Gnadenströme
Gnadenströme aus der hl. Messe, hl. Beichte,
hl. Kommunion und den Leiden


von Pater Bonaventura Blattmann, O.F.M.

Die Druckerlaubnis für das Schriftchen "Gnadenströme" wird hiermit erteilt.
München, 19. April 1934. P. Polykarp Schmoll, Provinzial
Imprimatur: Augustae Vindel, die 4. Maii 1934. Vicarius Generalis: Dr. Eberle.



V. Der Gnadenstrom der Leiden

Das Opfer der Sühne, der Liebe
Jesus: Was man unter Leiden versteht, das weißt du, liebe Seele, weil du selbst schon gelitten hast. Alles, was der menschlichen Natur, Leib oder Seele, schwer fällt, sie bedrückt, heißt Leiden. Insofern diese Beschwerden dem Menschen eine Last sind, wie mir das schwere Kreuz eine Last war, nennt man sie auch Kreuze. Für die meisten Menschen ist schon die Beachtung der Gebote und treue Pflichterfüllung ein Kreuz.

Als mein Vater die Menschen erschaffen hatte, gab es keine Leiden. Durch die Sünden Adams und Evas aber kam der Fluch in die Welt und durch den Fluch die Leiden und der Tod. Seitdem kann niemand dem Kreuze entrinnen. Wenn du nicht mein Kreuz auf dich nimmst und mir nachfolgst, so mußt du das viel schwerere Kreuz der Welt und des Teufels tragen.

Seitdem ich durch mein Kreuz und Leiden die Welt erlöst habe, sind die Leiden der Glieder meiner heiligen katholischen Kirche hochwertige und wichtige Mittel zur Rettung und Heiligung der Seelen geworden. Ich bin das Haupt meiner Kirche, die mein mystischer Leib ist. Die Gläubigen aber sind Glieder dieses meines Leibes.

Bei gar vielen Kindern meiner heiligen katholischen Kirche ist das Ebenbild Gottes in ihrer Seele vom Erdenstaub und Sündenschmutz dicht überzogen. Um nun diese bedauernswerten Seelen zu retten, greife ich zum Meißel und Hammer der Leiden und suche das Ebenbild Gottes wieder herauszuarbeiten. In den meisten Fällen habe ich die Freude, daß diese Seelen sich bekehren.

Die Leiden der Seelen, die durch die heiligmachende Gnade mit mir verbunden sind, werden meine Leiden und sie bekommen durch diese Verbindung mit mir einen um so größeren Wert, je inniger eine Seele mit mir verbunden ist. Das Leiden solcher Seelen hat unermeßlichen Wert. Mit einer Viertelstunde Leiden einer solchen Seele werden mehr Seelen gerettet als durch viele Predigten.

Diesen so großen Wert deines Leidens und deiner Kreuze kannst du, teure Seele, durch die Willenstätigkeit um vieles erhöhen. Vereinigst du deine Leiden und leidest du in der Meinung, in der ich gelitten habe, nämlich im Namen aller und für alle Seelen, dann trägt dein Leiden bei zur Rettung und Heiligung unzähliger Seelen. Nachdem du den Wert von Kreuz und Leiden für die Rettung der Seelen kennen gelernt hast, erwäge die Wirkungen des Leidens für deine eigene Seele.

Jede Sünde zieht Strafe nach sich. Wohl wird durch das Bußsakrament ein großer Teil der Sündenstrafen nachgelassen. Den übrigen Teil aber muß die Seele selbst abbüßen, entweder auf der Welt oder im Fegfeuer. Den Seelen, die guten und starken Willens sind, schicke ich voll Liebe Leiden oder Kreuz. Durch geduldiges, gottergebenes Leiden kann die Seele an einem Tage mehr Sündenstrafen abbüßen, als im Fegfeuer durch wochenlanges Leiden.

Mit dem Leiden verfolge ich aber bei starken Seelen ein noch viel höheres Ziel. Siehe, wenn eine Seele gottergeben Widerwärtigkeiten und Leiden erträgt, so tut sie das im Glauben an mich, im Vertrauen auf mich und aus Liebe zu mir. Sie wird daher immer mehr im Glauben erleuchtet, in der Hoffnung befestigt, in der Liebe entzündet. Dadurch, daß die Seele mich gewähren läßt, übt sie die Tugend der Klugheit, der Gerechtigkeit, des Gehorsams, der Selbstverleugnung und des Starkmutes. Eine leidende Seele erkennt immer klarer ihre Armseligkeit und gelangt daher zu einer tiefen Demut. Aus dem Gesagten siehst du, daß die Seele durch Kreuz und Leiden am schnellsten zur vollkommenen Heiligkeit gelangt. Eine solche Seele wird mir, dem gekreuzigten Heiland, gleichförmig. Daher wird ihr auch eine alles überragende Herrlichkeit zuteil.

Aus der bisherigen Lehre über die Leiden ergeben sich für dich folgende Grundsätze:
  1. Lasse ich über dich oder andere Seelen Kreuz und Leiden kommen, so geschieht dies stets aus reiner, göttlicher Liebe.


  2. Mußt du mehr leiden als andere Seelen, so geschieht es, weil ich dich mehr liebe.


  3. Um dich im Tugendleben zu schulen und dich mir ähnlich und gleichförmig zu machen, benütze ich auch deine Mitmenschen als Werkzeuge.


  4. Nie schicke ich mehr, als du tragen kannst. Sobald ich sehe, daß du erliegen willst, helfe ich in großer Liebe dir dein Kreuz zu tragen.


  5. Das Kreuz, das ich dir schicke, ist stets das beste zu deiner Heiligung.


  6. Um bei dir mein Ziel zu erreichen, schicke ich stets das leichtere Kreuz. Nimmst du dieses nicht an, so lasse ich zu, daß du dir ein weit schwereres auflegst.
Am Kreuze habe ich die Welt und die Hölle besiegt. Auch du wirst siegen, wenn du von deinem Kreuze dich nicht losmachst. Nur durch Ergebung in meinen Willen wird dein Kreuz und Leiden fruchtbar für dich und andere Seelen.

Ein "Deo gratias" ("Gott sei Dank") von einer leidenden Seele gesprochen, erfreut mein Herz mehr, als der Lobgesang der Engel im Himmel. So hoch schätze ich das Leiden, das mir zuliebe ertragen wird.

Kreuz und Leiden sind der sicherste, der kürzeste und verdienstlichste Weg zum Himmel.

(Alte Rechtschreibung wurde beibehalten.)
Gnadenströme der hl. Messe erhältlich auch über Zentrale der Ehrenwache Mariens, München




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