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Die Heiligen Drei Könige
Kaspar, Melchior und Balthasar

"Die Weihenstephaner LEGENDE von den Heiligen Drei Königen, 1475"


Fest der Heiligen Drei Könige: 6. Januar






Die Weisen aus dem Morgenland

Aus dem Evangelium des Heiligen Matthäus


Nachdem also Jesus zu Bethlehem in Juda in den Tagen des Königs Herodes geboren war, siehe, da kamen Weise vom Morgenland nach Jerusalem und sagten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Morgenlande gesehen und sind gekommen, ihn anzubeten. Als aber der König Herodes dies hörte, erschrak er und ganz Jerusalem mit ihm. Und er versammelte alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo Christus geboren werden sollte. Jene aber antworteten ihm: In Bethlehem in Juda; denn so ist es geschrieben durch den Propheten: "Und du, Bethlehem, Land Juda, bist keineswegs die geringste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird hervorgehen der Führer, welcher mein Volk Israel regieren soll" (Mich 5, 2). Darauf berief Herodes die Weisen insgeheim zu sich und erfragte von ihnen genau die Zeit des Sternes, welcher ihnen erschienen war. Und er schickte sie nach Bethlehem und sprach: Gehet hin und forschet sorgfältig nach dem Knaben; und wenn ihr ihn gefunden habt, so berichtet es mir, damit auch ich komme und ihn anbete. Nachdem sie nun den König gehört hatten, reisten sie ab. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenlande gesehen, ging vor ihnen her, bis er hinkam und stillestand über dem Orte, wo der Knabe war. Als sie aber den Stern sahen, hatten sie überaus große Freude. Und sie gingen in das Haus und fanden den Knaben mit Maria, seiner Mutter, fielen nieder und beteten ihn an; und sie öffneten ihre Schätze und brachten ihm Geschenke dar, Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und da sie im Traume Bescheid erhielten, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Wege in ihr Land heim.

(Matthäus Cap. 2,1-12)





Von den Heiligen Drei Königen - Ihr Leben und ihre Legende


Der Prophet Balaam kündet von einem Stern.

Die Materie der Heiligen Drei Könige hat einen Ursprung von der Prophezeiung Balaams, der da war ein Priester von Madian und ein heidnischer Prophet, der viel unter seiner Weissagung sprach: "Es wird aufgehen ein Stern von Jakob. Und unter dem Stern wird ein König geboren, der gewaltig ist Himmelreichs und Erdreichs, und wird alles Volk von Israel erlösen." Da nun die Weisesten in Orient vernahmen die Weissagung Balaams, da wurden sie gar froh, und glaubten gänzlich, daß dem also geschehen sollt.



Die Zwölf Meister warten auf dem Berg Fons.

Nun liegt ein Berg in dem Land Orient und in dem Land India, der heißt Fons. Der ist also hoch, daß er übertrifft alle Berge in Orient. Da nahmen die Herrn Zwölf Meister, die weisesten, die man finden mocht in dem Land zu Orient, und schickten sie auf den Berg Fons. Und wenn einer starb, so nahm man einen andern an seiner Statt. Und empfahlen den Meistern, die da waren auf dem Berg Fons, wann sie bei Tag oder bei Nacht gewahr würden an dem Himmel eines ungewöhnlichen Sterns oder in den Lüften eines Lichts, daß sie das zu Stund sollten sagen. Also blieb das selb Sagen und Warten des Sterns viel Zeit in dem Land zu Orient. Und von dem selben Berg Fons ist noch heut ein groß, edel Geschlecht. Die Geschlechter sind geboren von dem Stamm des Königs Melchior, der Unserem Herren opferte.



Der Stern erscheint am Himmel.

  Da man nun auf dem Berg Fons allzeit wartet - was also Balaam von dem Stern geweissagt hatte - und je länger sie sind wartend geworden, so ward davon mehr und mehr gefühlt. Und sie begehrten sehr, daß die Zeit kam, daß der Stern aufging, bis Gott als Mensch geboren ward von der edlen reinen Jungfrauen Maria. Also ließ auch Gott in der selben Zeit erscheinen den Stern, wie Balaam geweissaget hat, und weshalb die Zwölf Meister von Persia und Chaldaea geschickt waren allzeit auf den Berg. Die selben Zwölf Meister sahen in der selben Nacht und auf die Zeit, als Christus geboren ward, einen Stern aufgehn wie die Sonne, und erleuchten allen Himmel. Und ließ sich nieder über dem Berg Fons wie ein Adler, und blieb da ob dem Berg den Tag allen. Und da die Sonne war um Mittentag (so ihr Schein doch am aller größten ist), da war der Stern also lauter und also klar wie die Sonne. Und da der Heilige Tag also hin kam, da ging der Stern auch von dem Himmel. Es sprach auch eine Stimme aus dem Stern: "Es ist geboren ein Mensch, der Juden König, dessen das Volk gewartet hat, und ist ihr Herr. Darum sucht Ihn und betet Ihn an!" Da nun das Volk in dem Land sah den wunderlichen und seltsamen Stern, und hörte die Stimme, da erschraken sie, und däucht sie ein groß Wunder. Und zweifelten doch nit, denn daß Er war in dem Stern, den Balaam vor langen Zeiten geweissaget hatte.



Die Drei Könige erfahren Wunder und Zeichen und rüsten sich zur Reise.

Da die Drei Könige in India, in Persia, in Chaldaea von dem Stern und von den Meistern unterweiset wurden, da wurden sie zumal froh, daß sie verdient hätten, daß sie den Stern sollten sehen (was sie und ihre Vorväter lange Zeit hatten begehrt). Nun waren die Drei Könige zumal fern einer von dem andern, und wußte einer von dem andern nichts.



Es geschahen auch den Heiligen Drei Königen viel Zeichen und schöne Wunder.

*? Der erste König hätt einen Strauß. Der zog aus zweien Eiern ein Lamm und einen Leuen in der Zeit, als Gott geboren ward. Und das Lamm bedeutet die große Geduld, daß Unser Herr uns von dem ewigen Tod erlöset hat. Und wie der Löwe sein Kind mit seinem Geschrei erquicket und lebendig macht, also sind wir lebendig worden durch Unsers Herrn Marter und durch seinen Tod.

*? Der andere König hätt einen hohen Zedernbaum in seinem Garten. Der wuchs also sehr, daß er über alle Berge ging, und beweget sich in der Stund, als Unser Herr geboren ward. Und es flog ein Vogel aus dem Baum. Der setzt sich auf einen Zweig, und sang mit menschlicher Stimme: "Uns ist ein Kindlein geboren von einer Jungfrauen."

*? Der dritte König hätt eine Frauen. Die gewann ein Kind in der selben Nacht, als Unser Herr geboren ward. Das Kind sprach mit lauter Stimm: "Es ist ein Kind von einer reinen Jungfrauen geboren. Das selbig Kind stirbt über drei und dreißig Jahr, recht als ich sterbe über drei und dreißig Tag." Also starb auch das Kind nach den Zeichen. Und als sie den Stern sahen, wie er ihnen allen Dreien auf eine Zeit erschien, da bereiteten sie sich und alles ihr Volk auf die Zeit mit großem Reichtum und mit königlichen Kleidern und mit Pferden und Mäulern und mit Kameltieren und mit großem Volk und auch mit großen Schätzen, wie solchen Königen wohl geziemt, auf einen so fernen Weg. Und wollten suchen den König der Juden, der da ward geboren. Und wollten ihn anbeten nach der Stimme Sagen, wie aus dem Stern gehört war. Sie bereiten sich darum also köstlich und also zierlich, denn sie glaubten, daß ein König geborn war, der mächtiger und edler war dann sie.



Von den Reichen der Drei Könige.

In der ersten Insel ist ein Königreich, das heißt Nubia. In dem Land (zu den Zeiten, als Gott ward geboren) da war ein König, der hieß Melchior. Es war auch sein Land Arabia. In dem selben Land, da liegt der Berg Sinai und das Rote Meer.

In der andern India war ein Königreich, das hieß Godolia. Da war zu den Zeiten, als Christus geboren ward, ein König, der hieß Balthasar, der Unserm Herrn auch opfert Weihrauch. Es war auch des selben Königs zu den Zeiten das Königreich Saba. In dem selben Land wächst mancherlei Wurzen. Sonderlich wächst der Weihrauch mehr dann in andern Landen, und tropfet aus den Bäumen, wie hier das Harz tut.

In der dritten India war ein Königreich, das hieß Tharsis. Und zu den Zeiten, als Gott ein Mensch geboren ward, da war ein König, der hieß Kaspar, der Unserm Herrn opfert Myrrhen. Es war auch sein eine große mächtige Insel, die hieß Egrosilla. In der liegt Sankt Thomas.



Die Drei Könige reisen dem Stern nach.

Es ist zu wissen von dem Land der Heiligen Drei Könige: Es sind drei Länder, die man nennt India. Und sind des Mehrerteils Inseln in dem Meer, und sind umgeben mit Wasser und mit Moos und Schlangen und viel tödlichen Tieren und mit mancherlei Wunder, davon viel war zu sagen. Daher ist es zumal hart hinein zu kommen, und auch von einer Insel zu der andern.

Nun schuf es Gott alles mit Seiner großen Weisheit, daß die selben Drei Könige Melchior, Balthasar und Kaspar sich auf Eine Zeit erhüben aus ihren Landen, mit ihrem Volk, mit großer Gezierd, wie zuvor geschrieben ist. Und da sie kommen auf den Weg, da erschien der Stern ihnen jeglichem, mit seinem Volk gesondert. Und leuchtet in die Nacht nit anders als der Mond. Mehr als der Sonnen Schein erleuchtet er ihnen Drei die Straßen. Sie däucht auch die Nacht nit anders dann der Tag. Und da sie des Nachts zogen durch Städte oder durch Dörfer (denn es war zu denen Zeiten also guter Fried, daß man keine Stadt beschloß), da nahm das Volk Wunder, weil man wohl sah, daß es große und mächtige Könige waren. Auch nahm sie Wunder um den Stern, der ihnen also leuchtet als die Sonne. Es war auch hernach lange Zeit eine große Red davon. Da sie nun kommen aus ihren Landen in fremde Land, da zogen sie mit allem ihrem Volk und mit ihrem Vieh über Berg und Tal und durch manch grausamliches Moos ohn alle Irrung, wie wann es ihnen einen schlichten und ebnen Weg däucht. Sie finden auch Tag und Nacht nimmer keine Herberg. Sie, noch die Ihren, noch ihre Pferd, noch kein Vieh aßen und tranken nie nichts, als sie von Haus aus schieden, bis sie kommen gen Bethlehem. Die däucht auch, als sie auszogen, ihr jeglicher von seinem Haus, daß er nit mehr dann eine Tagweit hätt gen Bethlehem. Und waren es doch dreizehn Tagweit, bis sie kommen gen Jerusalem. Und das war eben die Zeit, als die Sonn aufgeht. Es ist kein Zweifel: Sie funden Mariam und ihr Kind dennoch in dem Hohl. Es sagen auch viele Bücher mancherlei Sach, warum die Heiligen Drei König also einen fernen Weg kommen in also kurzer Zeit. Davon ist uns zu wissen, wie uns schreibt Sanctus Gregorius, es wäre, daß der menschliche Sinn möchte begreifen das göttliche Wirken. So war es nit ein Wunder, daß die Könige also in kurzen Tagen so einen fernen Weg zogen, denn Gott sei möglich, alle Ding zu tun. Denn da Gott in dem Alten Bund den Propheten Habakuk in einem Augenblick führt von Judaea bis gen Babylonia zu Daniel (da waren hundert Tagweit darzwischen), der selbe Gott war auch gewaltig (da sich der Neue Bund anfing), daß Er die selben Könige in dreizehn Tagen führt von Orient bis gen Bethlehem ohne alle Irrung. Und als der Prophet Habakuk Daniel brachte zu essen durch die beschlossene Tür, also ward Gott in dem Neuen Bund Mensch von der Jungfrau Maria ohn allen Makel. Und nach Seiner Urständ ging Er auch zu Seinen Jüngern durch die beschlossene Tür. Und wer die Schrift wohl durchgründet, der findet das alles: Was Gott durch die Propheten in dem Alten Bund verhieß, das erfüllet Er alles samt, da der Neue Bund anfing mit den Heiligen Drei Königen. Der allmächtige Gott möcht die Heiligen Drei Könige in einem Augenblick haben geführt von India gen Judaeam, wie er tat Habakuk. Aber Er wollt seine Geburt den Leuten erzeigen mit großem Wunder und mit göttlicher Kraft, daß die Menschen Zeugnis geben mußten, durch deren Land sie zogen und fuhren.



Die Drei Könige treffen vor Jerusalem zusammen.

Als nun die Heiligen Drei Könige, jeder von seinem Land mit allem ihrem Volk, kamen bei zwei Meilen an die Stadt Jerusalem, da bedecket sie ein großer Nebel und eine Finsternis. Und also verloren sie den Stern, wie auch Isaias hätt gesprochen: "Steh auf, Jerusalem, und erleuchte dich!"

Da kam Melchior, der König von Nubia und Arabia, des Ersten mit allem seinem Volk in dem Nebel zu dem Berg Calvaria, auf dem auch Christus nach Seiner Geburt gemartert ward. Also blieb der König in dem Nebel. Da der König Melchior mit den Seinen da hin kam von Gottes Gewalt in dem Nebel, da kam auch bald Balthasar, der König von Tharsis, auf einem besondern Weg anderhalb an den selben Berg in ein kleines Dorf. Das hieß Galilaea. Von dem selben Dorf sagen die Evangelisten zumal viel. Es ist Kana-Galilaea, denn das selbe liegt drei Tagweit von Jerusalem. Da nun Melchior und Balthasar in dem Nebel kamen an die Stadt, da ging der Nebel sittlich auf. Aber den Stern sahen sie nicht. Da kam der dritte König Kaspar von Godolia mit seinem Volk. Da war der Nebel und die Finsternis zumal hin. Und sahen einander wohl und sahen auch Jerusalem, die Stadt. Und also nach dem Willen Gottes kommen die Drei Könige mit allem ihrem Volk zusammen. Und obwohl keiner den andern nie hätt gesehen, empfingen sie einander zumal schön und freundlich und mit großen Freuden. Und obwohl jeglicher eine besondere Zungen und Sprache hätte, so däucht sie doch, daß jeglicher rede des andern Sprache. Und verstand doch je ihrer einer den andern wohl. Nun sagt je ihrer einer dem andern, warum er wär auskommen. Da war es alles Eine Sach. Des wurden sie zumahl froh.



Die Drei Könige begeben sich zu Herodes.

Und da sie schnell zugingen zu der Stadt (da ihrer niemand gewahr ward), und da sie in die Stadt Jerusalem kommen, da erschrak Herodes und die Stadt zumal sehr. Des Volks war also gar viel, daß sie alle in der Stadt nit mochten sein. Und blieben ihrer viele außerhalb der Stadt. Da die Könige sahen die königliche Stadt, da wurden sie zumal froh. Und meinten, sie fänden da der Juden König. Als die Könige mit allem ihrem Volk in die Stadt zu Jerusalem kamen, da war Herodes auch da, und war von dem Kaiser dar gesandt zu einem König der Juden, und war sehr alt. Da fragten die Drei Könige, wo der Juden König wäre geboren, der also kürzlich ward geboren: "Denn wir haben seinen Stern gesehen in Orient. Und darum sind wir kommen und wollen Ihn anbeten."

Da erschrak Herodes und alle die Seinen, und besandte die Fürsten der Priester und die Schreiber, und fraget sie, wo Christus geboren sollt werden. Da sagten sie alle: "Zu Bethlehem in der Stadt Juda, denn also ist geschrieben in den Weissagen."Da Herodes das vernahm, da bat er die Könige, fleißiglich wieder zu kommen. Und fraget sie, wie lang es war gewesen, daß sie den Stern hätten gesehen. Da sandt er sie nach Bethlehem, und sprach zu ihnen: "Nun fahret hin, und fraget fleißiglich nach dem Kind! Und wenn ihr's findet, so entbietet mir es wieder, um daß ich auch komme, und es anbete!"



Die Drei Könige begegnen den Hirten.

Und da sie das vernahmen, da fuhren sie von dannen. Und da sie aus der Stadt kamen, da erschien ihnen der Stern wieder. Das wundert sie und erfreuet sie. Und ging ihnen vor nach dem, wie er ihnen beweiset hätt, bis dar gen Bethlehem, das liegt zwo kleine Meilen von Jerusalem. Und auf dem selben Weg fanden sie die Hirten an der Statt, da ihnen der Engel erschien, und ihnen kund tat, daß Gott geboren ward zu Bethlehem. Da die Hirten sahen den Stern, da liefen sie zu den Königen, und sprachen: "In solchem Schein ist uns erschienen der Engel, und hat uns gekündet die Geburt Gottes." Und sagten auch den Königen, wie der Engel mit ihnen geredet hätt, und wie sie das Kind und die Mutter gesehen hätten. Das hörten die König und ihr Volk zumal gern, und wurden auch des sehr erfreut, und merkten die Worte mit Fleiß.

Es meinen auch die Bücher, daß die Stimme gehört war aus dem Stern, als der Engel den Hirten kündete die Geburt des Herrn. Man sagt auch noch in Orient, daß die Juden glauben, wie Gott die Kinder von Israel führt aus Ägytenland mit einer feuernen Säule, also hab' Er die Könige geführt mit dem Stern von Orient bis gen Bethlehem. Und als die Könige redeten mit den Hirten, da gewann der Stern größere und größere Klarheit und Schein. Und also auch spricht Fulgentius, der Meister: "Die Könige und die Hirten sind zwei Zeugen, die da kommen: einer von den Heiden, der ander von den Juden, die Könige des Ersten, die da Zeugnis gaben von den Heiden und von der Geburt des Herrn, und die Hirten die Ersten von den Juden."



Vom Stern geführt, kommen die Drei Weisen nach Bethlehem.

Da nun die Könige also von den Hirten schieden, da gaben sie ihnen große Gab. Und kleideten sich da in ihre königlichen Kleider, wie ihnen wohl ziemte, und wie sie wollten kommen. Da nahm der Stern an seinem Schein je länger und länger zu. Und kommen nach Bethlehem um die Sext-Zeit. Und der Stern leitet sie bis in das Hohl, darinnen Gott Mensch worden war. Und da stund der Stern still. Und in kleiner Weil, da teilet sich der Stern zwischen der Mauer und dem Fürschlupf, die da waren vor dem Hohl, und alles, das darinnen war, ward erleuchtet. Und der Stern ging wieder auf das Fürschlupf. Aber der Schein blieb in dem Hohl.

Also gingen die Heiligen Drei Könige hinein, und brachten dem Kind und Maria ihr Opfer. Auf den Tag, als die Heiligen Drei Könige kamen gen Bethlehem mit ihrem Opfer, da war Jesus mit seiner Menschheit dreizehenTag alt. Und nach seinem Alter war er gelegt und gebunden in schnöde Tüchlein bis an die Arme. Und lag in der Krippen vor dem Esel und vor dem Ochsen in dem Heu. Es sagen auch etliche Schriften, daß Maria, die Mutter Jesu, war von Person ein Teil feist an dem Leib und braun. Und war gekleidet, da die Könige eingingen, mit einem armen weißen Mantel, den sie vorne mit linker Hand hätt beschlossen. Der Mantel bedeckt ihr das Haupt ohn das Antlitz. Und saß auf der Krippen, und hüb das Haupt des Kindes auf mit der rechten Hand.



Die Drei Könige bringen dem Jesuskind ihre Gaben dar.

Da nun die Könige küßten die Erd (als noch Gewohnheit ist in dem Land), da legten sie ihr Opfer mit großer Andacht und Demut Maria, der Jungfrauen, auf ihren Schoß zu des Kindes Haupt. Es war der König Melchior, der da war von Arabia und Nubia, der auch Christo das Gold opfert. Der war der kleinste an der Person. Und Balthasar, der König von Godolia und Saba, war nicht zu groß und nicht zu klein. Und Kaspar, der König von Tharsis, der große unter ihnen, war ein schwarzer Mohr. Es spricht auch ein Prophet: "Vor Ihm werden die Mohren biegen ihre Knie, und Seine Feinde werden erschrecken."

Auch ist zu wissen, daß die Heiligen Drei Könige aus ihren Landen hätten mit ihnen gebracht viel kostbarliche und königliche Kleinod, zu opfern dem König, der da ward geboren. Aber da sie sahen das Kind Jesus also in großer Armut (wie ihnen auch die Hirten hätten gesagt, und wie auch zuvor gesagt ist, da der Stern mit seinem übertrefflichen Schein sich also klarlich teilt), da war ihnen recht, als stunden sie in einem glühenden Ofen. Und kamen auch in große Furcht, daß sie vergaßen alles, das sie zu des Kindes Ehre dar hätten bracht, Ihm zu opfern. Und da sie den Schatz auf täten, da mocht keiner nit mehr opfern, dann was in des Ersten Hand kam. Da war König Melchior der Erste. Dem kamen in die Hand dreißig güldene Pfennige und noch ein kleiner güldener Apfel. Das opfert er dem Kind Jesu. Darnach opfert der König Balthasar. Dem kam in seine Hand Weihrauch, den er auch opfert dem Kind Jesu. Zu dem Letzten kam König Kaspar und opfert Myrrhe. Sie waren auch alle Drei so begierig und andächtig zu dem Opfer, und auch also in großer Forcht, daß sie vielleicht nit hätten verstanden, daß Maria die Jungfrau zu jeglichen Königs Opfer sprach mit geneigtem Haupt: "Gott gnad euch!"

Da nun die Heiligen Drei Könige dem Kind Jesu ihr Opfer gebracht hätten, und alles das vollbracht hätten, darum sie auskummen waren von Orient, zu Stund hüben sie und ihr Volk und ihr Vieh an, und begannen essen und trinken nach der Natur Gewohnheit. Denn sie hätt Gott von Orient geführt bis gen Bethlehem ohn alles Essen und Trinken und ohn allen Schlaf. Und blieben den Tag zu Bethlehem, und pflogen da einer Ruhe nach Notdurft ihrer Natur.



Die Drei Könige reisen in ihre Heimat zurück.

Als die Heiligen Drei Könige blieben den ganzen Tag zu Bethlehem, da erschien ihnen der Engel in dem Schlaf und saget ihnen, daß sie nit kommen sollten zu Herodes, wie geschrieben steht in dem Evangelio. Und fuhren einen andern Weg. Da sahen sie den Stern nicht mehr, und mußten auch durch die Land ziehen mit Leuten, die sie den Weg weisten. Und mußten fürbaß essen und trinken und schlafen wie andere Leut. Wie auch jeglicher einen besondern Weg kommen war aus seinem Land, so fuhren sie alle Drei heim, und zogen durch viel fremde Land, und sagten da dem Volk desselben Landes alles, das sie gesehen und gehört hätten. Da wurden sie würdiglich von dem Volk empfangen. Ihnen gebrach auch weder Zehrung noch Kost (weder ihnen noch ihrem Vieh), bis daß sie kamen zu dem Berg Fons. Aber wie ein jeglicher da kam von seinem Land in dreizehen Tagen bis gen Bethlehem, so mußten sie zwei ganze Jahr ziehen, ehe daß sie kamen zu dem Berg Fons, darum daß sie und andere Leut desto besser wüßten den großen Unterschied zwischen den Werken der Gottheit und der Menschheit.



König Herodes eilt den Drei Weisen nach.

Da Herodes vernahm, daß er also betrogen war von den Königen, da sie nicht zu ihm kamen nach dem, wie er mit ihnen hätt geredt, da zog er ihnen nach mit den Alten der Juden und mit großem Volk. Aber wo er zog, da vernahm er von den Juden je länger je mehr (von Gottes Gewalt sagten sie), daß sie von dem Stern in dreizehen Tagen wurden geführt von Orient bis gen Bethlehem, und daß sie an der Widerfahrt heim zu Land mit großer Arbeit kommen mußten, da sie verloren den Stern. Des wundert er sich gänzlich von dem Volk der Länder, da sie hin und her zogen und unterwiesen wurden.

Nun wohnten auch in den selben Landen zu den Zeiten viel Juden in Städten und in Dörfern, da die selben Drei Könige durchzogen. Die schrieben es auch Herodes und den Alten der Juden. Und kommen ihrer etlich zu ihm und sagten ihm, wie die selben Könige in also kurzen Zeiten kommen wären gen Bethlehem, und von dem großen übertreffenden Wunder, das da geschah. Da sprachen die Heiden, (die der Schrift nit wußten, daß Christus sollt geboren werden) daß die Heiligen Drei Könige wären Zauberer. Darzu sie die Juden auch sehr unterweißten, die doch wohl wußten, daß Christus sollt geboren werden. Das täten sie in großem Haß und Neid. Das blieb also, bis Christus ward gemartert, und von dem Tod erstund. Da kam es erst in eine Gewohnheit, daß man sie nannt die Heiligen Drei Könige ohn allen Zweifel. So sind sie große und mächtige Könige gewesen, wie es ihre Leut und Land noch heut bezeugen, die da kommen von Orient gen Jerusalem oder anderswo her.

Da wollt der Allmächtige Gott, der je in seinen Werken ist wunderlich gewesen, der wollt da alles Volk wissen lassen die gar großen Unterschied zwischen den göttlichen Worten und den Menschen. Wie die Drei Könige und alles ihr Volk und ihr Vieh ohn alles Essen und Trinken und ohn alle Irrung kommen in dreizehn Tagen von Orient gen Bethlehem mit dem Stern und den göttlichen Werken, so kommen sie nun heim in zwei Jahren. Aber der Allmächtig Gott wollt seine Geburt also wahr machen, denn sein ehrlicher Name war zuvor nur allein erkannt den Juden. Denen machet Er da mit Seiner Geburt offen alle Zungen von der Sonnen Aufgang bis zum Untergang.



Die Drei Könige erbauen auf dem Berg Fons einen Tempel zu Ehren des Königskindes.

Da nun die Heiligen Drei Könige kamen zu dem Berg Fons mit allem ihrem Volk, da hießen sie mit großem Gezierd und mit großem Reichtum bauen eine Capellen auf dem Berg Fons zu der Ehre des Juden-Königs, den sie gesucht und gefunden hatten mit großer Arbeit.

Und nieden an dem Berg war eine Stadt, die hieß Sodella. Da blieben sie an ihrer Ruhe nach ihrer großen Arbeit, die sie gehabt hatten. Und da meinten sie, auch nach ihrem Tod begraben zu werden. Als sie nun dar kommen waren, da kommen von allen Landen ihre Fürsten und Herren und auch ihr Volk zu ihnen, und empfingen sie mit großen Ehren, wie wohl billig war, und waren ihrer Zukunft froh. Und da sie hörten das große Wunder, das Gott mit ihnen gewirket hat, da hat sie das Volk fürbaß in großer Furcht und in großen Ehren. Und da sie ihr Sach mit einander hätten ausgericht, da fuhr ein jeglicher mit den Seinen heim zu Land, und sagten Gott Ehre und Würde. Und sagten jedem Mann, was sie gesehen und gehört hätten, und hießen auch in allen ihren Landen und in all ihren Tempeln malen ein Kindlein mit einem Kreuz, nach dem wie Er ihnen auch war erschienen. Davon ließen viel Heiden die Abgötter, daß man sie nit mehr anbetet. Und beten das Kindlein an, als einen Gott, der Er auch war. Zu der Kapellen, die gemachet ward auf dem Berg Fons, da kommen täglich von fernen Landen Kaufleut und manigerlei Volk durch die Gnad des Kindes. Und da die Heiligen Drei Könige kamen von Bethlehem, da wurden sie allen Leuten zumal lieb von ihrem reinen tugendlichen Leben. Und ward in dem Land zu Orient ein solcher Ruf, daß da lang davon war zu sagen. Und waren also in ihrem löblichen Leben bis nach Christi Tod, als Unser Herr Jesus Christus gemartert ward, und von dem Tod erstund, und zum Himmel fuhr.



Der Heilige Apostel Thomas kommt nach Indien.

Da ward Sankt Thomas von dem göttlichen Willen gesandt in das Land India, zu predigen christlichen Glauben. In dem Land waren die Heiligen Drei Könige.

Nun kam Sankt Thomas nit gern in India. Aber von der Göttlichen Fürsichtigkeit ward er dahin gesandt. Da begunnt er, dem Volk predigen christlichen Glauben: Daß Christus geboren war, und auch gemartert ward, und auch an dem dritten Tag erstund, und darnach zum Himmel fuhr. Das begunnt Sankt Thomas in viel Inseln und Land predigen und in India lehren, und bekehrt da viel Volks. Denn mit dem Zeichen des Heiligen Kreuz vertrieb er den Teufel von viel Leuten, und machet sie gesund von mancherlei Siechtagen.

Und er kam in den Tempel der Heiden. Da fand er gemalt einen Stern, und darin ein Kind mit einem Kreuz, wie es die Heiligen Drei Könige geheissen hätten, da sie kommen von Bethlehem. Als Sankt Thomas von den Priestern der Tempel also ward unterweiset, daß man des Sterns lang hätt begehrt auf dem Berg Fons, und (da er erschien) daß die Könige auszogen, und funden das Kind und Ihm ihr Opfer brachten (wie ihr zuvor gehört habt), da das Sankt Thomas alles vernahm, da ward er erfreut und erfüllet mit dem Heiligen Geist. Und er predigt von der Marter und von der Urständ und von der Auffahrt Unsers Herrn Jesu Christi, und wie er auch das nit wollt glauben, bis er mit seinen Fingern selber die Wunden griff.

Da wurden viel Leut bekehret, ließen die Abgötter, und glaubten an Jesum Christum. Da nun Sankt Thomas kam in die Stadt und in die Lande, daß die Leut bekehrt würden, und der Abgötter Tempel weihet Gott zu Lob, machet er da Bischöfe und andere, die Gott dienten nach Gewohnheit der Christenheit.



Der Heilige Thomas predigt den Drei Königen, tauft sie und setzt sie als Bischöfe ein.

Nach dem kam er in die Land, da die Heiligen Drei Könige selben innen waren. Die waren nun vor Alter sehr krank. Und da er zu ihnen kam, da wurden sie gründlich von ihm unterweiset von Jesu, dem Kind, dem sie das Opfer brachten, und wie Er ward getötet, und wie Er erstand und auch zum Himmel fuhr. Sonderlich saget er ihnen auch von der Taufe, ohne die niemand möchte behalten werden. Da wurden die Heiligen Drei Könige von Sankt Thomas mit allem ihrem Volk getauft. Sie wurden auch mit dem Heiligen Geist erfüllet, also daß sie mit Sankt Thomas das Gotteswort ausriefen. Und sagten da allem Volk davon, wie es ihnen wäre ergangen, da sie das Kind suchten, und auch fanden.

Also zogen die Heiligen Drei Könige mit Sankt Thomas und mit allem ihrem Volk, das sich zu christlichem Glauben bekehrt hätt, auf den Berg Fons. Und da weihet Sankt Thomas die Kapellen, die sie zuvor drauf gemacht hätten, in der Ehre des Kindleins Jesu Christi und der Jungfrau Maria. Und sagten dem Volk davon, wie der Stern den Heiligen Drei Königen erschien und darin eine Kron mit einem Kreuz, daß auch das selb Kind war Christus Jesus, der die Marter hätt erlitten an dem Kreuz durch das Erlösen aller Menschen. Da Sankt Thomas das alles ausleget, da ward eine große Freud unter dem Volk und von dem großen Wunder, das Sankt Thomas da tat. Da kam ein solcher Ruf in alle Land, daß von fernen Landen zu dem Berg Fons gar mancherlei Volk kam, also daß der christliche Glaube ward stark verbreitet. Und darum auch bauten sie Kirchen Gott zu Lob. Da nun Sankt Thomas das Volk alles mit seiner Predigt und mit großen Zeichen, die Gott durch ihn tat, bekehrt von ihrem Unglauben, da macht er die Heiligen Drei Könige zu Erzbischöfen. Und die machten da auch andere zu Bischöfen. Und setzten da Äbte und Priester ein, und was da zu dem Gottesdienst gehört. Und wo ein Tempel war der Abgötter, den weihten sie in der Ehre Jesu Christi und Seiner Lieben Mutter Maria. Der gute Herr Sankt Thomas, er unterweiset sie, wie sie die Messe halten sollen und segnen Unseres Herren Leichnam Jesu Christi. Und sonderlichen mahnt er sie, und bat sie, daß sie nicht vergaßen des Taufens, mit dem wir erlöst sollen werden. Und da er sie in allem unterwiesen hätt, da nahm er Urlaub und zog in eine Insel. Darin ward er gemartert.



Die Drei Könige erwählen den Patriarchen Thomas und den Priester Johannes zu ihren Nachfolgern.

Des andern Jahrs, ehevor sie starben, da besandten sie alle Fürsten und Herren ihretwegen und auch Bischöfe und Priester und gemeiniglich alles Volk. Und sagten, sie wären kommen in das Alter, daß sie nicht mehr mochten arbeiten. Sie hätten kein Kind und ihrer Keiner nie kein Weib, noch zu einem Weib nie Sinn. Man liest in Orient, daß sie alle Drei ihre Keuschheit behielten bis an ihr Ende. Da nun alles Volk zusammen kam, da stunden auf die Heiligen Drei Könige, und mahnten und baten das Volk alles gemeiniglich, daß es stät und fest bliebe an dem Glauben, den Sankt Thomas gelehrt hätt. Auch sprachen sie: "Seit wir Sankt Thomas nit mehr haben, so sollen wir mit gemeinem Rat erwählen Einen, der uns lehre an seiner Statt. Und dem sollen wir alle gehorsam sein und untertänig in geistlichen Sachen. Er soll auch in der Ehre Sankt Thomas ewiglich heißen Thomas Patriarch, und soll auch von allen männiglich geehret werden. Es sollen auch alle Fürsten und alle Herren und alles Volk in allen Landen ihm den Zehenten geben, und untertänig sein." Also kamen sie gemeiniglich überein, daß sie ewiglich einen solchen weisen Mann nehmen sollten. Da nahmen sie Einen, der hieß Jacobus, und war Bischof zu Antiochia, und war ein frommer Mann, als er kam mit Sankt Thomas in das Land. Sie sind noch heut in ihrem Land in India ihrem Patriarchen untertänig, als wir dem Papst.

Wie zuvor geschrieben ist, da die Heiligen Drei Könige kein Kind hätten, da kamen sie des mit allem ihrem Volk überein, daß sie sollten erwählen einen freien biederen Mann und einen wohl gebornen Mann, der da Herr sollt sein in allen ihren Landen. Also ist der Patriarch Thomas in geistlichen Sachen, und Priester Johannes in weltlichen Sachen. Noch heute ist es bekannt in aller Welt, und sind ihm untertänig, wie wir hier dem Kaiser. Da nun die Heiligen Drei Könige dies ausgerichtet hätten, gaben sie ihren Freunden, die auch geboren waren von ihrem königlichen Stamm, viel Land und Inseln. Und die selben sollten allweg geheißen werden "die Fürsten von dem Berg Fons". Es ist auch noch heut das selbe Geschlecht das edelste und das mächtigste in dem Land India und in Orient. Von dem Samen waren zween mächtige Fürsten und Herren an des Papstes Hof, da man zählt von Christi Geburt 1351 Jahre.



Wie die Heiligen Drei Könige gestorben sind.

Da die Heiligen Drei Könige nach dem Willen Gottes alles hätten vollbracht, da zogen sie zu der Stadt Sodella, und meinten, da zu bleiben bis an ihr Ende, und lebten dennoch zwei Jahr. Da erschien ihnen ein kleines Licht vor dem Heiligen Tag zu Weihnachten ob der Stadt als ein neuer, seltsamer Stern. Da verstunden sie dabei, daß die Zeit kommen war, daß sie scheiden sollten aus dieser Welt. Und sagten dem Volk, wie ihnen Gott gerufen hätt. Da hießen sie ihnen machen in der Stadt Sodella ein Grab in der Kirchen, die sie auch selber hätten lassen machen. Darinnen sollten sie nach königlicher Würdigkeit begraben werden.

Und an dem selbigen Weihnacht-Tag, da begannen sie, das Zehent-Amt mit ihrer Priesterschaft zu begehen. Darnach, an dem achten Tag, als der König Melchior von Nubia und Arabia das Amt der Messe hätt vollbracht, da neigt er sein Haupt vor allem Volk, und gab auf seinen Geist ohn allen Schmerzen. Er hätt gelebt hundert und sechzehn Jahr. Und legten ihm die andern zween Könige an die Kleider, wie sie ein Bischof haben soll. Und trugen ihn mit Fürsten und mit Herren und vor allem Volk zu dem Grab, und begruben ihn, da er wohl wüdig war, gar mit großen Ehren.

Darnach, an dem Obristen Tag, als der König Balthasar von Godolia und Saba vollbracht das Amt des Messe, da neigt er sein Haupt, und starb ohn allen Schmerzen. Da war er hundert und elf Jahr alt. Zu Stund trug ihn der andere König auch gar würdiglich zu dem Grab. An dem sechsten Tag darnach, da der König von Tharsis, Kaspar, gar mildiglich das Amt vollbracht, da opfert er seinen Geist mit geneigtem Haupt ohn alles Weh vor allem Volk. Zu Stund trugen ihn die Fürsten und Herren gar würdiglich zu dem Grab. Er war hundert und acht Jahr alt. Zu Stund ruckten die Leichnam der zwei Könige von einander. Also legt man den König Kaspar zwischen sie beide. Und wie sie hätten einander lieb gehabt, da sie lebten, da wollten sie auch von einander nit scheiden also tot. Und der ungewöhnliche Stern, der ihnen vor ihrem Tod erschien, der blieb ob der Stadt Sodella bis auf die Zeit, da die Heiligen Drei Könige kamen gen Köln. Also findet man geschrieben in India.



Nach ihrem Tod wirken die Heiligen Drei Könige viele Wunder.

Wie der Allmächtige Gott mit den Heiligen Drei Königen viel Wunder tat in ihrem Leben, also tat er auch nach ihrem Tod. Wer sie anruft fern oder nahe, auf Wasser oder auf Land, oder mit welchem Siechtag ein Mann begriffen wird, dem hilft Gott gnädiglich davon durch die Ehre der Heiligen Drei Könige. Also ward zu ihrem Grab von fernen Landen ein großer Zulauf von mancherlei Volk. Es ward auch eines von den Zeichen, die Gott tat durch die Heiligen Drei Könige, daß christlicher Glauben stark gemehret ward.



Weil sich Unglaube und Zwist ausbreiten, werden die Leichname der Heiligen Drei Könige getrennt.

Darnach über viel Zeit, als der christliche Glaube in Orient sehr verbreitet ward und groß, da kam der böse Geist, und säet seinen Samen darunter mit mancherlei Ketzerei. Davon wurden der Heiligen Drei Könige Leichnam in keinen Ehren behalten, denn in den Landen wurden die Glauben geteilt, und wurden die Land an einander hässig. Alsbald schied sich das Fleisch der Heiligen Drei Könige Leichname von dem Gebein, denn sie lagen recht bis auf die Zeit, als ob sie schliefen. Da nun die böse Ketzerei also heftiglich kam in die Lande, und christlicher Glaube begunnt abzunehmen, und das Volk zog vom Gehorsam des Patriarchen Thomas und des Priesters Johannes, die sie nit mochten ziehen von dem Unglauben, da nahmen sie ihre Abgötter wieder herfür. Und wurden die Stadt Sodella und die da waren von dem Land der Drei Könige an einander tödliche Feinde. Und ein jeglich Volk nahm den Leichnam seines Königs, und führten sie heim in ihr Land. Also blieben sie viel Zeit von einander. Da es also gefiel dem Allmächtigen Gott, da tat er seine Gnad, und machte christlichen Glauben, der lange Zeit verdorben war.



Kaiserin Helena sucht die Heiligen Stätten im Heiligen Land und baut dort Kirchen.

Zu der Zeit, herrschet Konstantinus im Römischen Reich, den da bekehret zu christlichem Glauben der Heilige Papst Sylvester, und machet ihn auch gesund von der Aussätzigkeit. Bei seinen Zeiten schicket er seine Mutter Helena gen Jerusalem. Die sollt da suchen das Heilige Kreuz. Und da sie nun das fand nach dem Willen Gottes, da hüb sie an, und bauet eine groß mächtige Kirchen zu der Ehre Jesu Christi, und beschloß das Heilige Grab und den Berg Calvaria, darauf Christus gemartert ward, darein und auch die Statt, da Christus Maria Magdalena erschien. Darnach zog sie an alle die Stätten, wo Christus in Seiner Menschheit gewandelt war, und machet da Erzbischöfe und Äbte und andere, die den Gottesdienst sollten vollbringen. Und gab denen groß Gut, damit sie ihre Notdurft wohl haben möchten.

Darnach kam die selige Helena gen Bethlehem zu dem Hohl, darin Christus als Mensch geboren ward. Darinnen ward nie Mensch noch Vieh. Der da hinein kam (wenn wer hinein gangen war), der war gewesen in dem Bann der Juden. Da nun Helena hinein kam, da fand sie das Hemd Mariae und etliche Tüchlein, da Jesus eingebunden war, liegen frisch und schön in der Krippen, und auch das Heu, das damals lag vor dem Esel und vor dem Ochsen, wie es hätt Maria vergessen, da sie vor der Juden Furcht mußte fliehen. Da nahm Helena alles samt und schicket es gen Konstantinopel gar würdiglich in das Münster Sankt Sophia, daß es alles bleib bis auf die Zeit des Großen Karls, der Jerusalem mit Zacharias, ihrem Patriarchen, und andere Städte der Kaiser brachte aus der Gewalt der Heiden. Und als er zog durch Konstantinopel, da bat er um das Hemd Mariae und um die Tüchlein, in die Christus war eingebunden, und um das Heu. Das ward ihm alles gegeben. Also führt er es auch in Unser Frauen Münster, das er selber hätt gebauet, wie es noch heut ist mit großer Würdigkeit und Ehre, wie dann wohl billig ist. Aber das Hohl, darinnen Gott als Mensch geboren ward, und wo auch die Heiligen Drei Könige ihr Opfer brachten dem Kind Jesu, da machet die Königin Helena eine schöne kostbarliche Kirche, mit großem Reichtum geziert. Und neben dem Chor zu der linken Hand geht man hinab in das Hohl, darinnen Gott geboren ward. Und darinnen ist ein Altar, und bei dem Altar ist nahe die Krippe, da Jesus hinein gelegt ward, und ist bei vier Schuh lang. Und man sieht sie noch heut dieses Tags. Und habens jetzo Barfüsser inne.



Die Kaiserin Helena sucht in India die Gebeine der Heiligen Drei Könige.

Als nun Helena die Kirche vollbracht mit großem Nutz und mit allen Dingen nach dem Willen des Allmächtigen Gottes, da gedacht sie inniglich an der Heiligen Drei Könige Leichnam, und wie sie die möcht bringen in ihre Gewalt. Und zog mit großem Volk in ihre Lande India, die zu den Zeiten der Römer waren. Und zerstört da der Abgötter Tempel allzumal, und machet daraus (Gott zu Lob und Ehre) Kirchen und Klöster. Und brachte der Christen Glauben wieder, der lange Zeit war untergegangen. Und da die Christen in dem Land hörten, daß die Heilige Helena also sehr darzu tat, daß der Glaube wieder kam, und wie viel Wunder Gott hätt mit ihr gewirkt, da sie das Heilige Kreuz fand und die Heiligen Drei Nägel und das Hemd Mariae, des wurden sie erfreut und auch desto stärker in dem Glauben. Des erschraken die Juden und die Heiden und auch die Ketzer gar sehr. Da begunnt Helena gar sehr zu suchen nach den Heiligen Drei Königen. Und da Sankt Helena hört, daß Gott so große Wunder hätt getan und gewirkt mit den Heiligen Drei Königen (lebendig und auch tot), da ward sie aber begieriger, daß ihr die Heiligen Drei Könige würden.

Da erfüllt Gott ihren Willen, wie er auch allzeit tut denen, die Ihn in der Wahrheit anrufen. Der Gott, der Helena half, daß sie fand das Kreuz, der selbe Gott half ihr auch, daß sie fand die Heiligen Drei Könige (wann es Gott also ordnet); und daß der Patriarch Thomas und der Priester Johannes gaben die Leichnam der Könige Melchior und Balthasar der Königin Helena darum, daß die Gottes Kraft und auch der Glaube desto besser gemehret werden, da man in allen Landen hört das große Wunder, das man mit Helena wirkte.

Also nahm sie auch den Leichnam, der da hieß Kaspar. Den hatten die bösen Ketzer, die da hießen Nestoriner. Die wollten ihn vor großem Neid lang Zeit nit geben, und führten ihn in eine Insel. Die war gar fest und hieß Egrosilla.

Und verbargen ihn an einer heimlichen Statt, nicht darum, daß sie ihn ehren wollten, sondern mehr durch Haß. Als die gute Helena hätt die Leichnam der zwei Könige, da wollt sie nit, daß sie gesondert wären. Und sandt ihre ehrbare Botschaft zu den mächtigsten Nestorinern in der Insel. Mit denen schuf sie (nit mit Gebet, sondern mit Gaben tät sie also viel), daß ihr der dritte König auch wurde.

Doch mußt sie drum geben den Leichnam Sankt Thomas. Auch war es eine gemeine Red, daß er soll genommen und geführt werden zu den Drei Königen zu Köln. Man sagt hie zu Landen viel Zeichen von Sankt Thomas, davon man in Orient nicht weiß zu sagen. Man sagt auch, daß an der Statt, da Sankt Thomas liegt, mag kein Ketzer über ein Jahr bleiben, noch kein Jud. Die Heilige Helena hat lassen bauen dreihundert und fünfundsiebzig Kirchen innerhalb des Meers an allen den Stätten, wo Gott gewesen ist, und wo auch große Wunder geschehen sind.



Die Kaiserin bringt die Gebeine der Heiligen Drei Könige nach Konstantinopel.

Und da sie hätt die Drei Heiligen Leichnam, da sandt sie's in die mächtige Stadt Konstantinopel, die ihr Sohn der Kaiser Konstantinus hat gebauet, und ist eine Hauptstadt in Griechenland. Da wurden die Heiligen Leichnam und andere Heiltum mit großen Ehren empfangen, wie billig war. Und wurden gelegt in die Kirchen Sankt Sophia. Man soll wissen, daß die Kirche ist also groß und also weit und also mit großer Zierd gemacht, wie keine in der Welt ist.

Da nun Konstantinus und Helena schieden von dieser Welt, da hüb sich große Feindschaft an, und tat der Christenheit groß Leid, also daß viele Leut ertötet wurden um den Glauben. Das währet lange Zeit, ehe daß das Leiden der Marter ein End nahm. Da kam ein ander Leiden und eine andere Verfolgung der Christenheit. Das war mit Ketzerei und mit Unglauben. Man lieset auch, daß das selbig Leiden sei härter den Christen als die Marter. Und in dem Leiden da schieden sich die Griechen von etlichen Artikeln des Glaubens und von der Römischen Kirchen. Und machten auch einen Patriarchen, dem seind sie noch untertänig, wie wir hier sind dem Papst. Und in dem Leiden blieben der Heiligen Drei Könige Leichnam ohn alle Ehre, daß man ihrer nicht achtet. Und deshalb gab Gott die Griechen und die Armenier in die Hand der Heiden. Und die wüsteten das Land sehr bis an die Zeit, da der König Mauritius kam. Der gewann das Land mit denen von Mailand wieder. Man liest auch, daß der Kaiser von Griechenland, Emanuel, schicket zu dem König Mauritius einen weisen geistlichen Mann. Der hieß Kosteridis. Der war dem Kaiser also vertraut, daß er ihn machet zum Bischof von Mailand.



Die Reliquien der Heiligen Drei Könige werden nach Mailand und schließlich nach Köln überführt.

Da nun der Kaiser von Rom dem Kaiser von Griechenland die Lande wieder gewann, da begehret er auf den Rat des Bischofs die Leichname der Heiligen Drei Könige. Die wurden ihm gegeben, weil man ihrer zumal nicht achtet. Also führt sie der Bischof gen Mailand, und legt sie in eine besondere Kirchen, die ist der Prediger. Da tat Gott durch die Heiligen Drei Könige viele Zeichen.

Als man zählt von Christ Geburt 1164 Jahr, da setzt sich Mailand wider den Kaiser Friedrich, der des Ersten dar zog mit großem Volk und Gewalt, und fuhr in die Stadt, und meinet, sie gänzlich zu zerstören. Und besetzt sie an allen Orten, also daß ihnen nit Kost mocht zugahn nach ihrer Notdurft. Da half dem Kaiser ein Bischof von Köln, der hieß Rainaldus, und viel andere Fürsten und Herren. Er besetzt die Stadt also lang, bis daß er sie mit Gewalt bezwang.

Nun war in der Stadt ein mächtiger Herr, der hieß Azo von dem Thurn. Dem war der Kaiser sonderlich feind. In dessen Haus kam der Bischof von Köln. Da ging der Herr heimlich zu dem Bischof, und bat ihn um des Kaisers Huld, so wollt er ihm geben die Heiligen Drei Könige und viel anderes Heilrum. Das wüßt niemand, wo das lag, als er und drei der Mächtigsten. Da ging der Bischof zu dem Kaiser und gewann dem Herrn Azo des Kaisers Huld. Und bat den Kaiser, daß ihn der Azo bracht heimlich und ihn weiset an die Statt, wo die Heiligen Drei Könige lagen, ob er ihm die wollt geben, daß er sie gen Köln führet. Das erlaubt ihm der Kaiser. Also schicket der Bischof das köstlich Heiltum gen Köln. Da ward es mit großer Würde empfangen und mit großen Freuden. Und ward da gelegt in Sankt Peters Münster. Dahin kommen noch heut viel Fürsten und Herren und groß Volk. Und da man sie zu dem Tor hinein führt, da war ein kleines Kind da, das war nun dreißig Tag alt. Das redet alsbald, und sprach: "Zu dem Tor, da man sie ein hat geführt, da wird man sie wieder ausführen." Der Rede erschraken sie gar sehr, und meinten, es war Gottes Wille, und wollten Ihm zuvorkommen, und vermauerten das Tor. Also steht es noch.



Auf die Fürsprache der Heiligen Drei Könige erlangt ein englischer König Hilfe.

Es war ein König in Engelland. Der hätt die Heiligen Drei König gar lieb. Und beging alle Jahr ihr Hochfest gar herrlich und löblich. Und gab viel Almosen alle Jahr. Und eines Mals hätt der König viel Guts verkriegt, und sollt viel vergelten. Und da der Heiligen Drei Könige Hochfest kam, da sprach er zu seinem Kammerer: "Wo nehmen wir Pfennige, daß wir das Almosen geben? Ich hab gerechnet, daß wir das Jahr siebzig Mark Goldes müßten haben." Da sprach der Kämmerer: "Wir haben nicht Pfennig. Wir haben also viel entlehnt, daß und niemand mehr leihen will." Das war dem König also leid, und hätt die Heiligen Drei Könige gern geehret, und ruft sie mit großem Ernst an. Und dieweil er also betet, da sah er, daß sich ein Stern von den Wolken herab ließ auf seine Kapelle mitten durch das Dach. Und ging in der Kapellen nieder durch die Erden. In der selben Kapellen hört der König gewöhnlich Messe, und beging auch der Heiligen Drei Könige Hochfest darinnen. Da nahm den König Wunder, was das bedeutet, daß der Stern in die Kirchen war gegangen. Und hätt Hoffnung zu den Drei Heiligen Königen, und hieß in die Erden graben, da der Stern hinein war gegangen. Und da man nun eine kleine Weil gegraben hätt, da kommen sie auf einen großen Stein. Da gruben sie aber tiefer ein. Da fanden sie einen großen Schatz. Und wußt niemand, wie das Gut darkommen war. Da ward der König gar froh, und gab das Almosen gar reichlich aus. Und danket Gott und den Heiligen Drei Königen der Gnaden, und hätt sie fürbaß lieber dann zuvor. Und zahlt alle die, denen er gelten sollt, und zehret fürbaß reichlich.




Anmerkungen

Arabien war noch im Mittelalter die allgemeine Bezeichnung für das Land, das die Nomaden auf der arabischen Halbinsel bewohnten. Mit großen Reichtümern war besonders Südarabien gesegnet, das deshalb auch lateinisch "Arabia felix" (glückliches Arabien; Jemen) hieß. Hier bestanden große Handelsniederlassungen und Karawanenstapelplätze, von denen die Waren - u. a. Weihrauch - in die damals bekannte Welt versandt wurden. Nach der Dreikönigslegende herrschte König Melchior, der dem Jesuskind Gold brachte, über Arabien und Nubien.

Balaam (Bileam) war ein heidnischer Prophet in Mesopotamien, der zum Gefolge Balaks, des Königs der Moabiter, gehörte. Statt die Kinder Israels zu verfluchen, segnete er sie auf Gottes Geheiß (4 Mos 22-24). Er prophezeite auch das Kommen des Erlösers (4 Mos 24,17): "Aufgeht aus Jakob ein Stern, ein Zepter erhebt sich aus Israel, zerschmettert Moab die Schläfen, den Scheitel der Söhne Sets insgesamt." Diese Worte wurden mit dem Stern von Bethlehem und mit den Weisen aus dem Morgenland in Verbindung gebracht.

Bethlehem ("Haus des Brotes") ist eine kleine Stadt in der Nähe von Jerusalem. Hier hat Maria in einer Höhle das Jesuskind geboren. Die Geburtsgrotte ist heute noch eines der großen Pilgerziele im Heiligen Land. Kaiserin Helena erbaute hier eine fünfschiffige Basilika, die zu den ältesten frühchristlichen Baudenkmälern gehört. Das Gotteshaus hat Ritter Konrad von Grünemberg auf seiner Pilgerfahrt 1486 besucht: "Item da Gott geboren ist, ist gar eine prächtige Kapelle, ist fast ganz überzogen und bedeckt mit Marmorsteintafeln vielerlei Farbe, und mit vergoldetem Glas und andersfarbigem Glas besetzt, gleich wie Sant Marks Münster (Markusdom) zu Venedig, desgleichen der große Tempel oben ganz und gar. Dieser Tempel ist über alle Maßen mit hohen Kosten prachtvoll gebaut, desgleichen ich keinen nie mehr gesehen hab, und stehen darin vierundvierzig marmorsteinerne Säulen."

Chaldaea war ursprünglich das neubabylonische Reich im südöstlichen Mesopotamien am Persischen Meerbusen. Im Alten Testament (Buch Daniel) werden die Chaldäer Zauberer, Traumdeuter und Astrologen genannt.

Drei Könige. Über die Weisen aus dem Morgenland wissen wir aus der Bibel nicht viel. Deshalb haben sich zahlreiche Legenden um diese Gestalten gerankt. Seit dem 5. Jahrhundert werden wegen der Geschenke Gold, Weihrauch und Myrrhe drei Personen angenommen. In der Malerei der Katakomben schwankt die Zahl noch zwischen zwei, vier und sechs Weisen. Schon in früher Zeit sind die Magier die Vertreter der drei Hauptrassen der Menschheit, nämlich als Nachkommen der drei Söhne Noahs: Sem, Harn und Japhet. Seit dem Mittelalter gelten sie als die Vertreter der damals bekannten Erdteile Europa, Asien und Afrika. Aus den Prophezeiungen des Alten Testament folgerte man, daß es sich um Könige handeln müsse: "Die Könige von Tharsis und den Inseln bringen Geschenke, die Könige von Arabien und Saba opfern Gaben. Und huldigen werden ihm die Könige alle, alle Völker werden ihm dienen." (Psalm 71/72,10) "Völker wallen zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Lichtglanz." (Isaias 60, 3).

Der Kirchenvater Tertullian (+ um 222) nennt sie bereits Könige. Zu Ende des 10. Jahrhunderts tragen sie nicht mehr die phrygischen Mützen der Magier sondern Kronen auf dem Haupt.

Bemerkenswert ist, daß die Drei Könige seit dem 8. Jahrhundert auch als Vertreter der drei Altersstufen (Jüngling, Mann, Greis) gelten. Die Namen der Weisen Könige sind ebenfalls erfunden. Im syrischen Werk "Schatzhöhle" (um 500) werden erstmals die Namen Hormizd, Jazdegerd und Peroz genannt. In den "Excerpta Latina Barbari" (6. Jahrhundert) heißen sie Bithisarea, Melichior und Gathaspa. Mit Petrus Comestor (um 1170) bürgern sich die Namen "Balthasar, Caspar, Melchior" im Abendland ein.
Seit dem 14. Jahrhundert besitzen die Drei Könige auch ein Wappen: Kaspar (Asien) trägt Halbmond und Stern, Melchior (Europa) mehrere Sterne, Balthasar (Afrika) Mohren und Fähnchen mit Schild.

Die reiche LEGENDE entwickelt sich seit dem 6. Jahrhundert in Syrien. Als wichtige Quellen gelten die syrische "Schatzhöhle" (um 500), das "Opus imperfectum in Matthaeum" (um 550/560) mit der syrischen Chronik von Zuqnin und das arabische Kindheitsevangelium. In Europa hat Johannes von Hildesheim im 14. Jahrhundert die verschiedenen Überlieferungen der Heiligen Drei Könige zusammengefaßt.

Egrosilla. Diese Insel, die bei Johannes von Hildesheim Egrisoulla heißt, ist nicht zu lokalisieren.

Emanuel. Der oströmische Kaiser Manuel (1143-1180) kann aus zeitlichen Gründen an der Übertragung der Dreikönigsreliquien von Konstantinopel nach Mailand unmöglich beteiligt gewesen sein. Hier irrt offensichtlich die Legende.

Fons. Der Name des Berges "Fons" (bei Johannes von Hildesheim "Vaus") ist sicherlich aus der falschen Lesung des Wortes "Mons Victorialis" (Berg des Sieges) entstanden. Zu Füßen des Berges liegt die Stadt Sodella (Sodola). Die Lage des Berges und der Stadt können nicht ermittelt werden. Erstmals wird der "Mons Vicotrialis" in der "Scriptura Seth" des "Opus imperfectum in Matthaeum' (6. Jahrhundert) erwähnt.

Fulgentius, Claudius Gordianus (467-532) stammte aus einer vornehmen nordafrikanischen Familie. Gegen seinen Willen wählte man ihn zum Bischof von Ruspe, doch hat man ihn aus politischen Gründen verbannt. Er war ein Anhänger des Kirchenvaters Augustinus und ein großer Gegner der Sekte der Arianer. Er wird als Heiliger verehrt (Festtag 1. Januar).

Godolia ist das sagenhafte Reich, über das König Balthasar herrschte. In unserer Legendenfassung heißt das Land auch Eudolia und Egdolye.

Gold. Über die königliche Gabe braucht nicht viel gesagt werden. Gold ist der Inbegriff von Reichtum, von königlicher und göttlicher Allmacht. Schon die Sumerer besaßen um 6000-5000 v. Chr. Kunstgegenstände und Kulturgeräte aus Gold. Im Altertum und im Mittelalter wurde Gold übrigens als Heilmittel angesehen, das das Leben verlängern konnte. In der "Legende aurea" wird das Gold, das der König dem Jesuskind brachte, verschieden gedeutet: Es gilt als Opfer, "für die Armut Mariens", als "Zins" (=Tribut für den König) und als Symbol für "die edle Gottheit", die in Christus war.

Gregorius. Papst Gregor I. regierte von 590 bid 604. Er war einer der bedeutendsten theologischen Schriftsteller seiner Zeit. Auf ihn gehen die Reformen der Liturgie und des Chorals zurück. Ferner war er besonders auf sozialem und karitativen Gebiet tätig. Das Fest dieses großen Kirchenlehrers wird am 12. März gefeiert.

Habakuk. In den Nachträgen des Buches Daniel (Kap. 14,33-39) wird berichtet, wie der Prophet Habakuk "ein Essen gekocht" und "Brot in einen Napf gebrockt" hat, um es den Schnittern auf dem Feld zu bringen. "Da faßte ihn der Engel des Herrn am Scheitel, trug ihn an den Haaren seines Hauptes und versetzte ihn in einem Atemzuge nach Babylon an den Rand der Grube."So wurde Daniel, der in der Löwengrube schmachtete, auf wunderbare Weise gespeist. "Der Engel aber versetzte Habakuk sogleich an seinen früheren Ort zurück."

Helena. Kaiserin Helena (255-330 n. Chr.) ist die Mutter von Kaiser Konstantin I. Die ehemalige Gastwirtin und Konkubine des Caesar Konstantius Chlorus wurde zur "Augusta" erhoben, als ihr Sohn 306 die Herrschaft antrat. Sie bekehrte sich zum Christenrum und unternahm 324 eine Wallfahrt ins Heilige Land. Dort fand sie der Legende nach das Heilige Kreuz Christi und andere Reliquien. Ferner soll sie die Reliquien der Drei Könige entdeckt und nach Konstantinopel gebracht haben. Die Legende weiß auch, daß sie die fünfschiffige Basilika in Bethlehem und die "Himmelfahrtskirche" auf dem Ölberg errichtet habe. Wegen ihres Einsatzes für den jungen christlichen Glauben wird sie als Heilige verehrt (Festtag 18. August).

Herodes I., der Ältere (um 72-4 v. Chr.) war als Idumäer kein echter Jude. Schon mit 23 Jahren wurde er zum Statthalter von Galiläa ernannt. Später verbündete er sich mit den Römern und konnte so ungestört über das gesamte jüdische Gebiet herrschen. Während seiner Regierung erlebte das jüdische Volk einen beinahe 30 Jahre dauernden Frieden. Er förderte sein Land und schuf großartige Bauwerke. Da er jedoch rücksichtslos und brutal war, haßten ihn seine Untertanen als einen gottlosen Tyrannen. Er ließ seine Frau, die Makkabäerin Mariamne, und seine Söhne hinrichten. In Herodes Regierungszeit fällt die Geburt Jesu.

India. Schon Herodot (5. Jahrhundert v. Chr.) weiß von "drei Indien" zu berichten. Unter dem Begriff "India" wurden die Länder Chaldäa, Persien und Indien zusammengefaßt. Allerdings waren die Vorstellungen von diesem "India" als dem "äußersten Land im Orient" sehr vage.

Johannes von Hildesheim wurde um 1310/1320 in Hildesheim geboren. Er trat in das Karmelitenkloster Marienau ein. Der hochgebildete Priester wirkte als Theologe und Historiker in Frankreich und Deutschland. Sein Hauptwerk ist die Legende von den Heiligen Drei Königen, die er zwischen 1364 und 1375 schrieb und die in vielen Handschriften und später in Drucken und Übersetzungen weite Verbreitung fand. Johannes von Hildesheim starb am 5. Mai 1375 im Kloster Marienau.

Johannes der Priester. Seit des 12. Jahrhunderts verbreitete sich in Europa die Kunde von einem Priesterkönig Johannes (Johannes Presbyter) in Indien, der mit den Heiligen Drei Königen in Verbindung gebracht wurde. Bischof Otto I. von Freising (+ 1158) berichtet erstmals in seiner "Cronica" (Kap. 7, 33) von ihm: "Er soll dem alten Geschlecht der Magier entsprossen sein, die im Evangelium erwähnt werden, und als Herrscher über dieselben Völker wie jene solchen Ruhm und Überfluß genießen, daß er sich nur eines smaragdenen Szepters bediene. Durch seiner Vorfahren Beispiel also begeistert, die kamen, Christus in den Windeln anzubeten, hatte er sich vorgenommen, nach Jerusalem zu ziehen."

Im späten 12. Jahrhundert tauchte ein lateinischer Brief auf, in dem der sagenumwobene Priester Johannes von seinem wunderlichen Reich "am anderen Ende der Welt" berichtet: "Über drei Indien herrscht unsere Hoheit, und unser Land erstreckt sich vom jenseitigen Indien, in dem der Leib des heiligen Apostels Thomas ruht, über die Wüste hinweg bis zum Aufgang der Sonne und reicht im Westen bis zum verlassenen Babylon nahe dem Turmbau von Babel."

Köln. Seit 1164 bewahrt die Stadt Köln die Gebeine der Heiligen Drei Könige auf. Rainald von Dassels Nachfolger, der Kölner Erzbischof Philipp von Heinberg (1167-1191), ließ den überaus kostbaren Reliquienschrein für die Leiber der Heiligen anfertigen. Es wird angenommen, daß vor allem Nikolaus von Verdun und seine Werkstatt an der Ausführung der Goldschmiedearbeiten beteiligt war. Mit dem Besitz der Dreikönigsreliquien wurde Köln zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte Europas. Die Gebeine der heiligen Könige wurden sogar wie Staatsreliquien behandelt und von Fürsten, Königen und Kaisern hoch verehrt. Die Stadt Köln nahm im 13. Jahrhundert die drei Königskronen in ihr Wappen auf. 1794 mußte der Schrein mit den Reliquien vor den Franzosen in Sicherheit gebracht werden. Die Kölner bereiteten ihren Heiligen bei der Rückkehr am 4. Januar 1804 einen triumphalen Empfang.

Bei einer Untersuchung der Reliquien 1864 fand man kostbare Stoffreste, die z.T. im 2./3. Jahrhundert n. Chr. in Syrien gewebt worden sind. Die Häupter, die bereits um 1200 von den übrigen Reliquien getrennt worden waren, liegen heute noch auf dem sogenannten Häupterbett. Im Protokoll der Untersuchung wird glaubhaft vermerkt, daß ein Schädel von einem Jugendlichen im Alter von 10-12 Jahren, der andere von einem Mann im Alter von 25-30 Jahren, und der dritte von einem etwa 50 Jahre alten Mann stamme.

Konstantin. Kaiser Konstantin I. d.Gr. wurde um 285 als Sohn des Konstantius Chlorus und der Helena geboren. Die Legende berichtet, daß er sich bei der Entscheidungsschlacht über seinen Mitregenten Maxentius vor den Toren Roms an der Milvischen Brücke am 28. Oktober 312 dem christlichen Glauben zugewandt habe ("In diesem Zeichen wirst du siegen!"). Mit dem Sieg bei Chrysopolis 324 gewann er auch die Herrschaft über den Orient. Er baute Konstantinopel (früher Byzanz) und erhob es zur Hauptstadt des römischen Reiches. Konstantin ließ zahlreiche christliche Kirchen errichten. So geht die Grabeskirche in Jerusalem auf ihn zurück. In Konstantinopel war das Hauptheiligtum die Hagia Sophia (Heilige Weisheit). Hier waren die Reliquien der Heiligen Drei Könige beigesetzt.

Obwohl Konstantin dem christlichen Glauben zugetan war, ließ er sich doch erst kurz von seinem Tod 337 taufen. Die Taufe spendete ihm der Legende nach Papst Sylvester I. (331-335)!

Kosteridis. Einen Bischof von Mailand mit dem Namen Kosteridis (Costeridis) hat es nicht gegeben.

Löwe. Daß der Löwe mit seinem Brüllen die neugeborenen Jungen zum Leben erweckt, ist eine Vorstellung, die bereits die Antike kennt. Im "Physiologus" (um 200 n. Chr.) heißt es darüber: "Wenn die Löwin ihr Junges wirft, so ist dieses zuerst tot. Die Löwin aber behütet das Geborene, bis daß sein Vater kommt am dritten Tage, und ihm in's Antlitz bläst, und es erweckt."

Mailand. 1158 wurden die Gebeine der Heiligen Drei Könige in der Kirche Sant' Eustorgio vor den Toren Mailands aufgefunden. Die anonyme "Vita Beati Eustorgii Confessoris" aus dem späten 12. Jahrhundert weiß, daß Eustorgius Botschafter des byzantinischen Kaisers war und von 344 bis um 350 als Bischof von Mailand wirkte. Auf seine Bitten hin schenkte ihm Kaiserin Helena die Reliquien der Heiligen Drei Könige, für die er eine eigene Kirche bei Mailand erbaute. Aus Furcht vor Kaiser Friedrich I. Barbarossa, der 1158 Mailand belagerte, wurden die Reliquien erhoben und in den Turm von S. Giorgio al Palazzo in Mailand gebracht. In der Kirche Sant' Eustorgio befindet sich noch heute der Marmorsarkophag der Drei Könige mit einem Stern und der Aufschrift "Sepulcrum Trium Magorum" (Grab der Drei Weisen). Friedrichs Kanzler Rainald von Dassel überführte die kostbaren Heiltümer nach Köln.

Mauritius. Gemeint ist Flavius Tiberius Mauricius (Maurikios), der von 582 bis 602 Kaiser von Byzanz war und ursprünglich aus einer römischen Familie in Kappadokien stammte.

Myrrhe (von arab. murr = "bitter") wird aus bestimmten, in Südarabien und Somaliland wachsenden Sträuchern gewonnen. Im kulturellen Leben der frühen orientalischen Völker spielte die Myrrhe eine große Rolle. Das wohlriechende Harz wurde für die Schönheitspflege, als Heilmittel und zum Einbalsamieren der Toten verwendet. Mit Wein vermischt, ergab sie ein berauschendes Getränk. - Nach der "Legenda aurea" opferte König Kaspar Myrrhe "zu einem Begräbnis, da er ein sterblicher Mensch war".

Nestorianer. Die Nestorianer (in der Freisinger Handschrift werden sie Nestoriner genannt) waren eine christliche Glaubensgemeinschaft, die auf den Patriarchen Nestorius von Konstantinopel (428-431) zurückgeht. Nestorius wurde auf dem Konzil von Ephesus 431 abgesetzt und starb um 451 in der Verbannung.

Nestorianische Missionare und Kaufleute verbreiteten das Christentum über Vorder- und Mittelasien bis nach China. Ein beredtes Zeugnis dafür bietet der Stein von Si-ngang-fu aus dem Jahr 781. Heute noch leben Nestorianer u. a. im Irak und Iran, in Syrien und Südindien und in der Sowjetunion.

Nubia. König Melchior, der das Gold opferte, war König über Nubia und Arabia. Nubien liegt in Nordafrika, beiderseits des Nil zwischen Assuan und Khartoum. Schon die alten Ägypter besiedelten dieses Gebiet, das später als unabhängiges Reich Kusch bekannt wurde.

Obrister Tag. Der Obriste Tag nach Weihnachten (oder bloß der Obrist-Tag und der Obrist) ist in Altbayern der Tag der Heiligen Drei Könige (6. Januar).

Persien. Die Perser sind ein iranischer Volksstamm. Schon in assyrischen Inschriften werden die Perser und Meder erwähnt. Zarathustra (Zoroaster) gilt als Schöpfer der persischen Religion. Im 3. Jahrhundert n. Chr. gibt es in Persien bereits christliche Gemeinden, die sich 404 selbständig machen.

Rainald von Dassel (geb. um 1118/1120) wurde 1156 Reichskanzler unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Von 1159 bis 1167 war er Erzbischof von Köln. Als 1162 (nicht 1164!) Mailand erobert wurde, erhielt er vom Kaiser die Reliquien der Heiligen Drei Könige geschenkt. 1164 überführte er die Gebeine von Mailand über Burgund und zu Schiff auf dem Rhein nach Köln. Hier wurden sie am 23. Juli 1164 mit großer Feierlichkeit eingeholt. Rainald starb 1167 während des 4. Italienfeldzuges an der Pest in Rom. Sein Leichnam ruht in Köln.

Saba und Godolia waren das Gebiet, über das König Balthasar herrschte. Es war im heutigen Jemen gelegen. Assyrische Texte des 8. Jahrhunderts v. Chr. berichten von diesem Land. Eine Königin von Saba besuchte Salomon und schenkte ihm Gold, Weihrauch und Edelsteine (1 Könige 10 ff.). Das reiche Land führte besonders Gold und Weihrauch aus. Nach dem 71. (72). Psalm sollen die "Könige von Saba und Seba Gaben entrichten".

Sodella. Diese Stadt heißt bei Johannes von Hildesheim Seuwa. Sie liegt am Fuße des Berges Mons Victorialis (Fons, Vaus) und ist geographisch nicht zu lokalisieren. Marco Polo schreibt darüber: "In Persien liegt die Stadt Saba, von welcher die drei Magier aufbrachen, als sie sich auf den Weg machten, um Jesus anzubeten, und in dieser Stadt sind sie nebeneinander begraben in drei großen schönen Grabmonumenten."

Stern von Bethlehem. Ein ungelöstes Problem stellt der Stern von Bethlehem dar, dem die Weisen gefolgt sind. Der Astronom Johannes Kepler (1571-1630) deutet ihn erstmals als Konjunktion der Planeten Saturn und Jupiter. Diese einmalige und seltene Himmelserscheinung ist nur alle 794 Jahre zu sehen. Im Jahre 7 v. Chr. begegneten sich Saturn und Jupiter gleich dreimal, nämlich am 29. Mai, 1. Oktober und 5. Dezember. Die "Berliner Planetentafel" (ein altägyptischer Papyrus astronomischen Inhalts) und der "Sternkalender von Sippur" (eine neubabylonische Tontafel) beschreiben die wichtigsten Sternbewegungen in der Zeit um Christi Geburt. Nach altorientalischen astronomischen Vorstellungen galt der Planet Jupiter als Stern des Weltherrschers, und Saturn war der Stern der Juden; beide trafen sich im Sternbild der Fische, dem Zeichen der Endzeit. Somit bedeutete die Konjunktion, daß im Jahre 7 v. Chr. der König der Endzeit in Palästina erschienen ist. - Manche Forscher vermuten im Stern von Bethlehem den Halley'schen Kometen, der Ende August im Jahre 12 v. Chr. gesehen wurde.

Tharsis. König Kaspar, der die Myrrhe opferte, war König über Tharsis und die Insel Egrosilla. Die Lage der Stadt Tharsis ist sehr unsicher. Vielleicht ist Tharsis identisch mit Tartessos in Südspanien. Jedenfalls wird der Ort mehrmals im Alten Testament genannt und gilt dort als weit entfernt. Auf die Drei Könige wird das Wort des Psalmisten bezogen: "Die Könige von Tharsis und den Inseln sollen Geschenke bringen."

Thomas der Apostel. Der "ungläubige" Thomas (vgl. Joh. 20, 24-29) gehörte zu den Aposteln Jesu. Er soll zuerst bei den Parthern und dann in Indien das Evangelium verkündet haben. Als Märtyrer soll er in Mailapur (heute ein Vorort von Madras) in Indien gestorben sein. Sein Festtag wird am 21. Dezember begangen. Das Grab des heiligen Thomas befindet sich nach alter Überlieferung seit dem 3. Jahrhundert in Edessa. Seine Reliquien wurden 1258 auf die Insel Chios und später nach Ortona an der Adria gebracht.

Die Thomas-Christen von Malabar an der Südwest-Küste Indiens führen ihren Ursprung auf die Missionstätigkeit des Apostels Thomas zurück. Heute gibt es noch rund 2 Millionen Thomas-Christen.

Weihrauch besteht aus gelben Harzkörnern des Weihrauchstrauches und aus mehreren anderen Harzen, die miteinander vermischt werden. Bereits in 5. und 4. Jahrtausend v. Chr. haben die orientalischen Priester ihren Göttern Weihrauch geopfert. Auch im Alten Testament wurde Weihrauch zum Räuchern im Tempel verwendet. Im 4. und S.Jahrhundert n. Chr. bürgerte sich die Räucherung auch im christlichen Gottesdienst und beim Kaiserzeremoniell ein. Weihrauch wurde bezogen aus Somaliland und besonders aus dem Weihrauchland (südliches Arabien), von wo aus die älteste Handelsstraße der Welt, die Weihrauchstraße, ausging.

Der brennende und duftende Weihrauch gilt als Symbol für das Gebet, das zum Himmel emporsteigt.


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Auszug aus dem Buch: Die Weihenstephaner LEGENDE von den Heiligen Drei Königen, 1475:
Mit Literaturhinweisen und vielen Holzschnittdarstellungen. Hochdeutsche Bearbeitung des Textes, Erläuterung, Nachwort und Gestaltung von Rudolf Goerge.

Verlag: Freising: Landkreis Freising 1990

Laut Buch: Der Text ist entnommen aus der Handschrift "Der heyligen Leben" (Winterteil), den Sixtus Schmuttermaier aus Freising 1475 abgeschrieben hat. Die Papierhandschrift befindet sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek München (cgm. 504). Die Holzschnitte stammen aus der Dreikönigslegende des Johannes von Hildesheim, die Johannes Prüß 1480 (Hain 9400) und Heinrich Knoblochtzer 1483 (Hain 9401) in Straßburg in deutscher Sprache gedruckt haben.


*? Dieser Teil von einem der Reiseberichter ist sehr sonderlich.