Katholischer Katechismus  


Fünfter Glaubensartikel.

"Abgestiegen zu der Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten."


198. Was bekennen wir mit den Worten: "Abgestiegen zu der Hölle"?

Mit den Worten: "Abgestiegen zu der Hölle" bekennen wir, daß die Seele Christi nach seinem Tode in die Vorhölle hinabstieg, d.h. an jenen Ort, wo die Seelen der verstorbenen Gerechten waren.

"Er ward zwar getötet dem Fleische nach, aber lebendig gemacht dem Geiste nach, in welchem er auch zu den Geistern kam, die im Gefängnisse waren, und ihnen predigte", d. h. die Erlösung verkündigte. (1. Petr. 3, 18. 19.)

199. Warum waren die Seelen der verstorbenen Gerechten in der Vorhölle?

Die Seelen der verstorbenen Gerechten waren in der Vorhölle, weil der Himmel durch die Sünde verschlossen war und erst durch Christus eröffnet werden sollte.

In der Vorhölle waren diese Seelen zwar frei von Leiden; gleichwohl war dieselbe eine Art Gefängnis für sie wegen der großen Sehnsucht, die sie hatten, zu Gott, ihrem letzten Ziele, zu gelangen.

200. Weshalb ist Christus in die Vorhölle hinabgestiegen?

1) um den Seelen der Gerechten die Erlösung zu verkünden, sie zu trösten und zu befreien;

2) um auch in der Unterwelt seine Macht und Herrlichkeit zu zeigen.

201. Was bekennen wir mit den Worten: "Am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten"?

Mit den Worten: "Am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten" bekennen wir, daß Jesus am dritten Tage nach seinem Tode seine Seele wieder mit dem Leibe vereinigte und, wie er es vorhergesagt, glorreich aus dem Grabe hervorging (Osterzeit.)

"Löset diesen Tempel, und ich will ihn in drei Tagen wieder aufrichten. Er aber redete von dem Tempel seines Leibes." (Joh. 2, 19. 21.)

202. Welche Zeichen seines Leidens hat Christus an seinem verklärten Leibe behalten?

Christus hat die Wundmale an den Händen und Füßen und an seiner heiligen Seite behalten; deshalb konnte er zu Thomas sprechen: "Lege deinen Finger herein (in den Ort der Nägel) und sieh meine Hände und reiche her deine Hand und lege sie in meine Seite." (Joh. 20, 27.)

203. Wozu hat Christus die heiligen Wundmale behalten?

Die heiligen Wundmale hat Christus behalten

1) zum Zeichen seines Sieges über Tod und Hölle;

2) zum Verweise, daß er mit demselben Leibe, in dem er gelitten, auferstanden ist;

3) damit ihr Anblick am Tage des Gerichtes den Gerechten zum Troste und den Gottlosen zur Beschämung gereiche.

204. Woher wissen wir, daß Christus wirklich auferstanden ist?

Daß Christus wirklich auferstanden ist, wissen wir aus dem Zeugnisse seiner Apostel und Jünger, die ihn nach seiner Auferstehung öfters sahen, ihn berührten, mit ihm aßen, sprachen und umgingen. Diese haben seine Auferstehung überall, selbst vor dem Hohen Rate, der ihn zum Tode verurteilt hatte, laut verkündigt, obgleich sie sich dadurch nur tödlichen Haß und Verfolgung zuzogen.

Die Soldaten, welche das Grab bewachten, streuten zwar durch Geld bestochen, das Gerücht aus, während sie schliefen, hätten die Jünger Jesu seinen Leichnam gestohlen. Allein

1) wenn sie schliefen, wie konnten sie dann sehen, daß die Jünger ihn stahlen?

2) Woher kam plötzlich den feigherzigen Jüngern, die nun von ihrem toten Meister nichts mehr erwarteten, dieser unerschrockene Mut?

3) Wie geschah es, daß auch nicht einer der schlafenden Wächter über dem Hinwegwälzen des schweren Steines erwachte?

4) Warum wurden die Wächter nicht wegen Pflichtversäumnis bestraft? (Vgl. Apgsch. 12, 19.)

Mit Recht spottet schon der hl. Augustinus über diese törichte Ausrede der Juden. "O unglückliche Schlauheit," ruft er aus, "du berufst dich auf schlafende Zeugen. Wahrhaftig, du hast selbst geschlafen, als du solches ausgesonnen." (Zu Ps. 63.)

Wäre das Zeugnis der Apostel und der Jünger nicht so gewiß und ganz unverwerflich gewesen, niemals hätten sie die Welt überzeugen können, daß derjenige, welcher wie ein Missetäter vor aller Augen war hingerichtet und begraben worden, nach drei Tagen wieder glorreich zum Leben auferstanden sei. Sie haben indessen trotz aller Macht und Arglist der Feinde Jesu die Welt so fest davon überzeugt, daß Unzählbare um dieser Überzeugung willen den schmerzlichsten Tod erduldeten.

205. Was soll die Lehre von der Auferstehung Christi in uns bewirken?

Die Lehre von der Auferstehung Christi soll

1) uns stärken im Glauben an seine Gottheit und in der Hoffnung auf unsere künftige Auferstehung;

2) uns antreiben, vom Tode der Sünde zu einem neuen, heiligen Leben aufzuerstehen.

1) "Gott hat ihn von den Toten auferweckt und ihm Herrlichkeit verliehen, damit euer Glaube und eure Hoffnung auf Gott beruhe." (1. Petr. 1, 21.)

2) Gleichwie Christus von den Toten auferstanden ist, so sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln." (Röm. 6, 4.)

206. Wie lange blieb Christus nach seiner Auferstehung noch auf Erden?

Christus blieb nach seiner Auferstehung noch vierzig Tage auf Erden und erteilte seinen Aposteln, besonders dem hl. Petrus, verschiedene Vollmachten und Unterweisungen zum Besten seiner Kirche.

Nutzanwendung: Wer noch den Todesschlaf der Sünde schläft oder noch in bösen Gewohnheiten und sündhaften Gelüsten begraben liegt, der ist noch nicht zu einem neuen Leben erwacht. Himmlisch soll unsere Gesinnung, himmlisch unser Streben sein. "Wenn ihr mit Christus auferstanden seid, so suchet, was droben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzet. Was droben ist, habet im Sinn, nicht was auf Erden." (Kol. 3, 1. 2.)





ANFANG

STARTSEITE