Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Belehrungen, Beispiele

1. Begriff Fegfeuer
Altes Testament
Neues Testament
Apostolische Überlieferung
Beweis durch Kirche

2. Fegfeuer-Peinen
Geistespeinen
Fegfeuerpein
Weitere Fegfeuerleiden
Ansichten Fegfeuerleiden
Wenige Auserwählte
Reinheit - Himmel

3. Beweggründe Hilfe
Verdienst, Linderung
Hilferufe o. Unterlaß
Pflicht Hilfe
Helfen: Wille Gottes
Wert guter Werke
Ehre Gottes fördern

4. Helfen
Allgemeine Mittel
Gebetskraft
Ermahnung Gebet
Gebetseifer
Gebetseifer Heiliger
Schnelles Gebetserhören
Nutzen kurzer Gebete
Anruf d. Muttergottes
Macht d. Gottesmutter
Rosenkranzgebetskraft
Macht heiliger Engel
Macht der Heiligen
Kraft der Bußwerke
Gebet und Fasten
Geduldig leiden
Heilige Kommunion
Kraft hl. Meßopfers
Hilfreiches Meßopfer
Meßopfer, höchste Kraft
30 hl. Messen
Ursprung Allerseelentag
Weihwasser - Kraft

5. Dank Armer Seelen

6. Gebete, Ratschläge
Kraft - Vater unser
Das Ave Maria
Drei Ave Maria
Liebe entzünden
Weitere Rätschläge
Aufopferung hl. Messen
Aufopfg. hl. Kommunion
Lob Gottes - Sühne
Perlen d. Seelenrettung
Hl. Joseph

7. Tägliche Gebete

8. Meßmeinung
Zum Eingang
Kyrie eleison
Opferung, Präfation
Wandlung
Agnus Dei, Kommunion
Nach der Kommunion

9. Leiden Jesu
Aufopferung Sonntag
Aufopferung Montag
Aufopferung Dienstag
Aufopferung Mittwoch
Aufopferung Donnerstag
Aufopferung Freitag
Aufopferung Samstag

10. Kreuzwegandacht


Siehe auch:

Höraufnahme
Arme Seelen - Pf. H. Wagner

ABLASS - Ablässe

Katholischer Katechismus
12. Glaubensartikel
Himmel, Fegfeuer, Hölle

Nr. 296: Das Fegfeuer
Arme Seelen - Hilfeschreie  
Hl. Gertrud    
Schwätzen in der Kirche  



 



     


Kirchliche Genehmigung: Vorliegendes Buch: "Trost der Armen Seelen", herausgegeben von Joseph Ackermann, Pfarrer in Emmen, das nichts gegen die Glaubens- und Sittenlehre unserer heiligen Kirche enthält, verdient seines salbungsvollen Inhaltes wegen der Andacht des gläubigen Volkes allerdings empfohlen zu werden.
Chur, den 27. Juli 1846  (+ CASPAR VON CARL, Bischof von Chur)



Im Nachfolgenden Auszüge aus dem Buch "Trost der Armen Seelen" v. Pfarrer Joseph Ackermann: Von Klemens Kiser leicht sprachlich überarbeitet und neu herausgegeben (2. Neuauflage).
Laut Kiser: "Manche Formulierungen klingen etwas altertümlich, doch der Text sollte so wenig wie möglich geändert werden, um auch den Inhalt nicht abzuschwächen."



Inhaltsverzeichnis


Einleitung

Belehrungen und Beispiele über die Armen Seelen im Fegfeuer

1. Vom Begriffe und Dasein des Fegfeuers
Vom Begriffe des Fegfeuers
Das Fegfeuer wird aus dem Alten Testament bewiesen
Das Fegfeuer wird aus dem Neuen Testament bewiesen
Das Fegfeuer wird aus der apostolischen Überlieferung bewiesen
Das Fegfeuer wird aus den Beschlüssen der Kirche bewiesen

2. Von den Peinen/Leiden des Fegfeuers
Von den Geistespeinen des Fegfeuers
Von der Feuerpein des Fegfeuers
Von den übrigen Leiden des Fegfeuers
Allgemeine Ansichten über die Leiden des Fegfeuers
Wenige Auserwählte entgehen den Leiden des Fegfeuers
Man muß ganz rein sein, um in den Himmel gelangen zu können

3. Beweggründe, den Armen Seelen zu helfen
Die Armen Seelen können nichts mehr verdienen und sich keine Linderung mehr verschaffen
Die Armen Seelen im Fegfeuer rufen uns ohne Unterlaß um Hilfe an
Es ist unsere Pflicht, den Armen Seelen zu Hilfe zu kommen
Es ist der Wille Gottes, daß wir den Armen Seelen zu Hilfe kommen
Die guten Werke für die Verstorbenen haben vor Gott einen großen Wert
Durch die Erlösung der Armen Seelen aus dem Fegfeuer fördern wir die Ehre Gottes auf die wirksamste und vollkommenste Weise

4. Von den Mitteln, den Armen Seelen zu helfen
Von den Mitteln im allgemeinen, mit denen wir den Armen Seelen helfen können
Von der Kraft des Gebetes für die Verstorbenen
Ermahnung, für die Verstorbenen zu beten, von Thomas von Kempen
Vom Eifer, mit dem man für die Verstorbenen beten soll
Beispiele über den Gebetseifer der Heiligen für die Verstorbenen
Beispiele, wie schnell das Gebet für die Verstorbenen erhört wird
Auch ein kurzes Gebet kann den Verstorbenen sehr nützen
Wie wirksam es ist, die Muttergottes für die Verstorbenen anzurufen
Die Muttergottes übt über das Fegfeuer eine besondere Macht aus
Von der Kraft des heiligen Rosenkranzgebetes zum Trost der Armen Seelen
Wie mächtig die Anrufung der heiligen Engel für die Verstorbenen ist
Wie wirksam die Anrufung der Heiligen für die Armen Seelen ist
Beispiele über die Hilfe, welche Engel und Heilige den Verstorbenen erweisen
Von der Kraft der Bußwerke für die Verstorbenen
Das Gebet mit Fasten oder anderen Bußwerken haben große Kraft für die Armen Seelen
Geduldig für die Verstorbenen zu leiden, hilft ihnen
Die heilige Kommunion ist für die Armen Seelen sehr nützlich
Von der Kraft des heiligen Meßopfers für die Verstorbenen
Beispiele, wie hilfreich das heilige Meßopfer für die Armen Seelen wirkt
Das heilige Meßopfer ist das kräftigste Heilmittel für die Armen Seelen
Vom Ursprung der 30 Messen oder der sogenannten Gregorianischen Messen
über den Ursprung des Allerseelentages
Von der Kraft des Weihwassers für die Verstorbenen

5. Aussagen über die Dankbarkeit der Armen Seelen (kurz und bündig von Heiligen ...)



Die hier nachfolgenden "Gebete, Ratschläge und Aufopferungen" sind nur in der Neuauflage des Buches "Trost der Armen Seelen" (Herausgeber: Klemens Kiser).

6. Gebete - Ratschläge - Aufopferungen
Die Kraft des Vater unser
Das Ave Maria
Die Andacht der "Drei Ave Maria" - Ein Himmelsschlüssel
Entzündet die Liebe!
Noch einige Ratschläge
Aufopferung aller heiligen Messen und guten Werke
Aufopferung aller heiligen Kommunionen
Das Lob Gottes ist ein großes Mittel, seine Sünden zu sühnen.
Perlen christlicher Lebensweisheit, Seelen retten
Die besondere Verehrung des hl. Joseph



Nachfolgende Gebete und Meßgebete im Buch "Trost der Armen Seelen" sind nicht in der Neuauflage von Kiser enthalten. Diese sind direkt aus der alten 23. Auflage, Druck No. 2, Jahr 1865 entnommen:

7. Tägliche Gebete
Morgen- und Abendgebet

8. Meßgebete
Nützliche Weise, die heilige Messe für die Armen Seelen im Fegfeuer aufzuopfern

9. Aufopferung des Leidens und Sterbens Jesu Christi für die Armen Seelen im Fegfeuer

10. Kreuzwegandacht für die Armen Seelen




- GESTIFTET ZUM WOHL DER ARMEN SEELEN -

Einleitung


Es ist dem Menschen eigen, sich um seine in fernen Gegenden wohnenden Freunde zu kümmern und sich sehnsuchtsvoll nach ihrem Schicksal zu erkundigen. Deshalb sollten wir auch wünschen, Kunde über den Zustand unserer geliebten Verstorbenen zu erlangen, da es wohl niemanden gibt, dem der Tod nicht einen geliebten Vater, eine zärtliche Mutter, einen Bruder, eine Schwester, oder einen Freund oder Bekannten, der ihm am Herzen lag, entrissen hat.

Noch heftiger drängt uns die Liebe, Nachricht zu erhalten, wenn wir bedenken, daß sie sich, wie mit Grund zu glauben ist, in schrecklichen Leiden befinden und wir ihnen nach der eindeutigen Lehre unserer heiligen Religion leicht Trost und Linderung, ja sogar die Erlösung aus denselben verschaffen können. Wie traurig und undankbar unsererseits und wie schrecklich für jene wäre es, wenn wir ihnen diese himmlische Wohltat versagten, entweder nur weil wir sie nicht kannten oder auch weil wir sie nicht achteten.

Um also diesem dringenden Bedürfnis gläubiger Seelen so viel als möglich zu entsprechen, wurde hier das wichtigste und interessanteste gesammelt, das man über diesen Gegenstand sowohl in der hl. Schrift, der Überlieferung und den Beschlüssen der Kirche, als auch in den Schriften der hl. Väter, kirchlichen Schriftsteller und Geisteslehrer finden konnte. Es wurden, da Tatsachen immer mehr Eindruck machen als Worte, Beispiele zur Erleuchtung und Aufmunterung beigefugt. Aber aus der großen Menge derselben wurden nur die zweckmäßigsten und sichersten gewählt, jene nämlich, die ihrer Quellen wegen zuverlässig sind. Auch von den neueren Beispielen wurden keine angeführt, von deren Echtheit man nicht gewissenhaft überzeugt war. Wir sind weit entfernt, allen diesen Beispielen, der Anordnung der Kirche gemäß, mehr als menschliches Ansehen beilegen zu wollen.

Ferner versuchten wir, auch auf die so eifrige und wirksame Dankbarkeit dieser Armen Seelen ihren Wohltätern gegenüber aufmerksam zu machen. Durch eine Menge von Erfahrungen wollen wir auch aufzeigen, daß der liebe Gott ihnen gestattet, uns schon in diesem Leben in allen unseren Nöten und Gefahren sehr große Hilfe zu leisten, und daß sie dieses auch wirklich tun.

Um endlich nicht beim bloßen Wissen dieser Sache stehen zu bleiben, zumal das Gebet das allgemeinste und unentbehrlichste Hilfsmittel für die Armen Seelen ist, wurde dieser Sammlung noch ein Gebetsanhang für die Armen Seelen beigefügt. Was könnte es für gläubige Seelen Erhabeneres, Freudigeres und Tröstlicheres geben, als der Gedanke, daß sie durch ihr Gebet den teuren Abgeschiedenen auch noch jenseits des Grabes ihre Liebe erweisen und daß der liebe Gott dieses Gebet als ein wohlgefälliges Opfer und Lösegeld für ihre Befreiung annehme?

Gewiß ist es ein süßer Trost, den uns unsere Religion anbietet, da sie uns lehrt, daß die wahre in Gott gegründete Liebe auch durch den Tod nicht getrennt werde (die Liebe hört niemals auf, sagt der heilige Apostel, 1. Kor., 13, 8), daß sie in und durch Gott dann erst recht wirksam sei und daß durch diese Liebe, als das Band der Vollkommenheit (Kol. 3,14), die leidende wie die triumphierende Kirche mit der streitenden auf Erden eine Familie, "einen Leib ausmache" (Eph. 4. 16).



- Belehrungen und Beispiele über die Armen Seelen im Fegfeuer (mit Gebeten) -

1. Vom Begriffe und Dasein des Fegfeuers


Vom Begriffe des Fegfeuers

Das Fegfeuer ist der Zustand in der anderen Welt, an dem die Seelen von jenen leichten Sünden gereinigt werden, die zwar die Gnade Gottes in uns nicht auslöschen und daher nicht mit der Höllenstrafe gestraft werden, doch aber, bis sie gänzlich getilgt sind, vom Himmel, in den nichts Unreines eingeht, ausschließen.
Es ist der Zustand in der anderen Welt, wo auch für schwere Sünden, für die man zwar in diesem Leben noch die Gnade der Rechtfertigung wieder erlangt, aber noch nicht genug Buße getan hat, vollends gebüßt wird. Denn es ist Glaubenslehre, daß durch die Lossprechung von den Sünden nicht jedem büßenden Sünder die ganze Schuld und Strafe nachgelassen werden, so daß keine Verschuldung einer zeitlichen Strafe zurückbleibe, die entweder auf dieser Welt oder in der anderen im Fegfeuer abgetragen werden muß, bevor der Zugang zum Himmel offen sein kann.
Hierüber liefert uns die hl. Schrift Beweise bei Moses und David. Denn obschon diese großen Diener Gottes über ihre begangenen Sünden mit Gott wieder ausgesöhnt waren, blieb doch für sie die harte zeitliche Strafe dafür nicht aus. Auch die Kirche hat sich darüber eindeutig ausgesprochen.


Das Fegfeuer wird aus dem alten Testament bewiesen.

Schon im alten Bund hat man an einen Reinigungsort geglaubt. Dies gibt deutlich jene Stelle im zweiten Buch der Makkabäer (12, 39-45) zu erkennen, wo es heißt, daß der Heerführer Judas für die in einem Kampf Gefallenen, bei denen man Opfergeschenke der Götzen gefunden hatte, eine Sammlung durchgeführt und 12.000 Drachmen Silber nach Jerusalem gesandt hat, damit ein Sühnopfer für die Verstorbenen dargebracht würde, weil er gut und fromm betreffs der Auferstehung gesinnt war.
"Denn," fügt hier die hl. Schrift bei, "wenn er nicht gehofft hätte, daß die Gefallenen auferstehen würden, so schiene es ja überflüssig und eitel, für die Verstorbenen zu beten. Vielmehr dachte er, daß eine sehr große Gnade denen vorbehalten sei, welche in Frömmigkeit entschlafen sind. Es ist also ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten, daß sie von ihren Sünden erlöst werden." Es folgert also hier die hl. Schrift selbst aus dem Verhalten dieses Heerführers das Dasein des Fegfeuers bzw. einen Zustand der Verstorbenen in der anderen Welt, auf den unsere Gebete und Opfer eine heilsame Wirkung haben, wodurch sie von ihren Sünden erlöst werden können. - Zudem hätte weder in so schwerer Kriegszeit eine so große Sammlung gemacht, noch eine wichtige Religionserneuerung dieser Art plötzlich eingeführt werden können, wenn nicht schon vorher dieser Glaube tief im Volk verwurzelt gewesen wäre.
Dazu sagt Allioli: "Diese ganze Stelle liefert einen klaren Beweis für die katholische Lehre von dem Dasein eines Reinigungsortes für die im Stand der Gnade mit noch nicht vollkommen abgebüßten Sünden Verschiedenen und von der Wirksamkeit des Gebetes und der guten Werke zu ihrer Erlösung." Ferner erhellt dieses aus Jesus Sirach (7,37), wo es heißt: "Wohltätigkeit ist allen Lebenden angenehm, aber versage sie auch einem Toten nicht:" nämlich durch Bezeigung der letzten Ehre und Darbringung der Seelenmessen, wie Allioli hier hinzufügt. Schließlich geht dies aus der Stelle des hl. Paulus hervor (1. Kor. 15, 29), wo er schreibt: "Was täten sonst die, welche um der Toten willen sich taufen lassen, wenn es gewiß ist, daß die Toten nicht auferstehen? Warum lassen sie sich für dieselben taufen?"
Nach Buttler und mehreren Schriftauslegern zeigt dies, daß die Juden damals noch den Gebrauch hatten, sich für die Toten zu waschen oder zu reinigen. Übrigens glauben die Juden jetzt noch an einen Läuterungszustand nach diesem Leben und beten für die Abgeschiedenen.


Das Fegfeuer wird aus dem neuen Testament bewiesen.

Der göttliche Heiland sagt: (Matth. 5, 25, 26) "Einige dich mit deinem Widersacher ohne zu zögern, so lange du mit ihm auf dem Weg bist, damit dich nicht der Widersacher dem Richter übergebe, und der Richter dich dem Diener übergebe, und du in den Kerker geworfen werdest. Wahrlich, ich sage dir, du wirst von da nicht herauskommen, bis du den letzten Heller bezahlt hast." Nun verstehen unter diesem Kerker die Schriftausleger und Kirchenlehrer allgemein das Fegfeuer, indem offenbar von der anderen Welt die Rede ist und die Hölle nicht darunter verstanden werden kann, da kein Herauskommen daraus denkbar ist, was doch hier als möglich vorausgesetzt wird. Ferner sagt der göttliche Heiland: (Matth. 12,32) "Und wer ein Wort wider den Menschensohn redet, dem wird vergeben werden, wer aber wider den Heiligen Geist redet, dem wird weder in dieser, noch in der zukünftigen Welt vergeben werden." Hieraus folgert der hl. Augustinus mit anderen heiligen Kirchenlehrern auf das Fegfeuer, indem es, diesem göttlichen Ausspruch gemäß, notwendig Sünden geben müsse, die in der anderen Welt abgebüßt werden können.
Der hl. Paulus schreibt (1. Kor. 3,12-15): "Wenn aber jemand auf diesen Grund (der Jesus Christus ist) baut und Gold, Silber, Edelsteine sammelt (unter Gold, Silber und Edelsteinen werden hier die guten Werke, unter Holz, Heu, Stoppeln hingegen die leichten Sünden von den heiligen Vätern verstanden) oder Holz, Heu und Stoppeln, so wird eines jeden Werk offenbar werden; denn der Tag des Herrn wird es erweisen, weil es im Feuer offenbar werden wird: Wie das Werk eines jeden ist, wird das Feuer erproben. Wenn jemandes Werk, auf welches er gebaut hat, besteht, so wird er seinen Lohn empfangen. Brennt aber dieses Werk, so wird er Schaden leiden, er selbst aber wird selig werden, jedoch wie durch Feuer."
über diese Stelle sagt Allioli in seinen Anmerkungen: "Das Feuer, wovon der Apostel hier spricht, kann einzig und allein nur das Feuer nach dem Tod im Reinigungsort sein, Fegfeuer genannt, welches noch in der Zeit zur Läuterung der nicht ganz reinen, abgeschiedenen Seelen brennt, bis es mit dem allgemeinen Gericht und dem allgemeinen Weltbrand endet." (II. Petr. 3, 10-13.) In Übereinstimmung hiermit erklären alle heiligen Väter diese Stelle, und wir haben sogar eine unfehlbare Erklärung im selben Sinn beim Konzil von Florenz in der letzten Sitzung.


Das Fegfeuer wird aus der apostolischen Überlieferung bewiesen.

Schon im dritten Jahrhundert spricht Tertullian von dem Opfern für die Toten, als von einer apostolischen Überlieferung, und der hl. Johannes von Damaskus sagt in seiner Ansprache über die Verstorbenen: "Die Jünger und Apostel des göttlichen Heilandes, die das ewige Wort selbst sahen und den lebendigen Kreis der ganzen Welt bekehrten, lehrten, man solle in den fruchtbaren, unbefleckten und belebenden Geheimnissen des hl. Meßopfers das Gedächtnis derjenigen begehen, die gläubig entschlafen seien."
Zur Bekräftigung führt er in der gleichen Rede noch das Zeugnis des hl. Chrysostomus mit diesen Worten an: "Jener Johannes, der vom Gold den Namen Chrysostomus empfing, denn wahrlich spricht er goldene Worte, lehrt: Nicht leichtfertig oder zufällig wurde es von den weisesten Schülern Gottes verordnet und der Kirche überliefert, daß der Priester in den ehrfurchtsgebietenden Geheimnissen Gebete für die Seelen der Verstorbenen verrichte."
Desgleichen schreibt der hl. Gregor von Nyssa: "Nicht ohne Grund und Nutzen ist von den Aposteln und Jüngern Christi überliefert worden, was auch überall in der heiligen Kirche Gottes überaus angenehm, daß das Gedächtnis derjenigen, die im wahren Glauben gestorben sind, in jener göttlichen und lichtvollen Geheimnisfeier begangen werde."
Schließlich gibt der hl. Augustinus seine volle Überzeugung über diese apostolische Überlieferung bzgl. des Fegfeuers zu erkennen, indem er in seiner Abhandlung über die Sorgfalt für die Verstorbenen schreibt: "Wir lesen im Buch der Makkabäer, daß Opfer für die Toten dargebracht wurden; allein wenn auch hiervon durchaus nichts in der hl. Schrift des alten Testamentes geschrieben stünde, so ist das Ansehen der ganzen Kirche, das in diesem Gebrauch hervorleuchtet, nicht von geringem Gewicht, da in den Gebeten, welche am Altar zu Gott dem Herrn vom Priester gesprochen werden, das Gebet für die Toten seinen Platz hat."


Das Fegfeuer wird aus den Beschlüssen der Kirche bewiesen.

Die Kirche hat ihre Überzeugung, daß es ein Fegfeuer gibt, nicht nur durch ihre Anordnungen und steten Gebräuche bei den Begräbnissen und Gedächtnisfeiern der Verstorbenen, und durch ihre uralten, ursprünglichen Meßordnungen allzeit und überall an den Tag gelegt, sondern auch dieselbe schon seit sehr langer Zeit in Konzilien feierlich als eine Glaubenslehre erklärt: Im dritten und sechsten Konzil von Karthago, in dem vierten allgemeinen von Lateran und im Konzil von Trient.
Dieses letztere erklärt ausdrücklich, "daß die im Fegfeuer zurückgehaltenen Seelen durch die Hilfeleistungen der Gläubigen, vorzüglich aber durch das 'angenehme Opfer des Altares Erleichterung erhalten;" und wirft selbst den Bannfluch auf diejenigen, welche behaupten würden, "es werde jedem büßenden Sünder nach erhaltener Rechtfertigungsgnade die Schuld so nachgelassen und die ewige Strafe so getilgt, daß keine zeitliche Strafe zurückbleibe, die entweder auf dieser Welt oder künftig im Fegfeuer abgetragen werden müsse, ehe der Zugang zum Himmel offen sein könne."