Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Belehrungen, Beispiele

1. Begriff Fegfeuer
Altes Testament
Neues Testament
Apostolische Überlieferung
Beweis durch Kirche

2. Fegfeuer-Peinen
Geistespeinen
Fegfeuerpein
Weitere Fegfeuerleiden
Ansichten Fegfeuerleiden
Wenige Auserwählte
Reinheit - Himmel

3. Beweggründe Hilfe
Verdienst, Linderung
Hilferufe o. Unterlaß
Pflicht Hilfe
Helfen: Wille Gottes
Wert guter Werke
Ehre Gottes fördern

4. Helfen
Allgemeine Mittel
Gebetskraft
Ermahnung Gebet
Gebetseifer
Gebetseifer Heiliger
Schnelles Gebetserhören
Nutzen kurzer Gebete
Anruf d. Muttergottes
Macht d. Gottesmutter
Rosenkranzgebetskraft
Macht heiliger Engel
Macht der Heiligen
Kraft der Bußwerke
Gebet und Fasten
Geduldig leiden
Heilige Kommunion
Kraft hl. Meßopfers
Hilfreiches Meßopfer
Meßopfer, höchste Kraft
30 hl. Messen
Ursprung Allerseelentag
Weihwasser - Kraft

5. Dank Armer Seelen

6. Gebete, Ratschläge
Kraft - Vater unser
Das Ave Maria
Drei Ave Maria
Liebe entzünden
Weitere Rätschläge
Aufopferung hl. Messen
Aufopfg. hl. Kommunion
Lob Gottes - Sühne
Perlen d. Seelenrettung
Hl. Joseph

7. Tägliche Gebete

8. Meßmeinung
Zum Eingang
Kyrie eleison
Opferung, Präfation
Wandlung
Agnus Dei, Kommunion
Nach der Kommunion

9. Leiden Jesu
Aufopferung Sonntag
Aufopferung Montag
Aufopferung Dienstag
Aufopferung Mittwoch
Aufopferung Donnerstag
Aufopferung Freitag
Aufopferung Samstag

10. Kreuzwegandacht


Siehe auch:

Höraufnahme
Arme Seelen - Pf. H. Wagner

ABLASS - Ablässe

Katholischer Katechismus
12. Glaubensartikel
Himmel, Fegfeuer, Hölle

Nr. 296: Das Fegfeuer
Arme Seelen - Hilfeschreie  
Hl. Gertrud    
Schwätzen in der Kirche  



 



     


Kirchliche Genehmigung: Vorliegendes Buch: "Trost der Armen Seelen", herausgegeben von Joseph Ackermann, Pfarrer in Emmen, das nichts gegen die Glaubens- und Sittenlehre unserer heiligen Kirche enthält, verdient seines salbungsvollen Inhaltes wegen der Andacht des gläubigen Volkes allerdings empfohlen zu werden.
Chur, den 27. Juli 1846  (+ CASPAR VON CARL, Bischof von Chur)



Im Nachfolgenden Auszüge aus dem Buch "Trost der Armen Seelen" v. Pfarrer Joseph Ackermann: Von Klemens Kiser leicht sprachlich überarbeitet und neu herausgegeben (2. Neuauflage).
Laut Kiser: "Manche Formulierungen klingen etwas altertümlich, doch der Text sollte so wenig wie möglich geändert werden, um auch den Inhalt nicht abzuschwächen."



4. Von den Mitteln, den Armen Seelen zu helfen


Von den Mitteln im allgemeinen, mit denen wir den Armen Seelen helfen können.

Die Glieder der Kirche Jesu Christi triumphieren entweder im Himmel, oder kämpfen auf der Erde oder leiden im Fegfeuer; daher die Benennung der triumphierenden, streitenden und leidenden Kirche.
Die Liebe verbindet uns mit dem ganzen mystischen Leib Jesu und läßt uns teilnehmen an den Leiden und Trübsalen sowie an dem Glück und an den Tröstungen aller, deren Haupt Jesus ist. Die Gemeinschaft der Heiligen, die wir im Glaubensbekenntnis aussprechen, schließt in sich eine Gemeinschaft der Güter und eine wechselseitige Verbindung zwischen allen Gliedern Jesu Christi.
Wir stehen in dieser Verbindung mit den Heiligen im Himmel, wenn wir Gott für ihre Siege und erlangten Belohnungen danken, sie um ihre Fürbitten anrufen und die Wirkungen derselben erfahren; ebenso stehen wir auch in Verbindung mit den Seelen im Fegfeuer, wenn wir die Barmherzigkeit Gottes durch unsere Gebete und guten Werke auf sie herabziehen und ihnen dadurch in ihren Leiden Hilfe leisten. Es sind der Mittel, ihnen zu helfen, ebenso viele, als wir selbst Mittel haben, uns Gnaden und Verdienste zu erwerben, indem wir alle unsere Gott gefälligen Werke und Handlungen zugleich auch fürbittweise für sie verwenden können.

Die heiligen Väter geben uns vielerlei an, nämlich das Gebet, das Fasten, die Bußwerke, das Almosen, die Werke der Barmherzigkeit und das heilige Meßopfer. Man kann aber auch folgenden Abhandlungen und Beispielen gemäß mehrere nennen: Das Gebet, die Anrufung der Mutter Gottes, der Engel und Heiligen, die Bußwerke, die Werke der Barmherzigkeit, die Aufopferung der eigenen Verdienste, die heiligen Ablässe, das Weihwasser, das Lichterbrennen, die Wallfahrten, die heilige Kommunion, das heilige Meßopfer.


Von der Kraft des Gebetes für die Verstorbenen

"Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke," sagt die heilige Schrift (II. Makk. 12, 45), "für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden befreit werden." Es ist heilig, weil es Gott sehr wohlgefällig ist, und heilsam, weil es bei der allerbarmenden Güte Gottes seinen hohen und wohltätigen Zweck nicht verfehlt; denn unter allen Opfern gefallen Gott keine mehr, und keine gereichen ihm zu größerer Ehre, als die Opfer der Barmherzigkeit und der Liebe, vorzüglich wenn sie für diese leidenden Seelen verrichtet werden, die er zärtlich liebt, indem sie heilig sind und der Himmel ihnen schon zugesichert ist.
Da sie nämlich durch seine Gerechtigkeit noch in den Flammen des Fegfeuers zurückgehalten werden, bis sie gereinigt sind, so läßt er die Gebete, die wir liebend für sie zu ihm abschicken, gern zu ihrer Sühnung gereichen; und da diesen, wenn sie auch nur zeitliches betreffen, von Jesus Christus gewisse Erhörung versprochen ist, wie viel kräftiger und sicherer müssen sie erst wirken, wenn sie selbst seine für die ganze Ewigkeit auserwählten Bräute, die einst an allen seinen Gütern und seiner Glückseligkeit teilnehmen sollen, zum Gegenstand haben! Es sagt daher der hl. Augustinus, "daß es keine frömmere und heiligere Beschäftigung gebe, als für die Verstorbenen zu beten."


Ermahnung, für die Verstorbenen zu beten, von Thomas von Kempen (V. Brief)

Wir sollen gern für alle Verstorbenen beten, vorzüglich aber für unsere Eltern, Freunde und Wohltäter, weil dies ein Werk sehr großer Liebe und Barmherzigkeit ist. Sowie wir also wünschen, daß man uns einst nach dem Tod zu Hilfe komme, so müssen wir uns bemühen, auch ihnen mit der Gnade Gottes, soviel wir können, zu helfen. Denn derjenige, der für die Befreiung der Armen Seelen eifrig und treu ist, verschafft sich selbst den größten Nutzen, weil er sich, da er für sie betet, keineswegs der Frucht seines Gebetes beraubt und außerdem dadurch heilsam an den Tod erinnert wird.
Auch wird er kaum jemals ohne die Gnade der innerlichen Sammlung zu seinen gewöhnlichen Geschäften zurückkehren, indem er weiß, daß wir alle den nämlichen Weg des Fleisches werden gehen müssen und daß, was jene jetzt überstanden haben, ihm ebenfalls ganz gewiß bevorsteht. Laßt uns daher für unsere Lieben beten, weil wir ihnen in kurzer Zeit folgen werden, und sie dann, wenn sie erlöst sein werden, sich unser in der gleichen Drangsal gewiß ebenfalls erinnern werden! Unser Glaube sei nicht bloß im Mund, und wir sollen nicht nur auf das sehen, was uns vor Augen ist, sondern wir sollen allen Liebe erweisen, mögen wir ihnen dann körperlich gegenwärtig oder abwesend sein. "Denn die Liebe hört nimmermehr auf (1. Kor. 13); und diejenigen, die einander wahrhaft lieben, werden einander nicht vergessen können.
Der treue Freund wird in der Not erkannt. Wäre es denn nicht gottlos und gar zu grausam von dir, wenn du deinen Bruder oder Freund in einen Kerker oder in ein Feuer geworfen sähest und dadurch nicht zu Tränen gerührt würdest, oder gar, wenn du ihm die Hand reichen könntest, ihm diese Liebe nicht erweist und, wenn du ihn auch mit einigen Worten befreien könntest, mit stummem Mund vorüber gingest.
Laßt uns daher oft für die Toten unsere Hände zum Himmel erheben und ihnen alles, was wir zu ihrer Erlösung für nützlich erkennen, mit frommer Gesinnung erweisen, indem wir bedenken, welche schrecklichen Qualen sie leiden und daß sie nicht zur Ruhe gelangen können, bevor sie gereinigt sind!


Vom Eifer, mit dem man für die Verstorbenen beten soll.

Wir müssen wohl acht haben, unser Gebet für die Verstorbenen mit Eifer zu verrichten. Denn bedenke man doch, mit welcher Beflissenheit man handeln würde, wenn es darum ginge, eine Person, die uns sehr lieb wäre, wie z.B. einen Vater, eine Mutter, ein Kind, usw. in diesem Leben von der Todesstrafe zu befreien; und dann erwäge man, wie unser Gemüt gestimmt sein sollte, wenn wir für Seelen beten, die uns nicht weniger wert sein können und welche in den schrecklichsten Flammen der Strafgerechtigkeit Gottes brennen! Gewiß sollte dies unter Tränenströmen geschehen; möchten wir es wenigstens mit einer wahren, herzlichen Rührung tun!
Boudon sagt, ein Psalm, auf diese Weise gebetet, wirke mehr, als sonst fünfzig, die nachlässig hergesagt werden. Deswegen sind die kurzen Stoßgebetlein sehr kostbar und empfehlenswert, durch welche man z.B. das Blut Jesu mit heiliger Inbrunst für sie aufopfert, die Fürbitte Mariens und der Heiligen usw., was den Tag über oft und zwar ohne Mühe, wie z.B. beim Stundenschlag, geschehen kann. Denn erstaunlich sind hier die Wirkungen eines eifrigen Gebetes und tröstlich die Verheißungen, die demselben von der unendlich großen Güte Gottes gegeben sind. Er tut, wie der königliche Prophet sagt, den Willen derjenigen, die ihn fürchten, und erhört ihr Gebet und erlöst sie (Ps. 144, 19). Und der hl. Jakobus sagt (Jak. 5, 16): "Das beharrliche Gebet des Gerechten vermag vieles." Auch der göttliche Heiland spricht (Joh. 15, 7): "Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so bittet, um was ihr immer wollt, es wird euch gegeben werden." Traurig hingegen sind die Erfahrungen über das nachlässige und das in der Sünde verrichtete Gebet.


Beispiele über den Gebetseifer der Heiligen für die Verstorbenen

Der hl. Bischof und Kirchenvater Ambrosius sprach in seiner Trauerrede über den römischen Kaiser Valentinian mit heiligem Eifer: "Laßt uns die heiligen Geheimnisse für denjenigen darbringen, dessen Verlust wir beweinen! Laßt uns mit glühender Andacht für seine Seelenruhe beten... Erhebt eure Hände mit mir, damit wir wenigstens durch diese Pflichterfüllung einen Beweis unserer Dankbarkeit für die empfangenen Wohltaten geben können." Dann dessen früher verstorbenen Bruder Gratian erinnernd: "Ihr werdet beide selig sein, wenn meine Gebete etwas vermögen. Ich werde keinen Tag vorübergehet lassen, ohne mich eurer zu erinnern. Jede Nacht werdet ihr der Gegenstand meines Flehens sein. An allen meinen Opfern werdet ihr teilnehmen. Wenn ich euer vergesse, so soll auch meine Rechte vergessen sein."
So sprach er auch das folgende Gebet in der Trauerrede auf den Kaiser Theodosius den Großen: "Gib deinem Diener Theodosius eine vollkommene Ruhe, jene Ruhe, welche Du deinen Heiligen bereitet hast. Ich werde meinen Tränen und Bitten nicht ablassen, bis ich ihn hinführe auf den heiligen Berg des Herrn, wohin ihn seine Verdienste rufen."
Mit gleichem Eifer brach einst der hl. Abt und Kirchenlehrer Bernhard in folgende Worte aus: "Auf, ihnen zu helfen! Ich will den Herrn mit Wehklagen beschwören, mit Seufzern will ich in ihn dringen; mit meinen Gebeten will ich, ihr Fürbitter sein; ich will zu ihrer Beruhigung ein besonderes heiliges Meßopfer darbringen, in der Hoffnung, daß der Herr sie seines gnädigen Blickes würdigen, ihre Qualen in Ruhe, ihr Elend in Glorie und ihre Peinen in Lohn verwandeln wolle. Durch solche und ähnliche Werke kann ihre Bußzeit abgekürzt, ihre Mühsal geendet und ihre Qual aufgehoben werden. Durchlaufe, gläubige Seele, welche du immer bist, diese Gefilde der Abbüßung und betrachte, was darin vorgeht. Mache auf diesem Markt deinen Ankauf zu Werken der Barmherzigkeit."


Beispiele, wie schnell das Gebet für die Verstorbenen erhört wird.

In der Chronik der minderen Brüder liest man folgendes: P. Konrad von Offida aus diesem Orden erwachte einst betend vor einem Altar in der Kirche und sah dort einen Bruder seines Klosters, der kurze Zeit vorher gestorben war. Dieser klagte ihm dann, daß er da ein schmerzliches Fegfeuer leide, und bat ihn dringend um sein Gebet, das viel vor Gott vermöge. Er betete daher sogleich inbrünstig das Vater unser für ihn und setzte den Vers: Herr gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen, hinzu.
Darauf sagte der Bruder zu ihm: "O Vater, wenn du wüßtest, welch eine große Erleichterung meiner Pein ich durch dein kurzes Gebet empfinde, deine große Liebe würde dich bewegen, es noch einmal für mich zu verrichten." Er tat es, und da der Verstorbene wieder eine gleiche Linderung der Schmerzen empfand, sagte er noch einmal bittend zu ihm: "Ach Vater, um Gottes Barmherzigkeit willen fahre, bitte, in diesem so wertvollen Gebet, das mein Leiden in Trost umwandelt, fort!" Der Diener Gottes setzte darauf dieses Gebet ununterbrochen fort, wodurch nach und nach die Traurigkeit des Verstorbenen in Freude, seine bleiche Farbe in Glanz und sein aschenfarbiges Kleid in ein schneeweißes umgewandelt wurde; und nachdem es jener hundertmal gebetet hatte, stand die Seele desselben voll Freude ganz glorreich vor ihm, dankte ihm unaussprechlich für ihre schnelle Erlösung und fuhr dann jubelnd zum Himmel. Ein ähnliches Beispiel liest man in der gleichen Chronik von einem P. Stephan, der mit gleichem Erfolg vielmal nacheinander den Psalm: "Aus der Tiefe rufe ich zu Dir" für eine ihm erschienene Seele gebetet hatte.


Auch ein kurzes Gebet kann den Verstorbenen sehr nützen.

Ein gottseliger Bischof sah einst, als er bei Tag in einen leichten Schlaf fiel, im Traum einen Knaben, der mit einer goldenen Angel an einer silbernen Schnur eine schöne Frau aus einem tiefen Brunnen herauszog, und da er hierauf nach seinem Erwachen ans Fenster ging, sah er den nämlichen Knaben auf dem Kirchhof bei einem Grab stehen. Als er ihn nun fragte, was er dort mache, antwortete dieser, er bete für die Seele seiner Mutter, welche da begraben liege, das Vater unser und den Psalm Miserere. Daraus erkannte der Mann Gottes, daß die Seele dieser Frau durch das Gebet dieses Knaben aus dem Fegfeuer erlöst worden sei und daß die goldene Angel das Vater unser, die silberne Schnur aber das Miserere bedeutet haben.

Folgendes Beispiel liest man in der Chronik der Karthäuser. Ein Edelmann brachte einst eine große Summe Geldes in ein Kloster dieses Ordens, um da für seinen verstorbenen Vater beten zu lassen, und als darauf der versammelte Chor nur die Worte: Requiescat in pace. Amen. (Er ruhe im Frieden. Amen.) für ihn sang, beklagte sich jener darüber, weil er dieses kurze Gebet für das mitgebrachte Geld für viel zu wenig hielt. Allein der erleuchtete Prior ließ sogleich von jedem Geistlichen auf ein Zettelchen jene Worte schreiben und zugleich auch eine Waage bringen, und sagte darauf zu dem Edelmann, er wolle nun beides gegeneinander abwiegen, und siehe, o Wunder, nachdem er in eine Schale das Geld, in die andere aber die Zettelchen gelegt hatte, ging jene federleicht in die Höhe, diese aber zog bleischwer hinunter. Dieses Ereignis beschämte und tröstete den Edelmann zugleich. Papst Benedikt XIII. erwähnte auch dergleichen in seinen Erbauungsreden.


Wie wirksam es ist, die Muttergottes für die Verstorbenen anzurufen.

Die Muttergottes, welche von der streitenden Kirche die Mutter der Barmherzigkeit genannt wird, erweist sich in dieser liebevollen Eigenschaft nicht weniger zärtlich gegen die leidende Kirche im Fegfeuer. Sie sagte selbst einmal der hl. Birgitta, wie man in den Offenbarungen derselben liest: "Ich bin die Mutter aller derjenigen, die im Fegfeuer sind: denn alle ihre Leiden werden auf meine Fürbitte jede Stunde etwas gemildert." So bezeugt noch weiter diese heilige Ordensstifterin ebenda, "sie habe aus göttlicher Eingebung erkannt, daß Maria die Trösterin aller derjenigen sei, die sich im Fegfeuer befinden."
Der hl. Alphons Liguori sagt daher: "Glücklich, dreimal glücklich sind die Diener dieser Mutter der Barmherzigkeit, indem ihr Schulz sie nicht nur in diesem Leben begleitet, sondern ihnen auch über das Grab in das Fegfeuer nachfolgt. Je unvermögender dann die Seelen sind, sich selbst zu helfen, desto mehr verdoppelt sie für dieselben ihre Sorgfalt und Güte." Daraus läßt sich leicht schließen, wie angenehm der Himmelskönigin und zugleich wie wirksam für die Armen Seelen es sein müsse, wenn man Maria andächtig für dieselben anruft.
Der fromme Boudon empfiehlt deswegen nicht nur, sie sehr oft um ihre Fürbitte für diese Seelen eifrig anzurufen, sondern auch, daß wir alle unsere übrigen guten Werke und Gebete für dieselben vertrauensvoll in ihre gebenedeiten Hände legen. "Denn," sagt er. "niemand kann heiliger darüber verfügen; außerdem ist dies einer der stärksten Beweise der wahren Liebe, die man zu ihr hat."


Die Muttergottes übt über das Fegfeuer eine besondere Macht aus.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Königin des Himmels und der Erde, wie über die triumphierende und streitende Kirche, so auch, wie der hl. Bernardin bemerkt, über die leidende Kirche eine vorzügliche Herrschaft ausübe, so zwar, daß sie die erste an den Schätzen ihrer Glorie, die zweite an denen ihrer Gnaden und die dritte an den Wirkungen ihrer Fürbitten teilnehmen läßt, deswegen der Heilige auf sie den Spruch der heiligen Schrift anwendet: "Ich bin auf den Fluten des Meeres gewandelt." (Sir. 24. 8). indem sie nämlich durch jenes stürmische Feuermeer geht und die schreckliche Hitze der Armen Seelen mildert. Der hl. Dionysius der Karthäuser sagt nach einer Offenbarung, "daß, wenn nur ihr Name im Fegfeuer ertöne, diese Seelen jene Freude empfinden, die ein Kranker auf seinem Schmerzenslager fühle, wenn er Worte besonderen Trostes hört." Auch der gelehrte Novarin, bezeugt, "daß ihre Fürbitte für sie wie kühlender Maitau auf ihre verzehrenden Flammen herabfalle und sie lindere."
Nach Salmeron ist es eine Meinung vieler Gottesgelehrten. es habe die allerseligste Jungfrau, bevor sie starb, ihren göttlichen Sohn noch um die Gnade gebeten und sie auch erlangt, daß alle Seelen, welche sich damals im Fegfeuer befanden, erlöst wurden und sie in den Himmel begleiteten, "weil sie gerade dazumal," wie der fromme Gerson sagt, "als Königin, und zwar als Königin der Barmherzigkeit, als Mutter der Gnaden gekrönt worden war, wobei es wohl schicklich war, für die Gefangenen Begnadigung zu erhalten." Dies ist eine Meinung, der andere Meinungen und Fakten gegenüberstehen. Siehe in "Was wissen wir vom Fegfeuer" bzgl. Salomon.
Auch fügt der hl. Bernardin bei, "daß sie eine besondere Herrschaft über das Fegfeuer erlangt habe und vorzüglich ihre treuen Verehrer daraus erlöse."


Von der Kraft des heiligen Rosenkranzgebetes zum Trost der Armen Seelen

Diese Kraft geben schon die eigenen Worte der Himmelskönigin zu erkennen, die sie nach dem Zeugnis des sel. Alanus einst in einer Erscheinung zum hl. Dominikus sprach, daß nämlich eine der Hauptwirkungen des heiligen Rosenkranzes die Erlösung der Armen Seelen im Fegfeuer sei.
Dies bestätigt auch das folgende Beispiel: Durch die Predigten des hl. Dominikus wurde in Rom eine Frau von üblem Rufnamens Katharina bekehrt und verlegte sich dann mit besonderem Eifer auf diese Gebetsübung, die sie meistens für die Armen Seelen im Fegfeuer aufopferte. Um nun zu zeigen, welchen Nutzen diese Andacht jenen Seelen verschaffe, ließ der Herr einst den genannten Heiligen sehen, daß, während Katharina eines Tages zum Heil derselben den schmerzhaften Rosenkranz betrachtend betete, aus den Gliedern eines wunderschönen Knäbleins, das unseren Herrn Jesus Christus vorstellte, fünfundfünfzig Quellen emporsprangen, so viele nämlich, als Vater unser und Ave Maria in demselben enthalten sind. Diese Quellen gaben in großer Menge das hellste Wasser von sich, und alle ergossen sich in das Fegfeuer zu einer solchen Erquickung der leidenden Seelen, daß sie beinahe keine Pein mehr fühlten, lauter Jubeltöne hören ließen und voll Dank ihre mitleidige Wohltäterin Katharina lobpriesen. (Compadelli.)
Der sel. Alanus schreibt: "Viele Brüder und Schwestern im Herrn haben ihm eidlich bezeugt, daß ihnen während des Rosenkranzgebetes viele Seelen erschienen seien und dankend versichert haben, es gebe nach dem heiligen Meßopfer kein kräftigeres Hilfsmittel für die Seelen im Fegfeuer, als das heilige Rosenkranzgebet, und daß täglich viele dadurch aus diesem erlöst werden, welche sonst noch viele Jahre darin bleiben müßten." Darum sagt auch der hl. Alphons Maria von Liguori: "Wollen wir demnach den Seelen im Fegfeuer kräftig helfen, so müssen wir dieselben immer in unseren Gebeten der allerseligsten Jungfrau anempfehlen und ihnen besonders den heiligen Rosenkranz aufopfern, wodurch sie sehr getröstet werden." (Herrlichkeiten Mariens.)


Wie mächtig die Anrufung der heiligen Engel für die Verstorbenen ist.

Die heiligen Engel verlassen ihre Pflegekinder keineswegs, wenn diese, nachdem sie durch ihren treuen Beistand ihren gefährlichen Lebenslauf glücklich vollendet und auf immer der Hölle entgangen sind, noch ihre Sündenschulden in den Flammen des Fegfeuers büßen müssen; sondern sie erweisen ihnen vielmehr dann, wenn möglich, eine noch größere Liebe und Sorgfalt. Sie besuchen sie nämlich oft, zeigen sich ihnen sichtbar, trösten sie und unterlassen nicht, ihnen überall auf Erden, wo sie dafür empfängliche Gemüter antreffen, Hilfe zu verschaffen, indem sie dieselben an sie erinnern und zu einem tätigen Eifer für sie entflammen.
Sowie einst der hl. Erzengel Raphael, wie er selbst sagte (Tob. 12, 12), die Gebete des alten Tobias vor den Thron Gottes brachte, wenn dieser unter Tränen betete und den Tisch verließ, um die Toten zu begraben, so tragen die heiligen Engel auch beständig diese Gebete und guten Werke dahin und bringen die reichen Gnaden, die sie dort dafür einlösen, diesen verlassenen Seelen ins Fegfeuer. Wie Boudon sagt, melden sie denselben, was in Bezug auf sie auf der Erde vorgeht, zeigen ihnen die Wohltäter an und ermahnen sie, für sie zu beten, wobei diese liebevollen Geister selbst nie versäumen, all das ihrige eifrig beizutragen. Es muß daher die Anrufung der heiligen Engel für die Verstorbenen sehr wirksam sein. Auch muntert uns die Kirche selbst zum Vertrauen dazu auf, indem sie von dem hl. Erzengel Michael, im Namen des Herrn, singt: Ich habe dich zum Fürsten eingesetzt, um alle Seelen aufzunehmen, und in den Totenmessen heißt es vom hl. Erzengel Michael; daß er jene Seelen in die Herrlichkeit jenes göttlichen Lichtes führen möge, das dem Abraham und seiner ganzen Nachkommenschaft verheißen war.



Wie wirksam die Anrufung der Heiligen für die Armen Seelen ist.

"Es ist" wie der hl. Augustinus und der hl. Thomas von Aquin lehren, "eine ausgemachte Sache, daß die Heiligen im Himmel durch ihre Fürbitte eine große Macht haben, den Armen Seelen die Erlösung aus dem Fegfeuer zu bewirken;" und man darf nicht zweifeln, daß sie diese Liebe ihren im Fegfeuer büßenden Brüder im ausgedehntesten Maß erweisen, und diese zwar um so mehr, da sie ihre schrecklichen Leiden besser kennen. Denn der Himmel ändert ihre Gesinnung nicht, sondern vermehrt vielmehr ihre Liebe; und waren sie während ihres sterblichen Lebens schon so eifrig und mächtig, ihren Mitbrüdern, wenn diese auch ganz lasterhaft waren, in jeder Not Hilfe und Gnade zu erbitten, wie sollten sie jetzt nicht eine noch viel inbrünstigere Liebe mit weit sicherem Erfolg gegen diese Seelen ausüben, die mit der Gnade Gottes geschmückt und bestimmt sind, durch die ganze Ewigkeit ihre glückselige Gesellschaft zu genießen! Ja, obschon sie nicht mehr fähig sind, zu leiden, so sind sie doch immer des Mitleidens empfänglich, und da sie vor dem Thron des barmherzigen Gottes stehen, müssen sie auch notwendig Barmherzigkeit fühlen.
Wenn uns daher die heilige Kirche so dringend empfiehlt, uns in allen Nöten an die Heiligen zu wenden, und wir selbst in allen Ereignissen des Lebens so oft ihren kräftigen Beistand erfahren, so erhellt von selbst, daß die eifrige Anrufung derselben für die Armen Seelen ein höchst heilsames Werk ist und zu deren Erquickung und Erlösung sehr hilfreich sein muß.


Beispiele über die Hilfe, welche Engel und Heilige den Verstorbenen erweisen

Im Leben der sel. Cäcilia Lampugnana liest man, sie sei drei Tage nach ihrem Tod erschienen und habe bezeugt, daß sie im Fegfeuer von ihrem Schutzengel, den sie sehe, sehr erquickt werde. Auch fügte sie hinzu, daß sie ihn bitten wolle, sich bald zum Vorsteher der Kirche des heiligen Grabes zu begeben, damit er Seelenämter für sie halte, wodurch sie großen Nachlaß ihrer Leiden erhalten werde.

Ferner liest man von der sel. Cäcilia, einer Dominikanerin, daß sie in ihrem Leben die Gewohnheit gehabt habe, allzeit etwas von ihrem Trank abzubrechen, um damit den dürstenden Heiland am Kreuz zu trösten; nachdem sie nun nach ihrem Tod ins Fegfeuer verurteilt wurde, sei sogleich ein Engel mit einer goldenen Schale voll Wasser gekommen, habe die Flammen um sie her ausgelöscht und sie in den Himmel eingeführt. Schließlich liest man auch, daß ein Jüngling, der sich schlafen gelegt, ohne seinen gewöhnlichen Rosenkranz für die Armen Seelen gebetet zu haben, von seinem Engel geweckt wurde, indem diese Seelen täglich ein Opfer von ihm verlangten.
Bzgl. der Heiligen hingegen schreiben, Franziskus Gonzaga, Bischof von Mantua: P. Johann de Via, aus dem Orden des heiligen Franziskus, sei einem Novizen, dem er sich schon früher kund gegeben hatte und der darauf seine Erlösung bewirkte, glanzvoll erschienen, um ihm dafür zu danken, und da der hl. Franziskus ihm zur Rechten, der hl. Bernardin aber zur Linken stand, sagte er ihm auch, diese beiden Heiligen seien herabgestiegen, um ihn zu empfangen, weil er ihren höchsten Tugenden allzeit fleißig nachgestrebt habe. In der Heiligsprechungsbeschreibung des hl. Bernardin liest man von einem Toten, der wieder zum Leben auferweckt wurde, daß er den hl. Franziskus im Himmel von unzähligen Ordenskindern, deren er sehr viele aus dem Fegfeuer erlöst, umgeben gesehen habe.
Ferner schreibt Baronius in seinen Jahrbüchern vom Jahr 647, daß der hl. Dionysius, der hl. Mauritius und der hl. Martin den König Dagobert von Frankreich, der zu ihrer Ehre drei Kirchen hatte erbauen lassen, aus dem Fegfeuer befreit haben. Schließlich erzählt man, wie Boudon schreibt, nach einer himmlischen Offenbarung, daß, nachdem einst der hl. Johannes die allerseligste Jungfrau gebeten, sich einer Seele, die in den Flammen des Fegfeuers litt und große Andacht zu ihr gehabt hatte, zu erbarmen, der allgütige Gott diese sogleich daraus erlöst habe.


Von der Kraft der Bußwerke für die Verstorbenen

Es ist bekannt, daß die Heiligen sich der Bußwerke aller Art, wie übrigens auch die katholische Kirche in ihren Anliegen zu tun pflegt, als der geeignetsten Mittel bedienten, um für sich und andere von Gott außerordentliche Gnaden zu erlangen. Es läßt sich, wie auch viele Beispiele dafür zeugen, nicht daran zweifeln, daß dieselben auch für die Verstorbenen die heilsamste Kraft haben. Boudon sagt, von deren wundersamen Wirkungen auf sie gerührt, daß, wenn wir nur ein wenig Glauben hätten, das Fasten, die Bußgürtel, die Geißelungen und andere Bußwerke unsere gewöhnlichen Übungen wären, um dadurch den Armen: Seelen Hilfe zu verschaffen. Da aber der Eifer hierfür nicht bei jedermann so weit reichen kann, so ist doch niemand, der zu diesem Zweck sich nicht bisweilen eine bessere Speise, einen Trank oder ein anderes Vergnügen versagen, seine Sinne, besonders die Augen, die Ohren, die Zunge abtöten, einige Zeit des Stillschweigens beobachten, die Krankheiten, die Kälte und Hitze und anderes Ungemach geduldig ertragen, seine Gemütsart, seinen Eigenwillen bezähmen, kurz alles, was äußerlich und innerlich Leiden und Mühe verursacht, mit Unterwürfigkeit und Dank gegen Gott verdienstlich erdulden könnte.
So haben die Bauern, die Handwerker, die Dienstboten sowie alle, welche körperliche und geistige Leiden haben, vieles, das sie für diese Seelen aufopfern können, und zugleich würde diese christliche Liebe, die sie den Armen Seelen erweisen, ihnen einen reichlichen Segen und Kraft in ihren eigenen Leiden herabziehen. Boudon erzählt, daß Leute, die alle Beschwerden einer Reise, die sie machten, Gott für die Armen Seelen aufopferten, als sie auf derselben in große Gefahren gerieten, außerordentlicherweise daraus errettet worden sind, indem Gott so ihre Liebe durch einen besonderen Beistand seiner liebevollen Vorsehung belohnte.


Das Gebet mit Fasten oder andere Bußwerke haben große Kraft für die Armen Seelen.

Im Buch Judith (4, 12) liest man: "Wißt, daß der Herr euere Gebete erhören wird, wenn ihr im Fasten und Beten vor dem Angesicht des Herrn bleibt und verharrt." Dieses bestätigt das folgende rührende Beispiel. Sancio, König von Leon, starb durch Verrat an Gift. Nun legte die Königin Guda, seine Gemahlin, die ihn zärtlich liebte, ihren königlichen Schmuck ab und ging in ein Kloster, um da Gott zu dienen und mit größerem Nutzen seiner Seele helfen zu können. Tag und Nacht betete sie eifrig, und an den Samstagen fastete sie jedesmal zu Ehren der Muttergottes.
Und siehe, gerade an einem Samstag, da sie für ihn betete, erschien ihr Sancio in einem schwarzen Trauerkleid, mit einem Ausdruck schrecklicher Pein. Er dankte ihr für ihr Gebet und bat sie, damit fortzufahren und es noch zu vermehren. "Ach," sagte er, wenn ich dir, teure Gattin, sagen könnte, wie schrecklich meine Qualen im Fegfeuer sind, o wie würde da dein Mitleid mit deinem Sancio noch zunehmen! Ach, bei der göttlichen Barmherzigkeit, hilf mir Guda, hilf mir!" Nach dieser Erscheinung widmete sich die Königin vierzig Tage lang ununterbrochen dem Gebet und dem Fasten, und nach Verlauf dieser Zeit sah sie ihn mit himmlischem Glanz umgeben, und er sprach zu ihr: "Jetzt bin ich befreit von meinen Peinen. Dieses verdanke ich dir, fromme Königin! Sei dafür ewig von Gott gesegnet! Verharre in deinen heiligen Übungen! Betrachte die Strafen im anderen Leben und vor allem die Herrlichkeit des Himmels, wohin ich vorausgehe, um dich dort zu erwarten und dein kräftiger Fürbitter zu sein."

Geduldig für die Verstorbenen leiden, hilft ihnen.

In den Jahrbüchern des Klosters des hl. Trudo liest man folgendes: Eine gute Frau wurde von ihrem betrunkenen Mann sehr oft nicht nur mit Schimpfworten, sondern auch noch mit harten Schlägen unschuldigerweise sehr mißhandelt. Sie klagte daher einst diese ihre Not einem gottseligen Abt, der ihr den Rat gab, alle ihre Leiden mit der größten Geduld zu ertragen und Gott dem Herrn zu einem angenehmen Opfer für die Armen Seelen darzubringen, wodurch sie gewiß bald werde getröstet werden. Sie befolgte diesen guten Rat und opferte alle ihre Trübsale für eine gewisse Seele im Fegfeuer auf. Nun erschien diese bald darauf dem genannten Abt, um ihm für den vortrefflichen Rat, den er ihrer großmütigen Retterin gegeben hatte, zu danken, durch welchen sie von ihrer Pein befreit worden sei und jetzt in die ewige Freude aufgenommen werde.
Als hierauf dieser Abt jener Frau diese Nachricht mitteilte, wurde sie davon überschwenglich getröstet und erfreut, fuhr dann bei allem ihrem Leiden in dem gottseligen Liebeseifer fort und erlöste dadurch in der Folge noch viele andere Seelen. Es erschien sogar ein Bruder aus diesem Kloster bald nach seinem Tod jenem Abt und sagte ihm, daß ihm am besten durch die Bußwerke dieser Frau geholfen würde. Nachdem nun sogleich der Abt sie dafür angesprochen und sie ihre Verdienste für ihn aufgeopfert hatte, erschien er in der folgenden Nacht wieder und war erlöst.


Die heilige Kommunion ist für die Armen Seelen sehr nützlich.

Der hl. Kardinal und Kirchenlehrer Bonaventura, aus dem Orden des heiligen Franziskus, der in seinen Werken viel von den Armen Seelen spricht, ermahnt besonders zur öfteren heiligen Kommunion für sie: "Die Liebe und das Mitleid mit deinem Nächsten," sagt er, "treibe dich zum heiligen Tisch; denn nichts ist so wirksam, für die Seelen Ruhe zu erlangen."
Das folgende Beispiel bestätigt das Gesagte: Ludwig Blosius erzählt, einem frommen Diener Gottes, den er wohl kannte, sei einst ein Verstorbener, der ganz in Flammen eingehüllt war, erschienen und habe ihm mitgeteilt, daß er schrecklich leiden müsse, weil er mit zu wenig Vorbereitung den göttlichen Heiland unter den sakramentalen Gestalten empfangen habe. "Darum bitte ich dich," fügte er hinzu, "mein lieber Freund, sei doch so gut um der Liebe willen, die wir zueinander hatten, und kommuniziere einmal zum Heil meiner Seele, aber mit andächtiger Vorbereitung und großem Eifer; so hoffe ich sicher, von den fürchterlichen Peinen befreit zu werden, die ich für meine Lauigkeit gegen das allerheiligste Sakrament des Altares wohl verdient habe."
Jener erfüllte unverzüglich diese fromme Bitte, und nachdem er die heilige Kommunion mit der gehörigen Vorbereitung empfangen hatte, erschien ihm die Seele noch einmal mit glänzendem Licht umgeben, wie sie in festlichem Flug sich emporschwang, um unverhüllten Angesichtes den König der ewigen Glorie zu schauen. (Blos. in mon. sp. e. VI.)


Von der Kraft des heiligen Meßopfers für die Verstorbenen

Die heiligen Väter sprechen sich vielfach mit Eifer über die unermeßliche Wirkung des heiligen Meßopfers für die Verstorbenen aus. Der hl. Cyrill von Jerusalem sagt, als er jenen, die von ihm im Christentum unterrichtet wurden, mehrere Stellen der Meßordnung erklärt, daß wir darin für unsere Väter und überhaupt für alle Verstorbenen in der zuversichtlichen Hoffnung beten, daß ihnen durch die Gebete, die man im heiligen Opfer für sie darbringe, große Linderung zuteil werde, und fügt, um dies zu erklären, bei: "Wenn einem König, für jene, die ihn beleidigt hatten, und deshalb bestraft wurden, die Freunde oder Verwandten der Beleidiger irgend ein Geschenk von hohem Wert, wie z.B. eine Krone, zur Besänftigung seines Zornes darbrächten, glaubt ihr nicht, daß der Fürst die Schuldigen begnadigen oder doch ihre Strafe mildern würde? Ebenso richten wir unsere Gebete zu Gott für die Verstorbenen, obschon wir Sünder sind; nicht zwar, als könnten wir ihm eine Krone anbieten, sondern indem wir ihm Jesus Christus selbst darbringen, der für unsere Sünden geblutet hat, damit der so gütige und barmherzige Gott ihnen und uns gnädig sein möge" (Katech. 19.9).
"Nicht umsonst", sagt der hl. Chrysostomus, "haben die Apostel das Gedächtnis an die Toten bei den heiligen ehrfurchtsgebietenden Geheimnissen verordnet, denn sie wußten, welche Vorteile denselben aus dieser übung zuströmen. Wenn die Gemeinde mit dem Priester die Hände ausstreckt in Gegenwart des heiligen Opfers, welche Kraft müssen dann unsere Gebete haben! Wer am Altar steht, ruft nicht vergebens: Laßt uns für die Entschlafenen beten."
Sehr schön sagt auch ein frommer Schriftsteller unserer Zeit: "Das heilige Meßopfer ist Gott weit angenehmer, als wenn wir ihm tausend Welten zum Opfer brächten, die alle mit Seraphinen angefüllt wären: Welten voll Seraphinen, was sind sie im Vergleich mit Jesus, dem eingeborenen, geliebten Sohn Gottes? Und gibt es wohl etwas, das wir durch Jesus durch seine Vermittlung hei Gott nicht erhalten könnten? Wäre eine Seele im Fegfeuer so tief verschuldet, daß das Blut Jesu diese Schuld heim Vater nicht bezahlen könnte? Könnten sich diese Seelen jetzt noch die Verdienste Jesu aneignen, so würde sofort eine allgemeine Erlösung stattfinden."


Beispiele, wie hilfreich das heilige Meßopfer für die Armen Seelen wirkt

Der hl. Abt und Kirchenvater Bernhard schreibt in dem Leben des hl. Malachias: "Einst hörte dieser heilige Bischof im Traum eine Stimme, die ihm sagte, seine Schwester, die unlängst gestorben war, stehe im Vorhof und habe schon 30 Tage lang nichts mehr verkostet. Beim Erwachen verstand er sogleich, welche Speise ihr abging, denn es waren ebenso viele Tage, daß er das lebendige Himmelsbrot nicht mehr für sie dargebracht hatte. Er fuhr hernach ununterbrochen fort, ihr diese himmlische Wohltat wieder zu erweisen, worauf er sie bald einmal in einem Trauerkleid zur Kirche kommen sah; sie durfte aber nicht hinein. Später sah er sie in einem etwas weißen Gewand in der Kirche; allein sie durfte sich dem Altar nicht nähern. Endlich sah er sie das dritte Mal in einem weißen Gewand unter einer Schar Weißgekleideter, was ihm ihre Erlösung bedeutete."
Der hl. Bernhard schließt diese Erzählung mit folgenden Worten: "Offenbar hat dieses Sakrament die Kraft, die Sünden zu tilgen, die feindlichen Mächte zu überwältigen und den von der Erde Heimkehrenden den Himmel aufzuschließen."
Der hl. Antonius erzählt: "Als einst der hl. Johannes von Alvernia, aus dem Minoritenorden, an einem Allerseelentag bei der heiligen Wandlung den allerheiligsten Leib unseres Herrn dem ewigen Vater aufopferte und ihn inbrünstig bat, die Seelen im Fegfeuer durch das Blut und die Verdienste seines eingeborenen Sohnes daraus zu befreien, sah er deren eine große Menge, gleich unzählig vielen Feuerfunken aus einem Ofen, sich in den Himmel emporschwingen."


Das heilige Meßopfer ist das kräftigste Heilmitteln für die Armen Seelen.

Der sel. Heinrich Suso, aus dem Predigerorden, war. wie er selbst schreibt, mit einem Ordensmann, der in Köln sein Studiengefährte war, das gegenseitige Versprechen eingegangen, daß derjenige von ihnen, der den anderen überleben würde, ein Jahr lang wöchentlich zwei heilige Messen für den anderen lesen müsse. Nachdem nun der Ordensmann gestorben war, vergaß zwar Heinrich Suso für ihn die schuldigen Messen zu lesen, betete aber und opferte seine äußerst strengen Bußwerke fortwährend für ihn auf. Allein der Verstorbene erschien ihm darauf in einem ganz traurigen und abgehärmten Aussehen und beklagte sich bei ihm jämmerlich darüber, daß er versäumt habe, ihm durch Entrichtung des heiligen Meßopfers beizustehen. Suso entschuldigte sich damit, daß er ihn doch beständig dem Herrn empfohlen und für ihn Buße getan habe. Jetzt schrie der Verstorbene: "Blut, Blut, Bruder, ist nötig, damit mir Linderung werde! Messen, Messen, wie wir einander versprochen haben, sollen gelesen werden!" Und in der Tat, nachdem der Selige mehrere Messen für ihn gelesen hatte, sah er ihn bald darauf als eine Lichtgestalt gen Himmel steigen. Denn es ist nur allzu wahr, daß, wie der fromme Papst Benedikt XIII. hierbei bemerkt, nur Jesus Christus uns in seinem Blut von unseren Sünden rein gewaschen hat. Es sagt daher das heilige Konzil von Trient (25. Sitzung), daß die im Fegfeuer behaltenen Seelen die kräftigste Hilfe durch das heilige Opfer des Altares erhalten.


Vom Ursprung der 30 Messen oder der sogenannten Gregorianischen Messen

Der hl. Papst Gregor der Große erzählt selbst in seinen Gesprächen folgende Geschichte, die sich in seinem eigenen Kloster in Rom zugetragen und zu diesen Messen Anlaß gegeben hat. Ein Bruder namens Justus war gestorben. Da er aber gegen die Ordensregel sich einige Goldstücke angeeignet hatte, befahl der heilige Papst, ihm zur Strafe und den anderen zur Warnung, daß ihm kein Bruder im Tod beistehen und sein Leichnam außerhalb des Kirchhofes mit diesem Geld in eine Grube geworfen werden solle. Dieses geschah wirklich. Aber dreißig Tage später erbarmte sich der Heilige seiner und ließ eben so viele Tage nacheinander eine heilige Messe für ihn lesen. Als diese nun verrichtet waren, erschien der Verstorbene seinem leiblichen Bruder Copiosus, der Arzt in der Stadt war, und sagte ihm auf dessen Frage, wie es ihm gehe: Bisher ging es schlecht: allein jetzt steht es gut um mich; denn heute habe ich die Gemeinschaft erhalten. Nachdem Copiosus diese Nachricht ins Kloster gebracht hatte, zählte man die Tage, seit denen man das heilige Opfer für ihn dargebracht hatte (denn man hatte ihrer nicht geachtet), und es fand sich, daß es gerade der dreißigste war. Der heilige Papst schließt diese Erzählung mit den Worten: "Da Copiosus nicht wußte, was die Brüder für ihn getan, noch diese Brüder, was er gesehen hat, und da die Erscheinung mit dem heiligen Opfer übereinstimmte, so zeigte sich klar daß der gestorbene Bruder durch die Darbringung des heilsamen Opfers der Pein entkommen sei." Von da an wurde dieser Gebrauch der 30 Messen allgemein; und mehrere Beispiele zeugen von der großen Kraft derselben für die Verstorbenen.


über den Ursprung des Allerseelentages

Der große kirchliche Geschichtsforscher P. Surius, aus dem Karthäuserorden, gibt als Ursprung dieses allgemeinen Gedächtnistages folgende Begebenheit an, welche der hl. Petrus Damiani im Leben des hl. Abtes Odilo Cluny (Kluny) beschreibt: Ein frommer Ordensmann aus Frankreich, der auf seiner Heimkehr von einer Pilgerreise nach dem gelobten Land auf dem Meer durch einen Sturm auf eine unbekannte Insel geworfen wurde, traf da einen gottseligen Einsiedler an, der ihm sagte, er höre in der Nähe seiner Zelle oft ein seltsames und schreckliches Geheul der bösen Geister, die sich beklagten, daß ihnen durch die Gebete und guten Werke der Christen für die Verstorbenen ein so großer Schaden zugefügt werde, indem dadurch die ihnen zur Quälung übergebenen Seelen erlöst oder wenigstens in ihren Peinen stark erleichtert werden. Besonders äußerten sie deswegen einen großen Haß gegen den Abt Odilo von Cluny und dessen Mönche. Nach seiner Rückkehr teilte dieser Ordensmann, gemäß dem Verlangen des Einsiedlers, diese Nachricht dem heiligen Abt von Cluny mit, der. dadurch noch mehr entflammt, um dieses Werk so ausgezeichneter Liebe noch mehr zu verbreiten, um das Jahr 1030 in allen Klöstern seines Ordens auf den zweiten Wintermonat einen jährlichen Gedächtnistag für alle Seelen im Fegfeuer einführte.
Nachdem er später mit dem Papst Johannes XIX. davon gesprochen hatte, führte der Papst diesen Brauch in der ganzen Kirche ein. Zwar meldet schon Tertullian im dritten Jahrhundert, daß die Christen seiner Zeit ein jährliches Gedächtnis der Verstorbenen gehalten haben; und der Bischof Amalarius von Trier hatte eine solche schon zwei Jahrhunderte vor Odilo in seinem Sprengel eingeführt, allein erst infolge des genannten Ereignisses wurde dieser Brauch, wie gesagt, auf die ganze Kirche ausgedehnt.


Von der Kraft des Weihwassers für die Verstorbenen

Nach altem Brauch segnet die Kirche das Wasser. Die Priester und die Gläubigen besprengen mit dem Weihwasser die Verstorbenen und ihre Gräber. In manchen Gegenden findet man auf den Friedhöfen leider keine Weihwassergefäße. Geben Sie, bitte, den Armen Seelen immer wieder den Trost des Weihwassers. Gehen Sie nicht nur an Allerseelen auf den Friedhof.
Geben Sie auch zu Hause jeden Abend Ihren Verstorbenen, allen Armen Seelen und den meist vergessenen Priesterseelen das Almosen des Weihwassers. Bedenken Sie die Worte Jesu Christi: "Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."