Katholischer Katechismus  


Vierter Glaubensartikel.

"Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben."

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180. Was hat Jesus gelitten?

Jesus hat sein ganzes Leben hindurch unbeschreiblich vieles gelitten. Zuletzt wurde er gefangen genommen, verspottet und angespien, gegeißelt, mit Dornen gekrönt und endlich ans Kreuz geschlagen.

Dem Heilande stand sein Leiden mit allen einzelnen Umständen vom ersten Augenblicke seines Lebens an lebendig vor der Seele und so litt er geistigerweise schon im voraus, was später wirklich über ihn kam.

181. Wie lange hing Jesus am Kreuze?

Drei Stunden lang hing Jesus am Kreuze in unaussprechlichen Schmerzen an Leib und Seele, bis er sein Haupt neigte und starb.

Das Kreuz, vorher das Holz der Schmach und des Fluches, ist nunmehr ein Zeichen der Ehre und des Segens. Das Bild des Gekreuzigten ist für uns eine unversiegbare Quelle des Trostes und der Kraft.

182. Ist Jesus wahrhaft gestorben?

Ja; die Seele Jesu hat sich von seinem Leibe wahrhaft getrennt.

183. Hat sich auch die Gottheit von ihm getrennt?

Nein, die Gottheit ist sowohl mit dem Leibe wie mit der Seele Jesu auch nach seinem Tode vereinigt geblieben.

184. Welche Wunder geschahen beim Tode Jesu?

Beim Tode Jesu wurde die Sonne verfinstert, der Vorhang des Tempels zerriß, die Erde bebte, Felsen zersprangen, Gräber öffneten sich und viele Tote standen auf.

Die Sonnenfinsternis beim Tode Jesu war ein um so offenkundigeres Wunder, weil sie zur Zeit des Vollmondes stattfand, wo eine natürliche Sonnenfinsternis unmöglich ist. - auch das Spalten der Felsen rührte nicht von einem bloßen Erdbeben her; denn noch heute sieht man in der Kirche des hl. Grabes einen breiten, sechs Meter tiefen Spalt quer durch die Adern, wie ihn weder Natur noch Kunst hervorzubringen imstande war.

185. Was beweisen diese Wunder?

Diese Wunder beweisen, daß Jesus Christus wahrhaft der Sohn Gottes ist, wie auch der Hauptmann, der beim Kreuze stand, und seine Kriegsknechte es bekannten.

Das Glaubensbekenntnis erwähnt ausdrücklich den römischen Landpfleger Pontius Pilatus, unter dessen Regierung dieses alles stattfand. Es soll dadurch genau festgestellt werden, wann und wo diese wichtigsten Ereignisse der ganzen Weltgeschichte sich zugetragen haben, damit niemand an ihrer Wahrheit zweifeln könne.

186. Was geschah nach dem Tode Jesu?

Nach dem Tode Jesu wurde seine Seite mit einer Lanze eröffnet und der Leichnam ins Grab gelegt; das Grab wurde darauf versiegelt und eine Wache von Soldaten an demselben aufgestellt.

Alles dieses ließ Jesus geschehen, damit sein Tod und seine Auferstehung um so unleugbarer wären.

187. Hat Jesus als Gott oder als Mensch gelitten?

Jesus hat als Mensch, d.h. seiner menschlichen Natur nach, gelitten; denn seiner göttlichen Natur nach konnte er weder leiden noch sterben.

188. War Jesus gezwungen, den Tod zu leiden?

Nein; Jesus hat freiwillig den Tod gelitten, aus unendlicher Liebe zu uns.

"Er wird geopfert, weil er selbst wollte." (Js. 53, 7.) "er hat mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben." (Gal. 2, 20.)

189. Wozu hat Jesus leiden und sterben wollen?

Jesus hat leiden und sterben wollen, um der göttlichen Gerechtigkeit für unsere Sünden genugzutun und uns zu erlösen.

Indem Jesus seinem himmlischen Vater freiwillig gehorchsam wurde bis zum Tode am Kreuze, wollte er ihm die Ehre ersetzen, die wir demselben durch unsere Sünden geraubt haben. Deshalb heißt es von ihm: "Um unserer Missetaten willen ist er verwundet, um unserer Sünden willen zerschlagen worden; unseres Friedens wegen liegt die Züchtigung auf ihm, und durch seine Wunden werden wir geheilt." (Js. 53, 5.)

190. Warum konnte kein anderer für uns diese Genugtuung leisten?

Die Beleidigung des unendlichen Gottes forderte eine Genugtuung von unendlichem Werte, die kein Geschöpf zu leisten imstande war.

191. Warum ist die Genugtuung Christi von unendlichem Werte?

Die Genugtuung Christi ist von unendlichem Werte, weil eine göttliche Person sie leistete; denn je höher die Person ist, welche genugtut, desto größer ist auch der Wert der Genugtuung.

192. War es zur vollkommenen Genugtuung notwendig, daß Christus so unbeschreiblich vieles litt?

Nein; auch das geringste Leiden des Gottmenschen wäre an und für sich hinreichend gewesen, weil jedes einzelne seiner Werke von unendlichem Werte ist.

193. Wozu wollte Christus dennoch so vieles leiden?

Christus wollte so vieles leiden, damit wir um so besser die Größe seiner Liebe und die Strafwürdigkeit der Sünde erkennen und auch unser Kreuz um so geduldiger tragen möchten.

194. Wovon hat uns Jesus durch sein Leiden und Sterben erlöst?

Jesus hat uns von der Sünde, von der Knechtschaft des Satans und von der ewigen Verdammnis erlöst.

"Sehet das Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünde der Welt." (Joh. 1, 29.)

195. Was hat uns Jesus durch sein Leiden und Sterben verdient?

Jesus hat uns die Gnade, die Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel verdient.

"Als wir noch Feinde waren, wurden wir mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes." (Röm. 5, 10.) "Wir haben zuversichtliche Hoffnung, in das Heiligtum (den Himmel) einzugehen, wohin er uns einen neuen und lebendigen Weg… bereitet hat." (Hebr. 10, 19. 20.)

196. Hat Jesus die Gnade und ewige Seligkeit nur denjenigen verdient, die wirklich selig werden?

Jesus hat die Gnade und ewige Seligkeit allen Menschen ohne Ausnahme verdient, wie er auch für alle ohne Ausnahme gestorben ist.

"Christus ist für alle gestorben." (2. Kor. 5, 15.) - "Dieser ist die Versöhnung für unsere Sünden; doch nicht allein für die unsrigen, sondern auch für die Sünden der ganzen Welt." (1. Joh. 2, 2.)

197. Warum werden dennoch nicht alle selig?

Es werden nicht alle selig, weil nicht alle ihrerseits tun, was zur Erlangung der Seligkeit notwendig ist.

"Gott, der dich erschaffen hat ohne dich, macht dich nicht selig ohne dich (ohne dein Zutun)." (Hl. Augustinus.)

Nutzanwendung: Vergiß doch nie die überaus große Liebe Jesu Christi; liebe von ganzem Herzen den, der für dich in den bittern Tod gegangen ist. Nimm auch du dein Kreuz auf dich und folge Jesus nach. (Andachten zum Leiden Christi, z.B. Kreuzweg, schmerzhafter Rosenkranz, Verehrung der Todesangst am Ölberge, Besuch des heiligen Grabes in der Karwoche; Abstinenz am Freitage.)




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