM dich zu unterreden, fliehe die weltlichen Gespräche.

Überlasse dich niemals der Traurigkeit, und suche bei allen Ereignissen eine gleichförmige Ruhe und äußerliche Heiterkeit zu bewahren. - Wer will, was Gott will, darf niemals traurig sein.

Erwecke im Laufe des Tages oftmals Akte der Liebe zu Jesus Christus, fange damit an des Morgens, wenn du erwachst, und trachte abends mit einem Akte der Liebe einzuschlummern. ...

Wenn dich eine Versuchung überfällt, nimm sogleich mit großem Vertrauen zu Jesus und Maria deine Zuflucht, und laß nicht ab, Jesus und Maria anzurufen, solange die Versuchung anhält.

Bewahre ein großes Vertrauen vorerst auf das bittere Leiden Jesu Christi, und sodann auf die Fürsprache der heiligsten Jungfrau, und bitte Gott täglich um diese Gnade.

Wenn du einen Fehler begangen hast, beunruhige dich nicht und werde nicht kleinmütig, solltest du auch wiederholt in denselben Fehler zurückgefallen und deinen Vorsätzen untreu geworden sein, sondern erwecke sogleich Reue und Leid, mache den Vorsatz, dich zu bessern, und vertraue auf Gott.

Tue Gutes denen, die dir Böses getan haben, und wenn du nichts anderes vermagst, bete wenigstens für sie.

Antworte mit Sanftmut denjenigen, die dich mit Worten oder durch die Tat übel behandeln, und so wirst du sie gewinnen. - Wenn du jedoch aufgeregt bist, so ist es besser zu schweigen, bis die Aufregung sich gelegt hat, sonst wirst du eine Menge Fehler begehen, ohne sie in diesem Augenblicke auch nur gewahr zu werden.

Hast du jemanden zurechtzuweisen, so suche eine solche Zeit zu wählen, wo weder du noch der andere in gereizten Stimmung ist, sonst wird der Verweis mehr schaden als nützen...

Komme deinem Nächsten zu Hilfe, soviel du es vermagst, besonders denjenigen die dir abgeneigt waren.

Sage und tue nicht, was einen anderen kränken könnte, es müßte denn sein, daß die Ehre Gottes es verlangt.

Und hast du gegen jemanden die Liebe verletzt, so bitte ihn sogleich um Verzeihung, oder suche es wenigstens durch freundliche Worte gutzumachen.

Rede immer auf sanfte Weise und ohne die Stimme zu sehr zu erheben.

Wenn dir eine Verachtung widerfährt, opfere sie Gott auf, ohne dich bei anderen hierüber zu beklagen.

Beobachte pünktlich die Regeln und Vorschriften, die dir dein Gewissenführer gegeben hat.

Ehre in deinen Oberen die Stellvertreter Jesu Christi...

Verlange nie etwas, was dir zur Ehre gereichen würde oder deiner Eigenliebe angenehm wäre.

Liebe die niedrigsten und unscheinbarsten Ämter und Verrichtungen. Wähle dir zu deinem Gebrauche immer dasjenige, das mehr der Armut entspricht. Verdemütige dich auch vor denen, die unter dir stehen.

Rede niemals von dir, weder Gutes noch Übles; denn oft findet die Eitelkeit auch in dem, was man zu seinem Nachteile sagt, ihre Rechnung.

Entschuldige dich nicht, wenn man dich verleumdet, oder wenn du zurechtgewiesen wirst, es müßte nur sein, daß dies durchaus notwendig wäre wegen des Allgemeinwohls, oder um bei anderen ein Ärgernis zu verhindern.

Besuche die Kranken, und leiste ihnen so viele Dienste, als du vermagst, vorzüglich denjenigen, die am meisten verlassen sind.

Sprich oft zu dir selbst: Wenn ich heilig werden will, muß ich leiden; und wenn ich Gott wohlgefällig werden will, muß ich seinen Willen tun und nicht den meinigen.

Erneuere täglich den Vorsatz, nach Vollkommenheit zu streben und dich zu heiligen, und laß dich hiervon nicht abschrecken, wenn du auch noch so sehr in deinem Eifer nachgelassen und dich der Lauheit hingegeben hättest.

Wenn du einem geistlichen Orden angehörst, erneuere auch täglich deine Ordensgelübde. Die Theologen sagen, daß man durch die Erneuerung derselben ebenso einen vollkommenen Ablaß gewinne wie bei der ersten Ablegung. (Siehe Ablaßbestimmungen!)

Das Notwendigste aber, was eine Seele zu üben hat, die ganz Gott angehören will, ist die Gleichförmigkeit mit seinem heiligsten Willen; daß sie sich schon an jedem Morgen bereite, alle Kreuze, die ihr der Herr schicken wird, aus seinen Händen anzunehmen, und daß sie dann alles, was über sie kommt und wogegen die Natur sich sträubt: Krankheit, Schmerzen, Beleidigungen, Widersprüche, Verluste an zeitlichen Gütern, den Tod naher Verwandter oder anderer teurer Personen und jede andere Widerwärtigkeit willig und geduldig auf sich nehme.

Die Leiden und Trübsale dieses Lebens sind gleichsam die geistlichen Märkte, auf welchen sich die frommen Seelen die größten Gnaden und Verdienste einhandeln. Man kann nichts tun, wodurch Gott mehr geehrt und verherrlicht würde, als wenn man sich in allen Dingen mit seinem Willen vereinigt. Diese Gleichförmigkeit mit dem göttlichen Willen sollen wir unablässig zu üben suchen, und hierzu soll uns das innerliche oder betrachtende Gebet dienen.

"Eines ist es", sagt die heilige Theresia, "wonach jede Seele, die das innerliche Gebet übt, zu streben hat: ihren Willen mit dem Willen Gottes gleichförmig zu machen, und sie soll überzeugt sein, daß darin die höchste Vollkommenheit besteht."

...Wir sollen unablässig beten: "Lehre mich Deinen Willen tun."

Erleuchte mich, o Herr, damit ich erkenne, was Dein Wille ist, und gib mir die Kraft, es zu tun. "Herr, was willst Du, daß ich tue?"

Sage mir, o Herr was Du von mir verlangst; ich will alles tun. "Dein Wille geschehe." Dein heiligster Wille geschehe allezeit und in allen Dingen. Diese Worte sind immerfort im dem Munde der Heiligen; und dies ist alles, Was Gott von uns verlangt: "Mein Sohn, gib mir dein Herz."

Die Vollkommenheit liegt jedoch darin, daß wir uns in jenen Dingen mit dem Willen Gottes vereinigen, die dem natürlichen Gefühle am meisten zuwider sind. Der ehrwürdige Johannes Avila (1970 von Paul VI. heiliggesprochen) sagte: "Ein: Gelobt sei Gott! in Trübsalen ist mehr wert als tausend Danksagungen im Wohlergehen." Wir müssen uns ferner auch in jene Kreuze ergeben, die uns durch die Menschen zukommen: wenn wir verleumdet, bestohlen, verachtet, beleidigt werden... In solchen Fällen will zwar Gott nicht die Sünde derjenigen, die uns ein Unrecht antun; aber er will unsere Demütigung und Abtötung.

Wir sehen das Leiden für ein Übel und für ein Unglück an, weil wir es mit Ungeduld ertragen; würden wir aber alle Leiden und Trübsale dieses Lebens mit Ergebung in den göttlichen Willen annehmen, sie würden uns zu kostbaren Gütern und Edelsteinen in der Krone werden, die uns Gott im Himmel bereitet hat. Mit einem Worte: Wer sich in allen Dingen mit dem Willen Gottes vereinigt, wird heilig werden und schon hier auf Erden einen beständigen Frieden genießen. "Den Gerechten wird nichts betrüben, was ihm auch begegnen mag."

Du wirst endlich sehr gut tun, wenn du dich dem Gebete frommer Personen empfiehlst, aber noch notwendiger und heilsamer ist es, dich den Heiligen im Himmel, und besonders der seligsten Jungfrau zu empfehlen.

Lege einen hohen Wert auf die Andacht zur Muttergottes und versäume keine Gelegenheit, sie auch anderen ans Herz zu legen. Wer ein großes Vertrauen auf die Fürsprache und den Schutz der allerseligsten Jungfrau hat, soll Gott von ganzem Herzen dafür danken; denn er hat darin ein großes Unterpfand seines ewigen Heils; und wer dieses Vertrauen nicht besitzt, soll Gott inständig bitten, daß er es ihm verleihen möge.

Man soll täglich die heilige Messe hören, wodurch man gleichfalls mehrere Ablässe gewinnen kann. (Siehe Ablaß, Ablaßbestimmungen!) Die Hauptsache jedoch ist: daß denjenigen, welche andächtig der heiligen Messe beiwohnen, die Verdienste des "Leidens Jesu Christi" insbesondere zugewendet werden.

Dieses heiligste Opfer ist zu einem vierfachen Zwecke eingesetzt worden: Um Gott zu ehren und zu verherrlichen; um ihm für alle uns erwiesenen Wohltaten zu danken; um für unsere Sünden genugzutun; und um die Gnaden zu verlangen, deren wir bedürfen. Deshalb soll man auch bei Anhörung der heiligen Messe eine vierfache Meinung machen und sprechen:

Himmlischer Vater, ich bringe Dir in diesem hochheiligen Opfer Deinen eingeborenen Sohn Jesus Christus dar und alle Verdienste seines Leidens und Sterbens:

  1. Zur Ehre und Verherrlichung Deiner göttlichen Majestät.
  2. Zur Danksagung für alle mir erwiesenen Wohltaten.
  3. Zur Genugtuung für meine Sünden und die Sünden aller Lebenden und Abgestorbenen, die im Stande der Gnade sind.
  4. Um alle Gnaden zu erlangen, die mir zu meinem ewigen Heile notwendig sind.
Wenn der Priester die Hostie erhebt, spreche man:

Mein Gott, ich bitte Dich durch Deine Liebe zu Deinem eingeborenen Sohne Jesus Christus: verleihe mir die Gnade, Dich allezeit zu lieben in diesem und in dem anderen Leben.

Wenn der Priester kommuniziert, soll man geistlicher Weise kommunizieren und sprechen:

Mein Jesus, ich liebe Dich, meine Seele sehnt sich nach Dir, ich umfange Dich, wie wenn Du in mir gegenwärtig wärst: Ich will mich nie wieder von Dir trennen.

Man soll abends immer sein Gewissen erforschen und sodann die drei göttlichen Tugenden: Glauben, Hoffnung und Liebe erwecken.

Nach jeder Beichte soll man Gott danken für die hoffentlich erlangte Verzeihung, den Vorsatz, ihn nicht mehr zu beleidigen und alle Gelegenheit zur Sünde zu meiden, erneuern, und Jesus und Maria um die heilige Beharrlichkeit bitten.

... Man soll sich einen Beichtvater wählen, zu dem man Vertrauen hat, sich mit demselben über alle geistlichen, und auch über die wichtigeren zeitlichen Angelegenheit beraten, sich von ihm leiten lassen und ihn ohne eine wichtige Ursache nicht verlassen.

Der heilige Philipp Neri sagte: "Wer auf den Wegen Gottes Fortschritte machen will, soll sich einem Beichtvater anvertrauen, der die nötige Wissenschaft und Einsicht besitzt, und ihn an Gottes Statt gehorchen; er ist dann sicher, daß er über das was er im Gehorsam getan hat, Gott keine Rechenschaft ablegen wird." Und dies gründet sich auf den Ausspruch des Herrn, der im Evangelium sagt, daß ihn höre, wer seine Diener hört. "Wer euch hört, der hört mich" (Lk. 10,16).

Ein sehr wirksames Mittel, seine Gewissenangelegenheit und seinen ganzen Wandel in gute Ordnung zu bringen, ist die allgemein Lebensbeichte. Wer sie also noch nicht gemacht hat, soll sie ablegen, und es wird sehr gut sein, wenn er sie bei seinem Gewissensführer ablegt, damit derselbe in der geistlichen Leitung sich darnach richten könne.

Man soll allen Müßiggang, die schlechten Gesellschaften, die leichtfertigen Reden und vor allem die bösen Gelegenheiten meiden, besonders diejenigen, die mit der Gefahr der Unenthaltsamkeit verbunden sind.

Deshalb ist es auch notwendig, die Augen im Zaum zu halten und sich vor dem Anblicke gefährlicher Gegenstände zu hüten. Es ist unmöglich, sich im Stande der Gnade zu erhalten, wenn man die freiwilligen gefährlichen Gelegenheiten nicht meidet, besonders wenn jemand aus Erfahrung weiß, daß solche Gelegenheiten ihn schon früher öfters zum Falle gebracht hatten. "Wer die Gefahr liebt, kommt darin um!"

In allen Versuchungen soll man sich weder auf seine eigenen Kräfte noch auf seine Vorsätze und Versprechungen verlassen, sondern sein Vertrauen einzig und allein auf den göttlichen Beistand setzen, und deshalb sogleich zu Gott und der heiligsten Jungfrau seine Zuflucht nehmen.

Was insbesondere die Versuchungen gegen die Reinheit betrifft, muß man achthaben, sich mit denselben nicht in einen Wortwechsel einzulassen. Manche setzen der Versuchung Beteuerungen entgegen, daß sie nicht einwilligen wollen; aber auch diese schweben immer noch in großer Gefahr.

Das Beste und Sicherste in solchen Fällen ist: den Vorsatz zu machen, eher sterben zu wollen, als Gott zu beleidigen, sodann aber unverzüglich, ohne weitere Verhandlung mit der Versuchung, sich mit dem heiligen Kreuzzeichen zu bezeichnen (andächtig), sich dem Schutze Gottes und der seligsten Jungfrau anzuempfehlen und oftmals die heiligsten Namen Jesus und Maria anzurufen. Diese heiligsten Namen haben eine besondere Kraft gegen alle unreinen Vorstellungen und Regungen, und darum soll man nicht ablassen, sie anzurufen, solange die Versuchung dauert.

Wir haben aus uns selbst nicht die Kraft, der Sinnenlust, diesem furchtbaren und gewaltigen Feinde, zu widerstehen, aber Gott verleiht diese Kraft jedem, der ihn darum bittet; wer dann nicht betet, wird überwunden werden. Ebenso soll man auch verfahren in den Versuchungen wider den Glauben.

... "Bittet, und es wird euch gegeben werden" (Mt. 7,7). "Man muß allezeit beten" (Lk. 18,1). Diese Worte: "Betet", "Man muß": schließen, wie der heilige Thomas lehrt (III, 39,5) ein eigentliches und strenges Gebot in sich, welches uns für unser ganzes Leben verpflichtet, besonders aber, wenn wir in Todesgefahr oder in der Gefahr sind, eine schwere Sünde zu begehen; denn wer dann nicht zu Gott seine Zuflucht nimmt, wird ganz gewiß unterliegen.

Und wer bereits in die Ungnade Gottes gefallen ist, begeht eine neue Sünde, wenn er Gott nicht bittet, ihm beizustehen, um aus seinem unseligen Stande in den Stand der Gnade zurückzukehren. - Wie kann er aber Erhörung finden, da er ein Feind Gottes geworden ist? Gott wird ihn dennoch erhören, wenn er sich demütigt und Gott mit zerknirschtem Herzen bittet, ihm zu verzeihen: Denn es steht im Evangelium geschrieben: "Jeder, der bittet, empfängt! (Lk. 11,10). "Jeder", heißt es; und folglich hat Gott verheißen, nicht bloß die Gerechten, sondern auch die Sünder zu erhören. Und an einem anderen Orte der Heiligen Schrift sagt der Herr: "Rufe zu mir und ich werde dich erretten" Ps. 49,15). Rufe zu mir und ich werde dich von der ewigen Verdammnis befreien, die schon über dich ausgesprochen ist.

Es wird sich daher keiner, der in der Sünde stirbt, am Tage des Gerichtes entschuldigen können. Es wird ihm nicht fruchten, sich darauf zu berufen, daß er nicht die Kraft gehabt habe, den Versuchungen, die ihn überfielen, zu widerstehen; denn der Herr wird ihm antworten: Wenn du diese Kraft nicht hattest, warum hast du mich nicht darum gebeten: ich würde sie dir verliehen haben. Und nachdem du in die Sünde gefallen warst, warum hast du nicht zu mir deine Zuflucht genommen: ich würde dich davon befreit haben.

... wenn sich jemand in gefährlichen Lagen oder Gelegenheiten befindet, so ist er viel öfter verpflichtet, Gott um die Gnade der Beharrlichkeit zu bitten. Ein vorzügliches Mittel aber, um diese Gnade sicher zu erlangen, ist die besondere und zärtliche Andacht zur Gottesmutter, welche die Mutter der Beharrlichkeit genannt wird.

Wer diese Andacht nicht hat, wird schwer ausharren, weil, wie der heilige Bernhard sagt, alle Gnaden, besonders aber die Gnade der Beharrlichkeit, welche die größte von allen ist, uns nur durch Maria zukommen.

Auszüge aus "Die LIEBE zu JESUS CHRISTUS" von heiligem Alfons Maria von Liquori; siehe auch:
www.apostolat.de/



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