Katholischer Katechismus  


Dritter Glaubensartikel.

"Der empfangen ist vom Heiligen Geiste, geboren aus Maria der Jungfrau."


Die Jungfrau Maria mit ihrem Kinde Jesu, Sohn Gottes


§ 1. Die Menschwerdung des Sohnes Gottes.

163. Was bekennen wir mit den Worten: "Der empfangen ist vom Heiligen Geiste"?

Mit den Worten: "Der empfangen ist vom Heiligen Geiste" bekennen wir, daß der Sohn Gottes durch Wirkung des Heiligen Geistes Mensch geworden ist, d. h. einen menschlichen Leib und eine menschliche Seele angenommen hat. (Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes.)

"Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt." (Joh. 1, 14.)

164. Was ist also Jesus Christus?

Jesus Christus ist zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch; Gott ist er von Ewigkeit, und Mensch ist er geworden in der Zeit. (Gottmensch.)

Wenn Christus sagt: "Ich und der Vater sind eins", so redet er von sich als Gott; und wenn er sagt: "Der Vater ist größer als ich", so redet er von sich als Menschen. - Man kann aber in bezug auf Christus auch mit Recht sagen; "Gott ist für uns gestorben", weil der, welcher für uns starb, Gott ist.

165. Wie viele Naturen gibt es demnach in Jesus Christus?

Es gibt in Jesus Christus zwei Naturen: die göttliche, weil er Gott ist, und die menschliche, weil er Mensch ist.

166. Sind in Jesus Christus auch zwei Personen?

Nein, Jesus Christus ist nur eine Person, und zwar die zweite göttliche Person, welche die menschliche Natur unzertrennlich mit sich vereinigt hat.

Die beiden Naturen bestehen in Christus nebeneinander, zwar verbunden, doch nicht vermischt. - Weil die menschliche Natur in Christus mit der göttlichen verbunden ist, so war es geziemend, daß sie mit allen Gnaden und Gaben geschmückt wurde, die eine geschaffene Natur überhaupt empfangen kann. Darum konnte Christus auch als Mensch weder irren noch sündigen.

167. Warum wird die Menschwerdung des Sohnes Gottes der Wirkung des Heiligen Geistes zugeschrieben?

Die Menschwerdung des Sohnes Gottes wird deshalb der Wirkung des Heiligen Geistes zugeschrieben, weil sie vor allem ein Werk der Liebe und Gnade gegen uns Menschen ist. (Vgl. Fr. 79.)

168. Von wem hat der Sohn Gottes die menschliche Natur angenommen?

Der Sohn Gottes hat die menschliche Natur angenommen von Maria, der reinsten Jungfrau; darum heißt sie auch "Mutter Gottes" oder "Gottesgebärerin".

"Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, welches aus dir geboren werden soll, Sohn Gottes genannt werden." (Luk. 1, 35.) (Der Engel des Herrn; Fest Mariä Verkündigung.)

169. Warum wird Maria die reinste Jungfrau genannt?

Maria wird die reinste Jungfrau genannt, weil sie allezeit eine unvergleichlich reine Jungfrau geblieben ist.

Jesus war das einzige Kind Marias. Wenn in der Heiligen Schrift von Brüdern Jesu die Rede ist, so sind darunter nahe Anverwandte zu verstehen. So werden ja auch Abraham und sein Neffe Lot in der Heiligen Schrift Brüder genannt.

Weil Gott Maria auserwählt hatte, Mutter seines Sohnes zu sein, so hatte er sie auch mit den herrlichsten Vorzügen ausgestattet. Sie war nicht nur frei von jeder Sünde, sondern selbst von jeder ungeordneten Neigung. Sie besaß mehr Gnaden als die höchsten Engel, sie war voll der Gnade. Nachdem sie während ihres Lebens an allen Taten und Leiden ihres göttlichen Sohnes den innigsten Anteil genommen und ihm in jeder Tugend ähnlich geworden war, wurde sie nach ihrem Tode auch gleich ihm alsbald wieder auferweckt und mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen, wo sie nun als Königin an der Seite ihres Sohnes thront. (Fest Mariä Himmelfahrt.)

170. Wer war der heilige Joseph?

Der heilige Joseph war der jungfräuliche Gemahl Mariä und der Nähr- oder Pflegevater Jesu.

"Jesus wurde für Josephs Sohn gehalten." (Luk. 3, 23.) Fest des hl. Joseph; er ist der Schutzpatron der katholischen Kirche.)

171. Wozu ist der Sohn Gottes Mensch geworden?

Der Sohn Gottes ist Mensch geworden,

1) um Gott in der vollkommensten Weise zu verherrlichen;

2) um für uns zu leiden und zu sterben;

3) um uns durch seine Lehre und sein Beispiel den Weg zum Himmel zu zeigen.


§ 2. Das Leben Jesu Christi.

172. Wo ist Jesus geboren worden?

Jesus ist geboren worden zu Bethlehem in einem Stalle. (Weihnachtsfest.)

Bethlehem ist ein kleines Städtchen in Judäa, nicht ganz zwei Stunden südlich von Jerusalem. Es war die Geburtsstadt Davids. Der Name Bethlehem bedeutet "Haus des Brotes" und deutet sowohl auf die Fruchtbarkeit der Gegend hin als auch darauf, daß hier "das Brot des Himmels" zuerst auf die Erde herabgestiegen ist. Über der Geburtsgrotte ließ die Kaiserin Helena eine prachtvolle Kirche bauen, die noch heute steht.

173. Weshalb wollte der Sohn Gottes in solcher Armut und Niedrigkeit geboren werden?

Der Sohn Gottes wollte in solcher Armut und Niedrigkeit geboren werden,

1) um gleich von Anfang seines Lebens an für uns zu leiden;

2) um uns aufs nachdrücklichste zu mahnen, daß wir unser Herz nicht an Reichtümer und eitle Ehren hängen sollen.

174. Weshalb berief Gott die Hirten und die Weisen zur Anbetung des neugeborenen Heilandes?

Gott berief die Hirten und Weisen zur Anbetung des neugeborenen Heilandes, um zu zeigen, daß Jesus der Erlöser der ganzen Welt, der Juden und der Heiden, sei.

175. Wo brachte Jesus den größten Teil seiner Jugend zu?

Jesus lebte in der Verborgenheit zu Nazareth und war seinen Eltern untertänig; als er zwölf Jahre alt war, reiste er mit ihnen nach Jerusalem zum Osterfeste.

Nazareth liegt in Galiläa, auf einem der Hügel, mit welchen der Libanon südlich in die Ebene Esdrälon abfällt.

176. Was wollte uns Jesus durch sein Jugendleben lehren?

Durch sein Jugendleben wollte Jesus uns lehren, daß wir willig gehorchen, Freude am Gebete und am Unterrichte haben und gern im Hause Gottes verweilen sollen.

177. Was tat Jesus, als er dreißig Jahre alt war?

Als Jesus dreißig Jahre alt war, begab er sich an den Jordan, wo er sich von Johannes taufen ließ; hierauf ging er in die Wüste, wo er vierzig Tage und vierzig Nächte fastete; dann wurde er vom Teufel versucht.

Durch seine Taufe lehrt uns Jesus die Demut, durch sein Fasten die Abtötung der sinnlichen Begierden, durch sein Verhalten in der Versuchung die Art und Weise, wie auch wir gegen die Versuchungen des Teufels kämpfen sollen.

178. Was tat Jesus, als er die Wüste verlassen hatte?

Als Jesus die Wüste verlassen hatte, fing er an, öffentlich zu lehren und Jünger um sich zu sammeln, aus denen er zwölf zu seinen Aposteln erwählte.

Jesu begann sein öffentliches Leben im 15. Jahre der Regierung des Kaisers Tiberius, während Pontius Pilatus römischer Landpfleger von Judäa war. (Luk. 3.)

179. Was hat Jesus gelehrt?

Jesus hat alles gelehrt, was wir glauben, hoffen und tun müssen, um selig zu werden.

Er kleidete seine erhabenen Lehren vielfach in die Form anmutiger Gleichnisse und Parabeln, wie dies ausdrücklich von ihm geweissagt war. (Ps. 77, 2; vgl. Matth. 13, 35.) Seine Reden waren bei aller Einfachheit so voll von göttlicher Weisheit und Kraft, daß alles Volk staunte und selbst die Diener der Hohenpriester von ihm bekannten: "Niemals hat ein Mensch geredet wie dieser Mensch." (Joh. 7, 46.)

Nutzanwendung: Danke Gott, daß er aus Liebe zu dir Mensch geworden ist. Halte fest an ihm und seiner Lehre; denn er sagt: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich." (Joh. 14, 6.)






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