Katholischer Katechismus  
für die reifere Jugend und für Erwachsene

P. Jos. Deharbes
Neu bearbeitet von Jakob Linden, S.J.


Imprimi potest. Julius Vanvolxem S.J. vice Provicialis und
Imprimatur, Ratisbonae, die 6. Maji 1913. Dr. Schleglmann, Vic. Gen.
(Davor Imprimatur, Regensburg, den 12. Dezember 1905, Dr. F .X. Leitner, Gen. Vic.)


Regensburg, Rom, New York & Cincinnati
Druck und Verlag von Friedrich Pustet, 1914


Katholischer Katechismus für Jugendliche und Erwachsene


Gebete und Lehrstücke


"Das heilige Kreuzzeichen"
"Das Gebet des Herrn"
"Der Englische Gruß"
"Das apostolische Glaubensbekenntnis"
und ...

Das nicänische Glaubensbekenntnis

ICH GLAUBE AN DEN EINEN GOTT,
den allmächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge.
Und an den einen Herrn Jesus Christus, den eingeborenen Sohn Gottes, der aus dem Vater geboren ist von Ewigkeit, Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott; gezeugt, nicht geschaffen, einer Wesenheit mit dem Vater; durch den alles erschaffen ist;
der wegen uns Menschen und um unseres Heiles willen vom Himmel herabgestiegen ist; der durch Wirkung des Heiligen Geistes aus Maria der Jungfrau Fleisch angenommen hat und Mensch geworden ist;
der auch unter Pontius Pilatus für uns gekreuzigt worden ist, gelitten hat und begraben worden ist; am dritten Tage aber ist er nach der Schrift wieder auferstanden;
er ist aufgefahren in den Himmel, sitzet zur Rechten des Vaters und wird wieder kommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; und sein Reich wird ohne Ende sein.
Ich glaube an den Heiligen Geist, den Herrn und Lebendigmacher, der vom Vater und vom Sohn ausgeht; der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherrlicht wird; der durch die Propheten geredet hat.
Ich glaube an die eine heilige, katholische und apostolische Kirche. Ich bekenne die eine Taufe zur Vergebung der Sünden und erwarte die Auferstehung der Toten und ein ewiges Leben. Amen.


Die zehn Gebote Gottes

  1. Du sollst keine fremden Götter neben mir haben; du sollst dir kein geschnitztes Bild machen, dasselbe anzubeten.
  2. Du sollst den Namen des Herrn, des Gottes nicht vergeblich führen.
  3. Gedenke, daß du den Sabbat heiligest.
  4. Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß du lange lebest auf Erden.
  5. Du sollst nicht töten.
  6. Du sollst nicht ehebrechen.
  7. Du sollst nicht stehlen.
  8. Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten.
  9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib.
  10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Ochs, Esel, noch alles, was sein ist.

Die 5 Gebote der Kirche

  1. Du sollst die gebotenen Feiertage halten.
  2. Du sollst alle Sonn- und Feiertage die heilige Messe mit Andacht hören.
  3. Du sollst die gebotenen Fasttage wie auch die Abstinenztage halten.
  4. Du sollst wenigstens einmal im Jahre einem verordneten Priester deine Sünden beichten.
  5. Du sollst das allerheiligste Sakrament des Altares wenigstens einmal im Jahre und zwar zur der österlichen Zeit in deiner Pfarrkirche empfangen.

Die drei göttlichen Tugenden

Der Glaube
O mein Gott und Herr! Ich glaube fest, Heiliger Geist, daß du alles erschaffen hast, erhältst und regierst, daß die menschliche Seele unsterblich ist, daß die zweite Person in der Gottheit für uns Mensch geworden und am Kreuze gestorben ist, daß niemand ohne deine Gnade kann selig werden; daß du alles richten wirst. Dieses und alles, was du, o Gott, geoffenbaret hast und durch deine heilige Kirche uns zu glauben vorstellst, glaube ich darum, weil du es gesagt hast, der du nicht stehlen noch lügen kannst, weil du bist die ewige, unfehlbare Wahrheit. Vermehre, o Gott, meinen Glauben!

Die Hoffnung
O mein Gott und Herr! Ich hoffe von deiner unendlichen Barmherzigkeit durch die Verdienste Jesu Christi Verzeihung meiner Sünden, deine Gnade und endlich die ewige Seligkeit, weil du dieses alles versprochen hast, der du in deinem Versprechen der Getreueste bist, und wegen deiner Allmacht geben kannst, auch wegen deiner Güte gern geben willst, was du versprochen hast. Stärke, o Gott meine Hoffnung.

Die Liebe
O mein Gott und Herr! Ich liebe dich von ganzem Herzen über alles, weil du mir so viele Wohltaten an Leib und Seele erwiesen hast und noch täglich erweisest; am meisten aber liebe ich dich, weil du bist das höchste und schönste Gut, welches aller Liebe würdig ist. Aus Liebe zu dir liebe ich auch meinen Nächsten wie mich selbst, weil auch er dein Ebenbild und zur ewigen Seligkeit berufen ist. Entzünde, o Gott, meine Liebe!


Reue und Vorsatz

O mein Gott und Herr! Alle Sünden meines ganzen Lebens sind mir leid von Grund meines Herzens, weil ich dadurch verdient habe, von dir, meinem gerechten Richter, zeitlich oder ewig gestraft zu werden; weil ich dir, meinem größten Wohltäter, so undankbar gewesen bin; besonders aber, weil ich dich, das höchste und liebenswürdigste Gut, dadurch beleidigt habe. Ich nehme mir ernstlich vor, mein Leben zu bessern und nicht mehr zu sündigen. O Jesus, gib mir deine Gnade dazu! Amen.


Christliche Tages- und Lebensordnung

Willst du ein wahrhaft christliches Leben führen, so halte dich an folgende Tages- und Lebensordnung:
  1. Morgens beim Erwachen bezeichne dich alsbald mit dem Zeichen des Heiligen Kreuzes und opfere Gott den kommenden Tag auf. Sobald es Zeit ist zum Aufstehen, erhebe dich rasch und kleide dich sittsam an unter frommen Gebeten an Gottes heilige Gegenwart. Hierauf verrichte andächtig und womöglich kniend dein Morgengebet. Gehe nie an dein Tageswerk, ohne wenigstens ein kurzes Morgengebet verrichtet zu haben. An Gottes Segen ist alles gelegen. - Wohne auch täglich der heiligen Messe bei, wenn deine Verhältnisse es gestatten. Keine Zeit ist besser angewandt.

  2. Erfülle mit Fleiß und Gewissenhaftigkeit deine Standespflichten. Darin muß sich vor allem die wahre Tugend bewähren. Erneuere öfters die gute Meinung, besonders wenn die Arbeit hart und lästig wird; das gibt frische Kraft und vermehrt das Verdienst. Fliehe den Müßiggang; er ist der Anfang aller Laster. "Beten und Arbeiten!" das sei dein Wahlspruch.

  3. Setze dich nie zu Tische, ohne vorher und nachher zu dem zu beten, von dem jede gute Gabe kommt. Bei der Mahlzeit selbst sei mäßig und bescheiden.

  4. Der Christ darf sich auch die nötige Erholung gönnen, aber zur rechten Zeit und in rechter Weise, nicht in Ausgelassenheit oder in gefährlicher Gesellschaft. Die Furcht Gottes darf dich auch bei der Erholung nicht verlassen.

  5. Im Umgange mit andern sei freundlich und zuvorkommend. Hüte dich namentlich vor lieblosen und vor ungeziemenden Reden. Eine böse Zunge tötet die Seele.

  6. Leiden und Widerwärtigkeiten betrachte als ein besonderes Gnadengeschenk deines himmlischen Vaters. Ertrage sie in Geduld und in Vereinigung mit den Leiden deines Heilandes; dann sind sie die Quelle des reichsten Segens und einer unaussprechlichen Glorie im Himmel.

  7. Gehe oft und würdig zu den heiligen Sakramenten. Hast du das Unglück gehabt, eine schwere Sünde zu begehen, so erwecke alsbald die vollkommene Reue und beeile dich, durch das Sakrament der Buße dein Gewissen wieder in Ordnung zu bringen.

  8. Laß es dir deine Herzensangelegenheit sein, die Sonn- und Feiertage durch Werke der Frömmigkeit und der Nächstenliebe zu heiligen.

  9. Unterlaß es nie, andächtig dein Abendgebet mit Gewissenserforschung zu verrichten, bevor du dich zur Ruhe legst. Bist du besonders müde, so bete lieber etwas kürzer, aber andächtig. Kleide dich ehrbar aus, besprenge dich mit Weihwasser und suche betend oder mit andern frommen Gedanken einzuschlafen.





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