Katholischer Katechismus  


Zwölfter Glaubensartikel.

"Und ein ewiges Leben. Amen."


293. Was geschieht mit der Seele, wenn sie sich vom Leibe getrennt hat?

Wenn die Seele sich vom Leibe getrennt hat, erscheint sie sogleich vor Gottes Gericht.

"Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, und darauf folgt das Gericht." (Hebr. 9, 27.) Dieses Gericht heißt das besondere Gericht.

294. Worüber wird die Seele gerichtet?

Die Seele wird gerichtet über alle Gedanken, Worte und Werke und über die Unterlassung des Guten.

"Ich sage euch, daß die Menschen über jedes unnütze Wort, das sie reden, am Tage des Gerichtes Rechenschaft geben müssen." (Matth. 12, 36.)

295. Wohin kommt die Seele gleich nach dem besondern Gericht?

Gleich nach dem besondern Gerichte kommt die Seele entweder in den Himmel oder in die Hölle oder in das Fegfeuer.


§ 1. Das Fegfeuer.

296. Welche Seelen kommen in das Fegfeuer?

In das Fegfeuer kommen die Seelen der Gerechten, die entweder mit läßlichen Sünden aus diesem Leben geschieden sind oder für ihre Sünden noch zeitliche Strafen abzubüßen haben.

297. Woher wissen wir, daß es ein Fegfeuer gibt?

Daß es ein Fegfeuer gibt, wissen wir

1) aus der Heiligen Schrift;

2) aus dem beständigen Glauben der Kirche;

3) einigermaßen auch aus der Vernunft.

1) "Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden erlöst werden." (2. Mach. 12, 46.) "Er selbst wird selig werden, jedoch so wie durch Feuer." (1. Kor. 3, 15.)

Der Heiland redet von Sünden, die weder in diesem noch im andern Leben nachgelassen werden. (Matth. 12, 32.) Es findet also offenbar im andern Leben noch eine Nachlassung von Sünden statt, was nur im Fegfeuer möglich ist.

2) In der Kirche herrschte stets der Gebrauch, für die Verstorbenen zu beten, wie die Kirchenväter und die ältesten beim Gottesdienste gebräuchlichen Gebetsformeln (Liturgie) es bezeugen.

3) Schon die Vernunft scheint das Dasein eines Reinigungsortes zu fordern; denn in den Himmel kommt nur derjenige, der vollkommen rein ist, und in die Hölle nur der, welcher im Zustande der Todsünde stirbt; also müssen wir einen Ort annehmen, wo die nicht ganz reinen, aber doch in der Gnade Gottes abgeschiedenen Seelen geläutert werden.

298. Wie lange bleiben die Seelen im Fegfeuer?

Die Seelen bleiben so lange im Fegfeuer, bis sie völlig gereinigt und der Anschauung Gottes würdig sind.

Welcher Art die Leiden des Fegfeuers sind, wissen wir nicht bestimmt; doch sind dieselben nach der allgemeinen und wohlbegründeten Ansicht der Gottesgelehrten überaus schmerzvoll.

299. Wird das Fegfeuer auch nach dem allgemeinen Gerichte noch fortbestehen?

Nach dem allgemeinen Gerichte gibt es nur noch Himmel und Hölle.


§ 2. Die Hölle.

300. Welche Seelen kommen in die Hölle?

In die Hölle kommen die Seelen derjenigen, die in der Ungnade Gottes, d.h. in der Todsünde, sterben.

301. Welches ist das Los der Verdammten in der Hölle?

1) Die Verdammten sind auf ewig von der Anschauung Gottes ausgeschlossen;

2) sie leiden ewig die Qual des Feuers und werden gepeinigt von dem nagenden Wurm ihres bösen Gewissens;

3) sie leben ewig in der Gesellschaft der Teufel und des Auswurfes der Menschheit;

4) sie sind eingeschlossen in einem Kerker voll Finsternis und jeglichen Schreckens.

Die Heilige Schrift nennt die Hölle "einen Ort der Qualen" (Luk. 16, 28), "eine ewige Pein" (Matth. 25, 46), "ein unauslöschliches Feuer" (Mark. 9, 44), "den zweiten Tod" (Offenb. 21, 8), "den Pfuhl, der von Feuer und Schwefel brennt" (ebds.), "eine Brennstätte, tief und weit, deren Nahrung Feuer ist und viel Holz, entzündet durch den Zorneshauch Gottes wie durch einen Schwefelstrom" (Js. 3, 33), "eine Finsternis, wo Heulen und Zähneknirschen ist". (Matth. 8, 12.)

Beisp.: Der reiche Prasser (Luk. 16, 22 - 24).

302. Woher wissen wir, daß die Strafen der Verdammten ewig sind?

Daß die Strafen der Verdammten ewig sind, wissen wir

1) aus dem klaren Zeugnisse Christi und der Apostel;

2) aus der ausdrücklichen Lehre der unfehlbaren Kirche.

1) "Weichet von mir, ihr Verfluchte, in das ewige Feuer… Und diese werden eingehen in die ewige Pein." (Matth. 25, 41. 46.) - "Es ist besser, lahm in das ewige Leben einzugehen, als zwei Füße zu haben und in die Hölle geworfen zu werden, ins unauslöschliche Feuer, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt." (Mark. 9, 44. 45.) - "Sie werden mit dem ewigen Untergange gestraft werden." (2. Thess. 1, 9.)

2) Die Kirche hat den Irrtum, als hätten die Strafen der Hölle einmal ein Ende, auf dem fünften allgemeinen Konzil, dem zweiten zu Konstantinopel (553), feierlich verdammt.

303. Warum sind die Strafen der Verdammten ewig?

Die Strafen der Verdammten sind ewig,

1) weil die Todsünde eine so schwere Beleidigung der unendlichen Majestät Gottes ist, daß sie eine endlose Strafe verdient;

2) weil alle, die in der Todsünde sterben, ewig in der Sünde verstockt bleiben;

3) weil nur die Ewigkeit der Höllenstrafen ein hinlängliches Mittel ist, die Menschen vom Bösen abzuschrecken.

Deshalb suchen alle, die sich ungescheut der Sünde hingeben möchten, sich selbst einzureden, es gebe keine ewigen Höllenstrafen.

304. Werden alle Verdammten gleichviel leiden?

Nein; jeder Verdammte wird leiden nach dem Maße seiner Sünden und nach dem Mißbrauche der ihm verliehenen Gnaden.

"Wie sehr sie (die Stadt Babylon) sich herrlich gemacht und in Lüften gelebt hat, soviel gebet ihr Qual und Leid." (Off. 18, 7.) - "Von einem jeden, dem viel gegeben worden ist, wird viel gefordert werden." (Luk. 12, 48.)

305. Werden alle, die verdammt werden, aus eigener Schuld verdammt?

Ja; denn alle Menschen können selig werden, wenn sie nur die Gnaden, welche Gott ihnen gibt, gebrauchen wollen.

Gott "will", daß alle Menschen selig werden". (1. Tim. 2, 4.) "Der Mensch hat vor sich Leben und Tod: was er will, wird ihm gegeben." (Sir 15, 18.)


§ 3. Der Himmel.

306. Welche Seelen kommen gleich in den Himmel?

Gleich in den Himmel kommen die Seelen derjenigen, die in der Gnade Gottes sterben und frei sind von allen Sünden und Sündenstrafen.

307. Worin besteht das Bild der Seligen im Himmel?

1) Die Seligen im Himmel schauen Gott von Angesicht zu Angesicht und sind mit ihm in der innigsten Liebe vereinigt;

2) sie sind frei von jedem Übel und überströmt von Wonne an Leib und Seele;

3) sie leben in der beglückenden Gesellschaft der Engel und Heiligen;

4) ihr Aufenthaltsort erglänzt in göttlicher Schönheit und Herrlichkeit.

1) "Jetzt sehen wir (Gott) durch einen Spiegel rätselhaft, dann aber von Angesicht zu Angesicht." (1. Kor. 13, 12.)

2) "Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen; der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Klage, noch Schmerz." (Offb. 21, 4.) - "Sie werden trunken werden von dem Überflusse deines Hauses (o Gott), und mit dem Strome deiner Wonne wirst du sie tränken." (Ps. 35, 9.)

3) "Ein jeder wird die Seligkeit so oftmals besitzen, als er Genossen und Brüder der Seligkeit hat." (Hl. Augustinus.)

4) "Die Stadt (das himmlische Jerusalem) bedarf nicht der Sonne noch des Mondes, daß sie leuchten in ihr; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie." (Offb. 21, 23.)

308. Können wir die Glückseligkeit des Himmels begreifen?

Nein; die Glückseligkeit des Himmels ist hoch erhaben über alles, was sich sagen oder denken läßt; denn sie ist eine Teilnahme an der unendlichen Glückseligkeit Gottes selbst.

"Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr gehört, und in keines Menschen Herz ist es gekommen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben." (1. Kor. 2, 9.)

309. Werden alle Gerechten in gleichem Maße glücklich sein?

Nein; jeder Gerechte wird seinen Lohn empfangen nach seinen Verdiensten.

"Wer reichlich säet, der wird auch reichlich ernten." (2. Kor. 9, 6.)


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310. Welches sind also die vier letzten Dinge des Menschen?

Die vier letzten Dinge des Menschen sind: Tod, Gericht, Himmel und Hölle.

311. Was bewirkt die öftere Erinnerung an die vier letzten Dinge?

Die öftere Erinnerung an die vier letzten Dinge bewirkt, daß wir uns vor der Sünde hüten und so vor der ewigen Verdammnis bewahrt bleiben.

"In allen deinen Werken gedenke deiner letzen Dinge, und du wirst in Ewigkeit nicht sündigen." (Sir. 7, 40.)

312. Was wird zuletzt mit der übrigen Schöpfung geschehen?

Gott wird den Fluch von der Schöpfung nehmen und sie teilnehmen lassen an der Herrlichkeit der Kinder Gottes.

"Selbst das Geschöpf wird von der Dienstbarkeit der Verderbtheit befreit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes." (Röm. 8, 21.) "Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde." (Offb. 21, 1.)

313. Warum schließen wir das apostolische Glaubensbekenntnis mit dem Worte "Amen"?

Wir schließen das apostolische Glaubensbekenntnis mit dem Worte "Amen", um zu bekräftigen, daß wir alles fest glauben, was in den zwölf Glaubensartikeln enthalten ist.

"Amen" ist ein hebräisches Wort und bedeutet: "Wahrhaftig, "so ist es" oder "es geschehe".

Nutzanwendung: Bedenke oftmals, besonders in der Stunde der Versuchung, die ernste Wahrheit: "Einmal verloren, ewig verloren", oder: "Augenblickliche Luft bringt ewige Qual; aber kurzes Leiden bringt ewige Freude".


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Quelle:

Übernommen aus "Katholischer Katechismus für die reifere Jugend und Erwachsene", 1913 (altdeutsche Schrift) : Gebete, Ziel des Menschen, Glauben, Gebote, Gnadenmittel, Kirchengeschichte

Aus dem Buch "Katholischer Katechismus für die reifere Jugend und Erwachsene" wurde die alte Rechtschreibung übernommen; ebenso die sprachliche Formulierung!



Zum katholischen Katechismus für Jugend und Erwachsene von Deharbes (in altdeutscher Schrift):

www.betet.info/katechismus_gebote_2.html
www.betet.info/katechismus_gnaden-mitteln_2.html
www.betet.info/katechismus_kirchengeschichte_2.html
www.betet.info/katechismus_inhaltsverzeichnis_2.html

www.betet.info/katechismus_gebote.html
www.betet.info/katechismus_gnaden-mitteln.html
www.betet.info/katechismus_kirchengeschichte.html
www.betet.info/katechismus_inhaltsverzeichnis.html