Der schönste Gruß an Maria


Die Blumenkrone mit dem Ave Maria in goldenen Lettern auf einer Lilie

Eine hübsche Erzählung schildert die Entstehung eines der beliebtesten und meistbesuchten marianischen Heiligtümer in Frankreich, des Wallfahrtsortes Folgoet auf der bretonischen Halbinsel. Folgoet bedeutet in der Sprache dieser Gegend der Waldnarr. So nannte man einen armen jungen Mann, der zwar etwas einfältig, aber für die Belange Gottes und die Marienminne sehr aufgeschlossen war. Er lebte als Klausner in einem tiefen Wald. Er konnte nur ein einziges Gebet, das Ave Maria, und dieses betete er unzählige Male am Tage. Nach seinem Tode sah man aus seinem Grabe eine Lilie hervorsprießen, auf deren Blumenkrone in goldenen Lettern das Ave Maria sich abzeichnete. Die Kunde von diesem Wunder ließ an dieser Stelle eine herrliche Wallfahrtskirche entstehen, die in der ganzen Welt Berühmtheit erlangte. (Vgl. Campana. - Maria nel culto cattolico, Bd. I., S. 475, 2. Aufl. 1946.)

Geschichtliche Tatsache oder Legende? Wie dem auch sei, es ist eine tiefe Wahrheit darin verborgen: Der heiligen Jungfrau ist der englische Gruß sehr willkommen.


Der Gruß des Engels Gabriel

Nach dem Vaterunser, dem erhabenen Gebet, das aus dem heiligsten Herzen Jesu hervorging und den Aposteln als Anleitung zum Beten dienen sollte, ist kein anderes schöner, wirksamer, prägnanter, Gott und der heiligen Jungfrau angenehmer als das Ave Maria oder der Englische Gruß. Es besteht aus dem Gruß, den der Engel entbot, als er der künftigen Gottesmutter das Geheimnis der Menschwerdung verkündete: "Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen", ferner aus dem Marienlob der heiligen Elisabeth (Base), das ihr vom Heiligen Geist eingegeben wurde "Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes" und schließlich aus dem Bittgebet der Kirche "Heilige Maria, Mutter Gottes…".


Durch das Ave Maria die Rettung und das Heil des Einzelnen

Wie schön schrieb doch der wahrhaft marianische Lehrer, der heilige Ludwig de Montfort (Lebensbeschreibung Anton B. Kraus: "Der Herold der Madonna" (Hacker-Taschenbuch Nr. 25), über den Englischen Gruß: Nur wenige gebildete Christen kennen seinen Wert, sein Verdienst, seine Vortrefflichkeit und Notwendigkeit. Die heilige Jungfrau selbst musste mehrmals großen, erleuchteten Heiligen erscheinen, um die Vorzüge des Englischen Grußes darzutun. Sie schrieben ganze Bücher über die wunderbare Macht dieses Gebets zur Bekehrung der Seelen und taten in ihren Predigten allen kund, dass durch das Ave Maria die Rettung der Welt begonnen hat und von diesem Gebet auch das Heil des einzelnen abhängt.

Schon immer konnte man feststellen, dass jene, die das Mal der Verwerfung tragen, also die Häretiker und Gottlosen, die Hochmütigen und Mondänen, das Ave Maria hassen und verachten. - Andererseits lehrte die Erfahrung, dass Männer und Frauen, die offensichtlich für den Himmel bestimmt sind, das Ave Maria freudig beten; ja, je Gott verbundener sie sind, umso mehr lieben sie dieses Gebet. - O ihr Seelen, die ihr einmal in den Himmel eingehen sollt, ihr Liebessklaven Jesu in Maria, wisset, dass das Ave Maria nach dem Vaterunser das schönste aller Gebete ist! Es ist das größte Kompliment, das wir der heiligen Jungfrau machen können, denn Gott selbst hat ihr durch einen Erzengel diese Ehre erwiesen, um ihr Herz zu gewinnen, und in der Tat bewirkte es durch seine geheime Anziehungskraft, dass Maria trotz ihrer tiefen Demut ihre Zustimmung zur Menschwerdung des göttlichen Wortes gab. Wenn ihr Maria in aller Ehrfurcht das gleiche Lob darbringt, werdet auch ihr zweifellos ihr Herz gewinnen.

Das richtig, d. h. aufmerksam, andächtig und demütig gebetete Ave Maria ist nach Ansicht des Heiligen der siegreiche Widersacher des Teufels, es ist der Hammer, der ihn zerschmettert, die Heiligung der Seelen, die Freude der Engel, das Lied der Auserwählten, der Hochgesang des Neuen Testaments, die Wonne Mariens und der Lobpreis der heiligsten Dreifaltigkeit. Das Ave Maria ist ein himmlischer Tau, der die Seele befruchtet, ein keuscher, zärtlicher Kuss, den man Maria schenkt, eine rote Rose, eine kostbare Perle, eine Himmelsspeise, die man ihr darbietet. Das sind alles Vergleiche, die von Heiligen stammen. (Traktat von der wahren Andacht, Kap. 8. Nr. 5.)


Voll tiefer Geheimnisse, würdig, unaufhörlich im Herzen betrachtet zu werden

Auch bei Thomas von Kempen finden wir eine bedeutsame Abhandlung, der wir einen kurzen Auszug entnehmen: Ein Gebet von nur wenigen Worten, aber voll tiefer Geheimnisse, kurz, aber von weitreichendem Einfluss. Es ist wertvoller als Gold, süßer als Honig, würdig, unaufhörlich im Herzen betrachtet und immer wieder mit den Lippen gesprochen und wiederholt zu werden. Den wenigen Worten, aus denen es besteht, entquillt überreicher Trost. Wie bedauernswert sind doch unandächtige und träge Beter, die in ihrer Zerstreutheit nicht über die Worte nachdenken und daher auch deren innigen Kern nicht verkosten können! (Vgl. Campana, Maria nel culto cattolico, Bd. I, S. 473.)


Überwindung und Vertrauen - ohne Hilfe der Drei Ave Maria Fall

Eine Klosterfrau aus Nimes (Frankreich) schrieb an ihren geistlichen Bruder: Eine unserer Schülerinnen, eine junge Italienerin von etwa 17 oder 18 Jahren war mir sehr zugetan. Trotz ihres verschlossenen, unversöhnlichen Charakters hatte sie zu mir volles Vertrauen. Nach ihrem Eintritt ins Pensionat stürzte sich das hochbegabte Mädchen mit einem wahren Feuereifer auf das Studium unserer schönen Sprache und Literatur. Freilich, die Religion wurde von ihr sehr stiefmütterlich behandelt. - Umso glücklicher war ich, dass sie auf mein inständiges Bitten drei Ave Maria täglich betete. Vom Morgen- und Abendgebet wollte sie nämlich nie etwas wissen. Nach den Osterferien fiel mir auf, dass sie noch schweigsamer geworden war. Weder für die Oberin noch für ihre Mitschülerinnen war sie zugänglich. Was sie mir damals anvertraute, muß immer ein Geheimnis bleiben. Nur soviel darf ich - der Gottesmutter zu Ehren - verraten, dass diese so gefährdete Seele ohne Hilfe der Drei Ave Maria unweigerlich zu Fall gekommen wäre. "Ich war schon zum Nachgeben bereit", gestand sie mir, "da dachte ich an Sie und betete die Drei Ave. - Sie glauben nicht, welche Überwindung mich das gekostet hat!"

Sie blieb nur ein Jahr im Pensionat. Wenig genug! Ich bangte um sie, betete für sie, denn ich wusste wohl, welchen Gefahren sie ausgesetzt war. Hin und wieder erinnerte ich sie brieflich an ihr Versprechen und sie tat desgleichen, hatte ich doch mein Wort gegeben, in ihrer Meinung täglich die Drei Ave Maria zu beten. Und das habe ich nie versäumt. Zu meinem großen Bedauern hörte ich lange Zeit nichts mehr von ihr. Es verstrich mehr als ein Jahr, aber mein Sorgenkind gab kein Lebenszeichen. Endlich erhielt ich eines Tages einen Brief aus Turin. Das liebe Mädchen schrieb: Wie war es mir arg, dass ich Ihnen mein Herz nicht ausschütten konnte! Ich hatte Ihre Adresse verloren. Nun habe ich sie wiedergefunden. Liebe Mater, was habe ich durchgemacht! Ich war manchmal dem Verzweifeln nahe. Misserfolg über Misserfolg. Aber ich betete unverdrossen, denn ich musste immer an Ihre Worte denken "Maria ist die Hoffnung der Verzweifelten." Nun ist alles in Ordnung. Ich könnte eine gute Partie machen, ja ich glaube, keine bessere als diese. Doch ich will mich nicht blenden lassen. Beten Sie für mich, liebe Mater, dass die heilige Jungfrau alles zum Guten wendet. Ich hege jetzt soviel Vertrauen zu ihr. Sie haben wirklich recht gehabt: man ruft sie niemals vergeblich an. Einige Monate später kam eine Einladung zur Hochzeit meines Sorgenkindes. Ich atmete auf und sang vor lauter Freude das Magnifikat. Seitdem hörte ich nichts mehr von ihr. Sicher ging alles gut. Im Übrigen bin ich beruhigt, denn sie liebt die heilige Jungfrau. (LT.)




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