Maria - Vermittlerin aller Gnaden
Alles mit Maria - Durch und mit Maria zu Jesus

Mein höchstes Ideal
Jesus, Mariens Sohn
   

Nach der Lehre des P. Chaminade von P. Dr. Theol. E. Neubert S.M.



Umwandlung in Jesus

1. Mein Ziel: Ich will dich in Jesus umwandeln.

Maria:

1. Mein vielgeliebter Sohn, dem ich das Leben gab, als ich Jesus gebar, in dem ich Jesus sehe und den ich mit jener Liebe liebe, die ich zu Jesus trug, dich hat mein Sohn gelehrt, mir ähnlich anzugehören wie er. Ich will dir ebenso Mutter sein wie ihm.

2. Wie Er, so hast auch du dich mir ganz hingegeben. Doch ich will dich nicht für mich allein haben. Aus Liebe zu Jesus und zu dir, für Jesus in dir und in den anderen habe ich dich zu meinem Lieblingskind auserwählt. Noch kannst du nicht alles verstehen, was ich dir sage; nach und nach aber wirst du es begreifen.

3. Zuerst will ich mich deiner Erziehung annehmen, wie ich es bei meinem Sohn Jesus tat. Du bist mein Kind, weil du eins bist mit ihm.

4. Dich erziehen heißt, dich lehren, vollkommen das Leben Jesu zu leben, zu denken und zu wollen, zu sprechen und zu handeln, wie Er, kurz, ein anderer Jesus zu werden. Es bedeutet, in dir eine ähnliche Wandlung hervorzubringen wie jene, die der Priester mit der Hostie vollzieht. Für die Sinne bleibt das Brot in der Hostie, für den Glauben aber ist es Jesus. Auch du wirst äußerlich der gleiche bleiben, aber innerlich wirst du gleichsam Jesus sein.

5. Du meinst, das sei dir ein zu hohes Ideal. Habe keine Sorge! Ich verstehe es, die Seelen dem Vorbild Jesu ähnlich zu gestalten. Alle Heiligen sind durch mich heilig geworden. Warum könnte ich nicht auch für dich tun, was ich für andere tat? Laß mir nur freie Hand und sei gelehrig!

6. Ich will dir jetzt einige ÜBUNGEN angeben, die dir bei dieser Umwandlung behilflich sein können. NIMM DIR EINE NACH DER ANDEREN VOR UND GEHE NICHT ZUR FOLGENDEN ÜBER, BEVOR SIE DIR NICHT GANZ LEICHTFÄLLT. Aber, wenn du einmal so weit bist, dann lasse nie mehr von ihr!

Die Seele:

O meine Mutter, ich, ein Sünder, so schuldbeladen in der Vergangenheit, so schwach in der Gegenwart und so unbeständig, fürchte ich, in der Zukunft, ich soll ein Heiliger werden? Dennoch übergebe ich mich dir ganz und gar. Alle Wunder sind dir möglich, sogar das, aus mir einen Heiligen zu machen. Erlange mir die Gnade, daß ich niemals deinen Wünschen widerstehe.



2. Lerne die Gedanken Jesu zu denken.
Aus den Büchern:

Maria:

1. Mein Sohn, willst du Jesu Leben leben, so mußt du zunächst lernen, die Gedanken Jesu zu denken.

Die Welt denkt auf ihre Art und Jesus auf eine ganz andere. Dein Denken stimmt oft mehr mit dem der Welt als mit den Gedanken Jesu überein.

2. Jesu Denken ist im Evangelium aufgezeichnet und auch in den Büchern, von Männern geschrieben, die erfüllt waren vom Geist des Evangeliums. Da mußt du dieses Denken studieren.

Verwende täglich einige Augenblicke für eine fromme Lesung. Kannst du dir dafür nicht täglich eine Viertelstunde gönnen oder wenigstens fünf Minuten? Du findest ja Zeit für allerlei andere Dinge, die lange nicht so wichtig wären.

Mag diese tägliche Lesung manchmal recht kurz sein, unterlasse sie jedoch nie.

Bestimme für sie eine Zeit des Tages: morgens, mittags oder abends, und sei dann genau; beginne pünktlich mit ihr.

3. Bitte mich zu Beginn der Lesung, daß ich dir helfe, die Lehren Jesu zu verstehen. Teile mir die Erwägungen mit, die Jesus dir eingibt.

Denke beim Lesen daran, daß Jesus mit dir spricht!

Lies mit Ehrfurcht und ehre so das Wort Jesu!

Lies langsam, nicht zu hastig, nicht, um deine Neugierde zu befriedigen, sondern um den Geist Jesu zu erfassen und zu lernen, sein Leben zu leben.

Wende das Gelesene auf dein Leben an. Siehe zu, was du zu verbessern hast in deinem Denken und Benehmen. Schließe die Lesung mit einem Vorsatz, den du mir anvertraust!




3. Lerne denken wie Jesus.
In unmittelbarer Verbindung mit ihm

Maria:

1. Mein Sohn, auch auf einem anderen Weg kannst du dahin kommen, Jesu Gedanken zu denken. Es ist das ein recht schneller, sicherer und wirksamer Weg. Er besteht darin, daß du mit Jesus in unmittelbare Verbindung trittst.

2. Betrachte Jesus mit Vorliebe im Evangelium!

Höre seine Worte; schaue auf seine Handlungen! Aber bleibe nicht beim Äußeren stehen, sondern dringe in seine Seele! Dort wirst du dann entdecken, was Er bei seinen Worten und Handlungen dachte, fühlte und wollte. Achte vor allem darauf, wie bei ihm jedes Wort, jede Gebärde aus der Liebe hervorgeht. Denn Jesus ist mehr als bloßer Lehrer, der Worte der Weisheit spricht. Er ist der Gott der Liebe. Du hast seine Lehre nicht verstanden, wenn du nicht zur Quelle dieser Lehre gekommen bist: zur unendlichen Liebe des Herzens Jesu.

3. Hast du Jesus betrachtet, dann betrachte einen Augenblick auch dich selbst. Dann kannst du feststellen, daß du noch lange nicht so fühlst, denkst, willst und handelst wie Er.

Erforsche dich, was du tun sollst, welches Hindernis du entfernen, welche Mittel du anwenden und welche Opfer du dir auferlegen willst, um ihm ähnlich zu werden.

4. Während du Jesus betrachtest und dein Leben im Lichte Jesu prüfst, sprich zu ihm!

Rede mit ihm, wie wenn du ihn sehen würdest! Wohnt Er nicht in dir? Hört Er deine Stimme nicht ebenso gut wie die von Petrus, Magdalena oder Johannes? Oder liebt Er dich nicht ebenso innig, wie Er seine Jünger geliebt, dich vor allem, den Er mir geschenkt, damit du, wie Johannes, mein Lieblingskind seist?

Sprich mit ihm herzlich, ohne Formeln! Sag ihm ganz einfach, was du denkst, fühlst, wünschest. Sag ihm, wie du es deinem Bruder, deinem besten Freund erzählen würdest.

5. In dieser Unterhaltung mit Jesus vergiß nicht, dich mit mir zu vereinigen! Du weißt, daß ich immer bei dir bin, und daß man nur durch die Mutter den Sohn findet.

Du kannst dich ja selbst davon überzeugen, daß du nicht so gesammelt, nicht so vertraut und liebevoll mit ihm sein kannst, wenn du mich nicht an deiner Stelle weißt.

Mein ganzes Leben verbrachte ich damit, über all das nachzudenken, was ich bei meinem Sohn sah und hörte. Jede deiner Betrachtungen über ihn wird nur eine Wiederholung einer meiner Betrachtungen sein. Komm zu mir, und du wirst durch mich teilweise das verstehen und fühlen, was ich verstand und fühlte, als ich über die Geheimnisse Jesu nachdachte.

6. Mühe dich nicht damit ab, Gedanken und Überlegungen zu häufen. Begnüge dich damit zu glauben, zu lieben und zu beten.

Glaube! Wenn Jesus dies oder jenes gesagt hat, so ist sein Wort entscheidend. Unnütz ist's, andere Beweise zu suchen. Er hat es gesagt: Also ist es wahr, unfehlbar wahr!

Glaube! Deine Mitmenschen behaupten vielleicht, wenigstens durch ihr Benehmen, das Gegenteil. Das macht nichts. Jesus hat es gesagt: deshalb ist es wahr. Die Menschen werden vergehen, aber die Wahrheit des Herrn bleibt ewig!

Deine natürlichen Gesinnungen werden mit den Gesinnungen der Menschen übereinstimmen oder sich der Lehre Jesu gegenüber gleichgültig verhalten. Auch das macht nichts! Es kommt hier nicht auf das Gefühl an, sondern auf den Glauben. Jesus hat es gesagt! Daher glaube es!

Vereinige dich mit mir und dein Glaube wird reiner, fester werden!

Erwecke häufig Akte des Glaubens! Nicht, um dir selbst etwas einzureden, sondern um die göttliche Wahrheit bis auf den Grund deiner Seele eindringen zu lassen und daraus die praktischen Folgerungen zu ziehen.

7. Liebe! Liebe die Wahrheit, weil Jesus sie geliebt hat. Liebe vor allem Jesus; lerne ihn immer mehr lieben! Wenn du ihn inniger liebst, dann wirst du - oft ganz unbewußt - all die Gesinnungen seiner Seele in vollkommener Weise nachahmen.

Komm zu mir! Ich werde meine Liebe mit der deinen vereinen, und miteinander wollen wir Jesus lieben in unvergleichlich starker und reiner Liebe.

8. Bete! Bete zu Jesus, daß Er deinem Unglauben zu Hilfe kommt. Bitte ihn, daß Er dir seine Gedanken, Gefühle und sein Wollen verleihe.

Bitte auch mich, daß ich dir Jesus offenbare und dich sein Leben leben lasse.

9. Beschäftige dich vornehmlich mit jener Gesinnung Christi, welche dir am meisten abgeht, oder mit jener, die dich am meisten anzieht, oder mit jener, die dir durch ein aufregendes Ereignis notwendig erscheint.

10. Anstelle des Evangeliums kannst du auch ein anderes frommes Buch benützen oder einen Gebetstext oder ein frommes Lied. Aber bemühe dich, dabei zu glauben, zu lieben und es auch aus Liebe zu Jesus in die Tat umzusetzen!

11. Bereite deine Unterhaltung mit Jesus vor, indem du überlegst, was du ihm sagen willst, und dich noch mehr gesammelt hältst.

Beginne stets damit, daß du mich bittest, ich möge dich zu meinem Sohne führen. Versetze dich in seine und meine Gegenwart!

Schließe das Gespräch mit einem praktischen Vorsatz; darüber werde ich dich noch im folgenden belehren!

12. Bemühe dich, im Laufe des Tages, von Zeit zu Zeit beim Hin- und Hergehen, nach einzelnen Beschäftigungen, dir jene Wahrheit in das Gedächtnis zurückzurufen, die in der Unterredung mit Jesus den tiefsten Eindruck auf dich gemacht hat. Im Anschluß daran erwecke einige Akte des Glaubens!

13. Beginnst du jetzt zu verstehen, wie wahr das ist, was ich über die Bedeutung dieser Übung sagte für jene, die Jesu Gedanken denken wollen?

Wenn ja, dann wirst du auch verstehen, daß du nie, um keinen Preis, diese tägliche Unterhaltung mit Jesus unterlassen darfst.

Bestimme für sie genau den Augenblick und auch die Zeitspanne, die du ihr widmen kannst. Dann aber halte dich daran, was immer auch kommen mag.

Kürze die Zeit der Betrachtung ab, wenn es sein muß; aber unterlasse sie nie ganz!

Unterlasse sie nicht unter dem Vorwand, daß du ja kaum dazukommst, dein Morgen- und Abendgebet zu verrichten. Kürze eher diese Gebete, um einige Augenblicke für das Gespräch mit Jesus zu gewinnen.

Wenn du die verfügbare Zeit für den Empfang der heiligen Kommunion brauchst, dann kommuniziere, aber mache aus deiner Vorbereitung und Danksagung eine Unterredung mit Jesu!

Unterlasse sie nicht unter dem Vorwand, du könntest sonst deine geistliche Lesung nicht halten. Nütze sie als Vorbereitung dafür; aber einige Minuten sollst du dir stets für die unmittelbare Vereinigung mit Jesus vorbehalten.

Unterlasse sie nicht wegen der Unmenge deiner Beschäftigungen! Je mehr du beschäftigt bist, um so mehr mußt du dich in der Hand haben. Das beste Mittel, sich zu beherrschen, ist die Selbstbeherrschung in Gott. Welche Menschen haben die fruchtbarste Arbeit geleistet? Jene, die am innigsten mit Jesus vereint lebten.

Unterlasse deine Betrachtungen nicht, weil du vielleicht feig und untreu gewesen bist, oder weil dir keine Gedanken kommen, weil du nichts fühlst. Wer wird dich läutern, wer dich heilen, wenn nicht Jesus? Komm mit mir hin zu ihm!

14. Hast du mich verstanden, mein Sohn? Entweder wirst du mit Entschlossenheit und Ausdauer darangehen, das zu üben, was ich dich gelehrt, und dann wird es dir nicht leicht fallen, dich in Jesus umzubilden; oder du wirst den Mut dazu nicht aufbringen, und dann bleibst du in der Mittelmäßigkeit stecken, und ich könnte dir die Aufgabe nicht übertragen, die ich dir vorbehalte. Nun wähle!

Die Seele:

O meine Mutter, ich verspreche dir, daß ich keinen Tag und unter keinem Vorwand die Unterredung mit Jesus und dir versäumen werde. Ich will mich befleißigen, unter deiner Anleitung immer tiefer in die Erkenntnis deines Sohnes einzudringen.




4. Jesu großer Feind in dir

Maria:

1. Mein Sohn, wenn man Jesu Gedanken kennt, lebt man dadurch nicht auch schon sein Leben. Du mußt zugleich auch jene Feinde bekämpfen und überwinden, die sich dem Leben Jesu in dir widersetzen.

Weißt du, daß dein allergefährlichster Feind du selbst bist?

Du möchtest gern nur für Jesus allein leben; aber zu gleicher Zeit möchtest du auch den Neigungen deiner verdorbenen Natur nachgeben. Täusche dich nicht! "Niemand kann zwei Herren dienen." Solange deine Natur dich leitet, kann nicht Jesus in dir herrschen! Du mußt also deiner Natur einen bedingungs- und schonungslosen Kampf erklären, bis sie Jesus den Platz räumt.

2. Das ist zwar eine harte Bedingung, aber eine unvermeidliche.

Wie viele meiner Kinder sah ich schon, die einst fromm und großmütig waren, wie geschaffen zur Heiligkeit und dazu bestimmt, in ihrer Umgebung eine segensreiche Tätigkeit zu entfalten. Doch ach! Weil sie nicht einsehen konnten, wie verdorben ihre Natur war, und daß man sie bekämpfen muß, sind sie bei ihrer Mittelmäßigkeit stehengeblieben und haben nicht den hundertsten Teil des Guten, zu dem sie berufen waren, verwirklicht. Manche gingen sogar ganz elend zugrunde und zogen dabei oft eine Menge von Seelen mit ins Verderben.

3. Suche also die schlechten Neigungen deiner Natur zu erkennen! Ihr Name ist Legion, denn die Erbsünde, durch die ererbten bösen Neigungen deiner Väter und durch deine persönlichen Fehler gestärkt, kann alle Tätigkeit deines Leibes und deiner Seele verderben.

Laß dich jedoch durch ihre Unmenge deiner Feinde nicht verwirren! Denn sie sind alle einem Führer untertan. Ist er besiegt, sind es auch alle anderen oder sie werden dir wenigstens nur noch schwachen Widerstand leisten können. In erster Linie mußt du deine Hauptneigung erkennen. Welche erkennst du als solche?

4. Ist es die Eitelkeit? Verlangst du gierig nach Lob? Fühlst du dich glücklich, wenn es dir zuteil wird, selbst unverdient? Ertappst du dich beim Träumen von Dingen, die dir den Beifall der Menschen sichern?

5. Der Stolz? Hast du eine hohe Meinung von dir, so daß du manchmal bis zur Verachtung der anderen gelangst? Behandelst du sie von oben herab, hart oder zornig, besonders jene, die sich vor dir nicht beugen?

6. Die Empfindlichkeit? Regst du dich auf über wirklichen oder vermeintlichen Tadel, über Mangel an Aufmerksamkeit, wäre sie auch nur unfreiwillig? Denkst du oft, wie ungerecht andere dich behandeln? Kannst du ihnen verzeihen? Bist du versucht, ein gutes Werk aufzugeben, weil man dich gekränkt?

7. Der Ehrgeiz? Suchst du dich vorzudrängen? Ist es deine oder Christi Ehre, nach der du strebst? Willst du bei jedem Werk der Anführer sein und ziehst dich nicht zurück, wenn du als einfacher Soldat kämpfen sollst?

8. Der Neid? Kannst du es nicht ertragen, daß andere den gleichen Erfolg haben wie du? Freust du dich über ihre Mißerfolge?

9. Der Wankelmut? Bist du der Spielball deiner Laune, bald begeistert und zu jedem Opfer bereit, bald wieder niedergeschlagen und gleichgültig für alles? Kommt es nicht vor, daß du vielerlei beginnst und nichts vollendest?

10. Der Leichtsinn? Überläßt du dich zu schnell den äußerlichen Dingen? Kostet es dich viel, dich zu sammeln, den ernsten Angelegenheiten die entsprechende Bedeutung beizumessen?

11. Die Sinnlichkeit? Schmeichelst du deinem Leib? Bist du ängstlich besorgt, ihm in Speise, Trank und Ruhe alles zu gewähren oder seine noch viel niedrigeren Triebe zu befriedigen?

12. Die Trägheit? Hast du Angst vor der Anstrengung? Vernachlässigst du deine Arbeit? Erschrickst du schon vor dem kleinsten Opfer?

13. Die Selbstsucht? Denkst du ausschließlich an dich? Weißt du, daß andere auch Rechte haben, und daß du, wenn nötig, eher dich einschränken sollst als von anderen dies zu verlangen?

14. Prüfe dich! Du wirst dabei Ansätze von vielen dieser ungeordneten Triebe in dir entdecken. Zweifellos trägst du den Keim zu allen schlechten Neigungen; aber alle sind nicht vorherrschend.

Welche erscheint dir also die stärkste und verderblichste? Welche ist gewöhnlich die Ursache deiner Sorgen, deiner Unruhe, deiner üblen Laune oder deiner Freude?

Ertappst du dich beim Träumen über einem Gedanken der Eitelkeit, der Rache oder der Sinnlichkeit?

Woher kommen jene Zerstreuungen, die dir am meisten gefallen oder die du am schwersten verscheuchen kannst?

Welche Vorwürfe machen dir deine Eltern, Lehrer, Freunde oder jene, die gegen dich erzürnt sind?

Welche Neigung ist es, von der du sagen könntest: Hätte ich das nicht, ginge es mir weit besser in der Verbindung mit dem lieben Gott und mit den Menschen!?

15. Sei recht aufrichtig in deiner Gewissenserforschung und bete um Licht von oben! Du kannst dich hier sehr leicht täuschen, indem du den Hauptfehler mit einem sehr auffallenden, aber weniger tief sitzenden Fehler verwechselst oder mit einem Fehler, den du abzulegen eher bereit wärest. Die Menschen halten nämlich ziemlich zäh an ihrem Hauptfehler fest. Mit ihm sind sie geboren und erzogen worden und mit ihm leben sie; ständig verschafft er ihnen reichliche Befriedigung. Manche halten ihn sogar für ihren Hauptvorzug. Ohne Zweifel liebt sich jeder sehr. Doch man muß den Mut haben, Jesus mehr zu lieben als sich selbst.

Wage es, dir in aller Einfachheit zu bekennen, was du ihm in dir opfern mußt. Fürchte nichts! Entsage den eitlen Götzen, und Gottes Gegenwart wird dich erfüllen. Stirb deiner verdorbenen Natur ab, und du wirst das Leben Jesu leben.


Die Seele:

Es lebe Jesus, koste es, was es wolle! Er muß wachsen, ich muß abnehmen.




5. Ersetze deine Gesinnungen durch Jesu Gesinnungen.

Maria:

1. Mein Sohn, es ist für dich schon recht schwer, deinen großen Feind zu erkennen. Aber es ist noch tausendmal schwerer, ihn niederzuwerfen. Allein wirst du das nie vermögen. Doch halte dich an mich, und du wirst siegen.

2. Gib dir zunächst Rechenschaft über die verschiedenen Formen, unter denen sich dein Hauptfehler offen oder geheim zeigt, und über die Umstände, unter denen er dir den größten Schaden zufügt.

3. Dann nimm den unerbittlichen Kampf gegen ihn auf! Im Kampf gegen seine Fehler kann man einen doppelten Weg einschlagen.

Einige verwenden ihre ganze Aufmerksamkeit darauf, ihre Fehler zu beobachten, wie sie sich nach außen offenbaren. Sie schreiben sie auf, zählen sie, vergleichen sie und bemühen sich, von Tag zu Tag ihre Zahl zu verringern.

Diese Kampfesweise ist geeignet, recht gute Erfolge zu erzielen, wenn sie mit Beharrlichkeit angewandt wird.

Aber wird sie allein angewandt, droht sie langweilig zu werden und manchmal schmerzliche Überraschungen zu bereiten. Denn, wenn man einige Zeit aufgehört hat, alle Verfehlungen bezüglich eines gewissen Punktes genau zu überwachen, und man sein Augenmerk einem anderen Fehler zuwendet, muß man oft wahrnehmen, daß die alte Neigung noch immer da ist, ebenso stark wie zuvor, wenn sie sich nun auch unter einer etwas anderen Form zeigt. Man hat das Unkraut eben nur abgeschnitten, soweit es aus der Erde ragte. Weil man aber die Wurzeln nicht ausriß und das Unkraut nicht durch Nutzpflanzen ersetzte, sieht man es ebenso üppig hervorsprießen wie zuvor.

4. Eine andere, bei weitem leichtere und wirksamere Kampfesart will ich dich jetzt lehren. Wird sie auch die erstere nicht ersetzen, so doch gut ergänzen. Lerne an Jesus jene Tugend kennen, die deinem Hauptfehler entgegengesetzt ist. Bist du stolz? Betrachte seine Demut! Bist du zum Zorn geneigt? Siehe seine Sanftmut! Bewundere ihn, wie Er sich selbst vergißt und sich für die Menschen opfert. Bist du sinnlich? Betrachte seine Leiden!

5. Verwende deine täglichen Unterredungen mit Jesus dazu, in ihm jene Gesinnung kennenzulernen, die dir fehlt. Betrachte, was Jesus gedacht, gefühlt, gesagt und getan hat! Liebe diese Gesinnung deines Vorbildes. Laß dich dafür begeistern! Dann vergleiche sie mit der deinen.

Bitte Jesus, daß du durch meine Vermittlung in ihn umgestaltet werdest. Bitte ihn bei deinen wirklichen und geistigen Kommunionen, daß Er dich sein Leben leben lasse.

6. Im Laufe des Tages sollst du immer wieder an den sanften, demütigen, geduldigen Jesus denken, je nach der Gesinnung, die du in ihm nachahmen willst.

Du sollst besonders in jenen Augenblicken daran denken, in denen deine schlechte Neigung stärkeren Halt zu gewinnen sucht. Statt der mühsamen, anstrengenden Widerstandsversuche blicke ganz ruhig auf dein Vorbild und frage: "Jesus, was würdest Du an meiner Stelle denken, tun? Komm und laß mich Dein Leben leben!" Und Jesus wird den erregten Wogen gebieten, und eine große Ruhe wird sich über deine Seele legen.

7. Wenn du immer so auf Jesus hinsiehst und ihn durch dein Flehen gleichsam in dich hineinziehst, wird es dir allmählich gelingen, dich von jenen Neigungen loszureißen, an denen du so zäh festhieltst; denn du willst ja keine anderen Gesinnungen mehr haben als nur die von Jesus.

Sei jedoch vor einem solchen Feind auf der Hut, der dich überraschen könnte, wenn du dich vollkommen sicher wähnst. Prüfe darum von Zeit zu Zeit, und sei es auch nur mit einem flüchtigen Überblick, ob deine schlechte Neigung nicht unter einer neuen Form emporzukeimen droht.

8. Mein Sohn hat dir ans Herz gelegt, deine Mutter zu betrachten. Siehe auch meine Gesinnungen, nachdem du die Gesinnungen Jesu betrachtet hast. Wenn du dich bei einem Fehler, den du ausrotten, oder einer Tugend, die du erwerben willst, fragst, was ich dachte, fühlte oder tat, oder was ich an deiner Stelle tun würde, so ist es wiederum Jesus, den du dadurch besser kennen und in dir nachzubilden lernst.


Die Seele:

O Maria, belehre mich über Jesus, damit ich nur sein Leben nachlebe.




6. Drei erfolgreiche Mittel

Maria:

1. Mein Sohn, willst du bei der Umbildung in Jesus schneller vorankommen, so mußt du planmäßig vorgehen. Ich will dir drei Mittel angeben, die dir dabei behilflich sein können.


Tägliche Rückschau:

2. Halte zunächst jeden Tag, am besten um die Mittagszeit, einen Augenblick Rückschau auf deine geistliche Arbeit.

Prüfe dich dabei, was du seit Beginn des Tages getan hast, um bezüglich dieser oder jener Gesinnung das Leben Jesu zu leben, und überlege dann, was du bis zum Ende des Tages zu tun gedenkst.

3. Merke dir folgende Ratschläge gut!

Wie schon gesagt, klammere dich weniger daran, deine Verfehlungen zu zählen, sondern denke vielmehr darüber nach, was wohl Jesus an deiner Statt gedacht, gefühlt und getan hätte unter den verschiedenen Umständen, unter denen deine verdorbene Natur sich zeigte. Nimm dir sodann vor, wie du seine Gesinnungen nachahmen willst, wenn sich dir nächstens unter den gleichen Umständen Gelegenheit bieten wird.

Mache aus der Rückschau - und das ist der zweite Rat - eine Unterredung mit Jesus und mit mir! So wirst du weit mehr Erfolg haben als durch die Abrechnung über dein geistliches Leben, die du allein besorgst. Erzähle uns von deinen Erfolgen und Mißerfolgen, von den Gefühlen der Freude, des Dankes, der Reue, der Ermutigung, die sie in dir erwecken; unterbreite uns deine Vorsätze und bitte uns, daß wir dir helfen, immer inniger das Leben Jesu zu leben.


Geistliche Erneuerungen:

4. Ein zweites Mittel, deine Arbeit an der Umwandlung in Jesus zu beschleunigen, sind die geistlichen Erneuerungen.

Sichere dir im Laufe des Tages einige kurze Augenblicke, ein oder zwei am Vormittag und ebensoviele am Nachmittag, je nachdem es deine Beschäftigung am besten zuläßt.

In diesen Augenblicken wirst du zunächst innige Verbindung mit Jesus und mit mir aufnehmen. Das kann geschehen durch eine geistige Kommunion, durch ein Wort der Liebe und des Vertrauens, wenn dich gerade etwas betrübt oder erfreut, oder an deine letzte Unterredung mit Jesus erinnert u. dgl. Wichtig ist nur, daß du wieder einen Augenblick der Vereinigung mit uns durchlebst.

Dann überblicke kurz, was du seit der letzten Erneuerung in der Nachahmung meines Sohnes getan, und nehme dir vor, was du bis zur nächsten tun willst.

So wirst du dich in deinem geistlichen Kampf stets frisch halten und gleichzeitig wird deine Vereinigung mit Jesus und mit mir immer inniger werden.


Exerzitien:

5. Endlich mußt du auch in gewissen Zwischenabständen eine längere Zeit den Interessen deiner Seele widmen. Bemühe dich, jedes Jahr einige Tage Exerzitien zu halten oder wenigstens mehrere Tage hindurch deine freie Zeit in innigster Vertrautheit mit Jesus und mit mir zu verbringen. Da kannst du über die Belehrungen nachdenken, die wir dir gegeben haben; du kannst dich erforschen, weshalb du im vergangenen Jahr keinen größeren Fortschritt gemacht hast, und mit welchen Mitteln du während des kommenden Jahres ernstere Arbeiten leisten wirst.

6. Sammle dich in jedem Monat, am besten am ersten Samstag oder Sonntag, und betrachte in der Zeit, die dir zur Verfügung steht, wie weit du mit deiner geistlichen Arbeit bist, und fasse wirksamere Vorsätze für den kommenden Monat.

7. Überprüfe in jeder Woche an einem bestimmten Tag einen Augenblick deine Bemühungen in der zurückliegenden Woche und bereite dich auf die kommende Woche vor.

8. Die treue Befolgung dieser Übungen wird dich wohl binden. Doch wenn du liebst, wird dir dies teuer und leicht werden. Denn so wirst du dahin gelangen, immer mehr zu lieben.




7. Drei unerläßliche Tugenden

Maria:

1. Mein Sohn, die äußeren Mittel, die ich dir angab, werden dir nur in dem Maß dienlich sein, als du sie mit den inneren verbindest. Die gleichen Übungen führen manche Seelen zur Heiligkeit, während sie die anderen nicht einmal aus der Mittelmäßigkeit herausheben können.

"Der Geist ist es, der lebendig macht." Höre, was dieser Geist von dir verlangt!


Abtötung:

2. Vor allem Abtötung!

Du brauchst sie, um deinen Hauptfehler rücksichtslos zu bekämpfen.

Du brauchst sie, um dir in allen Dingen zu entsagen und so die Tätigkeit Jesu in dir nicht zu hemmen.

Du brauchst sie, um jene Anstrengungen auf dich zu nehmen, die für die Nachahmung der Gesinnungen Jesu unerläßlich sind.

3. Bestünde die kindliche Liebe zu mir nur darin, daß du mich anrufst, mir zu Ehren singst und dich in mir freust, dann freilich bräuchtest du dazu keine große Abtötung.

Aber die Liebe soll dich zur Einheit mit Jesus führen. Diese Arbeit jedoch geht nicht ohne deine vollkommene Selbstverleugnung.

Du kannst nicht zwei Herren dienen. Der Herr wird Jesus sein oder du selbst. Du mußt wählen!

Ich kann dir bei der Selbstverleugnung helfen; ich kann sie dir aber nicht erlassen.


Beharrlichkeit:

4. Sodann Beharrlichkeit!

Leichter finde ich hundert Seelen, die im Augenblick der Begeisterung zu einem heldenmütigen Opfer bereit sind, als eine einzige, die in ihren täglichen Anstrengungen beharrlich nach ihren Vorsätzen handelt.

Wie oft wirst du versucht sein, diese oder jene Übung, die ich dir angeraten habe, aufzugeben! Bleibe treu um jeden Preis!

Wenn du heute etwas wegen eines hinreichenden Grundes unterläßt, wirst du es morgen wegen irgendeines Vorwands unterlassen, und bald wirst du es für immer und ohne jeden Grund unterlassen.

Kürze deine Übungen, wenn es sein muß; doch gib sie nie auf! Nur um diesen Preis wirst du Erfolg haben.


Großmut:

5. Schließlich und besonders: Großmut!

Es gibt zwei Arten von Großmut.

Die erste besteht darin, daß du, ohne zu zögern, alles Jesus schenkst; nicht nur, was Er fordert, sondern alles, was ihm Freude bereitet, selbst wenn du nicht dazu verpflichtet wärest.

Das war die Großmut, von der deine Mutter erfüllt war, und die mehr oder weniger alle Heiligen übten. Danach müßtest auch du mit all deiner Kraft streben!

6. Die zweite Art besteht darin, daß du deine Fehler und Nachlässigkeiten immer wieder gutmachst.

Hast du einen Fehler begangen, opfere zur Sühne eine besondere Anstrengung auf, die du sonst nicht auf dich genommen hättest. Lege in diesen Sühneakt so viel Liebe, daß du dann Jesus ebenso innig liebst, ja noch inniger, als wenn du ihn nicht betrübt hättest.

7. Der Unterschied zwischen mittelmäßigen und heiligen Seelen besteht nicht darin, daß die einen Fehler begehen und die anderen nicht - beide begehen welche -, sondern darin, daß die einen sich mit dieser Feststellung ihrer Fehler begnügen, während die anderen, die heiligen Seelen, sich bemühen, Jesus um so mehr zu lieben, je weniger sie ihn geliebt hatten. Daher sühne wie die heiligen Seelen!

8. Sühne besonders jene Fehler oder Nachlässigkeiten, die dir in deiner täglichen Unterredung mit Jesus vorgekommen sind: in den geistlichen Erneuerungen, bei der Rückschau auf den Tag oder bei den Exerzitien.

9. Mache alles, sobald als möglich, wieder gut! Besser ist eine sofortige, wenn auch kurze Sühne als eine lange, die man auf später verschiebt.

10. Willst du wissen, auf welche Art du wieder gutmachen sollst? Frage mich nach all deinen Fehlern und Nachlässigkeiten um Rat, und ich werde dir zeigen, wie du jeden deiner Fehler in eine "selige Schuld" verwandeln kannst.

Wenn du in dieser großmütigen Gesinnung verharrst, kann ich dir versprechen, daß ich aus dir trotz deiner Sünden, Fehler, Versuchungen und trotz deiner Schwäche einen Heiligen und einen Apostel machen werde.


Die Seele:

O Maria, all mein Tun, all meine Zeit, mein ganzes Sein gehört dir. Erinnere mich an meine gänzliche Hingabe an dich, wenn ich versucht bin, feige zu sein, und mache mich großmütig mit der Großmut der Heiligen.




8. Das Geheimnis des Erfolgs

Maria:

1. Mein Sohn, die Übungen und Gesinnungen, die ich dir anempfohlen, werden dich zur Einheit mit Jesus führen; aber dies nur unter einer Bedingung: daß du dich ihrer unter meiner Leitung befleißigst.

Jesus hat es dir gesagt: Es ist der Wille Dessen, Der mich zur Mutter seines Sohnes bestimmt hat, daß man nur durch mich leicht und sicher zu einer vollkommenen Ähnlichkeit mit Jesus gelangt.

2. Es kommt bisweilen vor, daß dein Eifer erlahmt. Die Arbeit an deiner Seele wird mühsamer. Du siehst keinen Fortschritt. Dann kommt der Stillstand, danach das Zurückweichen. Du versuchst, voranzuschreiten. Aber umsonst; und du verlierst den Mut.

Wisse! Die erste Ursache davon ist sicher ein Nachlassen deiner innigen Vereinigung mit mir. Das erste Heilmittel besteht immer in der treuen Arbeit unter meiner Führung.

Ohne mich wird dir alles mißlingen, mit mir aber alles möglich sein.

3. Willst du all deine Mühen mit Erfolg gekrönt sehen? Komm zu mir; unterbreite mir immer, was du tun willst, und handle stets nur in meinem Namen.

Frage mich jedesmal um Rat, besonders dann, wenn du einen Vorsatz faßt. Frage mich, was ich von dir erwarte, und sage mir, was du vorhast.

4. Ich werde dir freilich nicht mit einer Offenbarung antworten. Wenn du aber zu mir kommst mit vollem Vertrauen und in der aufrichtigen Absicht, das auszuführen, was dir als mein Wille erscheint, wirst du meistens erkennen, ob ich deinen Vorsatz billige oder nicht. Wenn ja, dann vertraue ihn mir an, damit ich dir bei der Ausführung helfe. Wenn nicht, dann bete, denke nach und unterbreite mir einen Vorsatz, der bestimmter ist, damit ich ihn billigen kann.

5. Wenn du mich längere Zeit hindurch in dieser Weise um Rat gefragt hast, - und wenn du tatsächlich meine Antwort abwartest und dich in deiner Tätigkeit nicht durch deine angeborene Hast fortreißen läßt - , so wirst du bald wahrnehmen, daß du jetzt in wenigen Tagen mehr Fortschritte machst als früher in mehreren Monaten. Wenn du dich vor jeder Handlung treu einen Augenblick mir zuwendest, werde ich dich in allem leiten. Das Ziel aber, wohin ich dich führe, kann nur eines sein: Jesus, der das Leben deines Lebens geworden ist.


Die Seele:

O Maria, du Mutter vom guten Rat, erleuchte mich, führe mich, stehe mir bei jetzt und immerdar. Amen.




Dieser Auszug aus dem Büchlein "Mein höchstes Ideal, Jesus, Mariens Sohn" nach der Lehre des P. Chaminade von P. Dr. Theol. E. Neubert S.M. ist mit Imprimatur.
Imprimi potest. P. Griessinger, Superior provincialis - Lutetiae Parisiorum, 8. Dec. 1953
Imprimatur 2442. Apost. Administratur Innsbruck - 13. Dezember 1953, Dr. Wechner Provikar




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