Katholischer Katechismus  


Neunter Glaubensartikel.

"Die heilige, katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen."


Heilige Dreifaltigkeit - Rom - heilige katholische kirche


§ 1. Begriff, Stiftung und Einrichtung der Kirche.

227. Was ist die Kirche?

Die Kirche ist die sichtbare Gemeinschaft aller rechtgläubigen Christen auf Erden unter einem gemeinsamen Oberhaupte, dem römischen Papste, und den mit ihm vereinigten Bischöfen.

228. Wer hat die Kirche gestiftet?

Christus hat die Kirche gestiftet, indem er aus seinen Jüngern die zwölf Apostel auserwählte, ihnen seine eigene dreifache Gewalt anvertraute und den hl. Petrus zu ihrem sichtbaren Oberhaupte machte. (Vgl. Fr. 135, 136, 257.)

Christus hat die Stiftung der Kirche vollendet durch die Sendung des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist ist nämlich durch die belebende Kraft seiner Gnade für den Organismus der Kirche das, was die menschliche Seele für den menschlichen Leib ist. Wie nun die Erschaffung des ersten Menschen vollendet wurde durch die Einhauchung der Seele, so die Stiftung der Kirche durch die Sendung des Heiligen Geistes.


1. Das Oberhaupt der Kirche.

230. Woraus ersehen wir, daß Christus den hl. Petrus zum Oberhaupte seiner Kirche eingesetzt hat?

Daß Christus den hl. Petrus zum Oberhaupte seiner Kirche eingesetzt hat, ersehen wir

1) aus den Worten der Verheißung: "Du bist Petrus (der Fels), und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Und dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Alles, was du auf Erden binden wirst, wird auch im Himmel gebunden sein; und alles, was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöset sein" (Matth. 16, 18. 19);

2) aus den Worten der Einsetzung: "Weide meine Lämmer!" - "Weide meine Schafe!" (Joh. 21, 15 - 17.)

1) Die Worte der Verheißung sprechen die Obergewalt des hl. Petrus in einem dreifachen Bilde aus. Derselbe soll

a) das felsenfeste Fundament der Kirche sein, d.h. in der Gemeinschaft der Gläubigen eine solche Stellung einnehmen, daß diese Gemeinschaft dadurch eine unüberwindliche Festigkeit erlangt;

b) er soll die Schlüssel des Himmelreiches, d.h. die volle Regierungsgewalt in der Kirche, erhalten;

c) er soll in der Kirche die unbeschränkte Macht besitzen, zu binden und zu lösen, d.h. Pflichten aufzuerlegen und abzunehmen, Strafen zuzuerkennen und davon freizusprechen.

2) Durch die Worte der Einsetzung wird Petrus beauftragt, die ganze Herde Christi zu weiden, d.h. die ganze Kirche zu regieren.

231. Hat der hl. Petrus auch wirklich die Obergewalt ausgeübt?

Nach der Himmelfahrt Christi hat der hl. Petrus die Obergewalt beständig ausgeübt und wurde in diesem Amte von den übrigen Aposteln und der ganzen Kirche bereitwillig anerkannt.

So oft etwas Wichtiges entschieden oder ausgeführt werden sollte, erhob sich Petrus zuerst und handelte als das Haupt der übrigen. So bei der Wahl des Matthias, so am Pfingstfeste, so bei dem Streite wegen der Aufnahme der Heiden in die Kirche, so bei der Versammlung der Apostel zu Jerusalem usw. (Apgsch. 1; 2; 11; 15.)

Schon die Evangelien stellen bei Aufzählung der Apostel den hl. Petrus immer voran, obwohl er nicht der älteste unter den Aposteln und auch nicht vor allen anderen zum Apostelamte berufen war. Matthäus (10, 2) sagt ausdrücklich: "Die Namen der zwölf Apostel sind diese: Der erste Simon, der Petrus genannt wird, usf." Auf dem allgemeinen Konzil von Ephesus (431) hielt man es für eine "von niemand bezweifelte, allen Jahrhunderten bekannte Tatsache, daß der hl. Petrus, der Fürst und das Haupt der Apostel, der Grundstein der katholischen Kirche sei."

232. Ist aber nicht Christus selbst das Oberhaupt der Kirche?

Christus ist und bleibt das unsichtbare Oberhaupt der Kirche, Petrus war sein sichtbarer Stellvertreter.

233. Warum hat Christus seiner Kirche ein sichtbares Oberhaupt gegeben?

Christus hat seiner Kirche ein sichtbares Oberhaupt gegeben, weil sie eine sichtbare Gemeinschaft ist und daher ein sichtbares Oberhaupt haben muß.

234. Sollte nach dem Tode des hl. Petrus das Amt eines Kirchenoberhauptes aufhören?

Nein, denn

1) war ein sichtbares Oberhaupt notwendig, als die Kirche noch klein war und keine oder nur weinige Irrlehren bestanden, so war dasselbe um so mehr notwendig, als die Kirche sich ausbreitete und Irrlehren und Spaltungen sich mehrten;

2) sollte die Kirche immer fortbestehen, wie Christus sie gestiftet, so mußte auch der Fels fortbestehen, worauf er sie gebaut, d. h. das Oberhirtenamt, welches er zu ihrer Regierung angeordnet hatte.

235. Wer ist seit dem Tode des hl. Petrus das sichtbare Oberhaupt der Kirche?

Das sichtbare Oberhaupt der Kirche ist seit dem Tode des hl. Petrus der Heilige Vater, der Papst, weil er der rechtmäßige Nachfolger des hl. Petrus auf dem bischöflichen Stuhle zu Rom ist.

Sowohl die einzelnen Kirchenväter als die Kirchenversammlungen aller Jahrhunderte haben in den römischen Päpsten den Vorrang und die Obergewalt des hl. Petrus einhellig und auf das entschiedenste mit Wort und Tat anerkannt. Auf "die Verhandlungen der allgemeinen Konzilien und die kirchlichen Satzungen" berief sich die allgemeine Kirchenversammlung von Florenz (1438), als sie erklärte, "der römische Bischof (der Papst) besitze den Vorrang (Primat) über den ganzen Erdkreis, derselbe sei der Nachfolger des Apostelfürsten Petrus, der wahre Statthalter Christi, das Haupt der ganzen Kirche, der Vater und Lehrer aller Christen, und ihm sei in der Person des hl. Petrus von unserm Herrn Jesus Christus die volle Gewalt übertragen worden, die ganze Kirche zu weiden, zu leiten und zu regieren." - Nie ist eine allgemeine Kirchenversammlung gehalten worden, ohne daß der Papst oder dessen Abgeordnete dabei den Vorsitz hatten, und nie hat eine kirchliche Entscheidung allgemeine Geltung gefunden, bevor sie vom Papste bestätigt war, und wer je sich weigerte, den Papst als das Oberhaupt der Kirche anzuerkennen, der ward zu jeder Zeit von allen Rechtgläubigen für einen Abtrünnigen gehalten.

Im Verlaufe der Zeit gelangte durch Gottes Fügung der Nachfolger des hl. Petrus auch zum Besitze einer weltlichen Herrschaft, des Kirchenstaates, damit er in der Ausübung seiner geistlichen Macht um so freier sei und von keiner menschlichen Gunst oder Gewalt, sondern von Gott allein abhange. Mit höchstem Unrecht wurde er im Jahre 1870 dieses Besitzes beraubt.


2. Rangordnung der übrigen Glieder der Kirche.

236. Wer sollte dem hl. Petrus in der Regierung der Kirche beistehen?

Die übrigen Apostel sollten dem hl. Petrus in der Regierung der Kirche beistehen; auch zu ihnen hat Christus gesagt: "Alles, was ihr auf Erden binden werdet, wird auch im Himmel gebunden sein; und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, wird auch im Himmel gelöset sein." (Matth. 18, 18.)

237. Warum mußte auch das Amt der übrigen Apostel fortbestehen?

Das Amt der übrigen Apostel mußte fortbestehen, weil es um so notwendiger war, je mehr die Kirche an Ausdehnung zunahm.

Als Christus die Apostel aussandte, ihr Amt anzutreten, fügte er das bedeutsame Wort bei: "Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt." Dadurch gab er deutlich zu verstehen, daß dieses Amt bis zum Ende der Welt fortbestehen sollte.

238. Welches sind die Nachfolger der übrigen Apostel?

Die Nachfolger der übrigen Apostel sind die Bischöfe, welche rechtmäßig geweiht sind und mit dem Papste in Verbindung stehen, d.h. die Bischöfe der katholischen Kirche.

Ein Bischof, der nicht mit dem Papste in Verbindung steht, kann kein Nachfolger der Apostel sein, weil jeder, der sich vom Haupte der Kirche trennt, nicht einmal ein Glied der Kirche sein, geschweige denn an der Regierung der Kirche teilnehmen kann.

239. Sollen also auch die Bischöfe die Kirche regieren?

Ja, auch die Bischöfe sollen die Kirche regieren, jedoch mit und unter dem Papste.

"Habet acht auf euch und auf die ganze Herde, worin euch der Heilige Geist zu Bischöfen gesetzt hat, die Kirche Gottes zu regieren." (Apostelgesch. 20, 28.)

240. In welcher Weise nehmen die Bischöfe teil an der Regierung der Kirche?

Die Bischöfe nehmen teil an der Regierung der Kirche,

1) indem jeder Bischof das ihm vom Papst angewiesene Bistum verwaltet;

2) indem sie sich zuweilen versammeln, um über das allgemeine Wohl der Kirche zu beraten und gemeinschaftlich mit dem Papste Anordnungen zu treffen.

Eine Reihe hervorragender Bischöfe sowie auch anderer ausgezeichneter Männer sind bestimmt, dem Heiligen Vater in der Regierung der Gesamtkirche besondere Dienste zu leisten; sie heißen Kardinäle und leben größtenteils in der unmittelbaren Nähe des Papstes.

Durch kirchliche Anordnung entstanden im Laufe der Zeit gewisse Rangunterschiede unter den Bischöfen. Die höchsten heißen Patriarchen; der oberste Bischof eines Reiches heißt Primas; an der Spitze einer Kirchenprovinz steht ein Erzbischof; die ihm untergebenen Bischöfe heißen Suffragane; ein Weihbischof ist ein Hilfsbischof, namentlich für die Spendung der Firmung und der hl. Weihen.

241. Welches sind die Gehilfen der Bischöfe?

Die Gehilfen der Bischöfe sind die Priester oder Seelsorger.

242. Darf ein Priester ohne weiteres Seelsorge ausüben?

Ein Priester darf die Seelsorge nur dann ausüben, wenn er von seinem rechtmäßigen Bischofe eigens dazu gesandt oder bevollmächtigt ist.

"Wahrlich, wahrlich, sage ich euch, wer nicht zur Türe in den Schafstall eingeht, sondern anderswo hineinsteigt, der ist ein Dieb und ein Mörder." (Joh. 10, 1.)

Der Priester hat seine Gewalt nicht von der Gemeinde, sondern vom Bischofe und durch diesen von Christus; er ist "Gesandter an Christi Statt, indem Gott gleichsam durch ihn ermahnt". (2. Kor. 5, 20.)

243. Worin besteht also die Einrichtung, die Christus seiner Kirche gegeben hat?

Die Einrichtung, die Christus seiner Kirche gegeben hat, besteht darin, daß die Gläubigen den Priestern, die Priester den Bischöfen und die Bischöfe dem Papste untergeordnet sind.

Christus hat also nicht allen Gliedern der Kirche gleiches Recht und gleiche Gewalt erteilt, sondern einem jeden Gliede am Leibe der Kirche seine Stelle angewiesen, "wie es ihm wohlgefiel;… er selbst hat einige zu Aposteln, einige zu Propheten, einige aber zu Hirten und Lehrern verordnet… Sind etwa alle Apostel, alle Propheten, alle Lehrmeister?" (1. Kor. 12, 18. 29; Eph. 4, 11. 12.) Darum vergleicht der hl. Klemens, Schüler und Nachfolger des hl. Petrus (91 - 100), die Kirche mit einem Kriegsheere, in welchem die Gemeinen den Hauptleuten, die Hauptleute den Obersten und diese dem Feldherrn untergeordnet sind. - Diese kirchliche Rangordnung heißt Hierarchie.

Da nur die Apostel und ihre Nachfolger, nicht aber die weltlichen Regierungen von Christus mit der Leitung der Kirche beauftragt wurden, so hat keine weltliche Macht das Recht, die Kirche zu regieren; die Kirche ist vom Staate durchaus unabhängig.

Nutzanwendung: Hege immer große Ehrfurcht und Unterwürfigkeit gegen den Heiligen Vater, den Papst, und die mit ihm vereinigten Bischöfe und Priester. Zu ihnen ist gesagt: "Wer euch hört, der hört mich, und wer euch verachtet, der verachtet mich." (Luk. 10, 16.)


§ 2. Kennzeichen der Kirche

244. Hat Christus eine oder mehrere Kirchen gestiftet?

Christus hat nur eine Kirche gestiftet, wie er auch nur einen Glauben gelehrt und ein Oberhaupt eingesetzt hat.

Christus sprach: "Auf diesen Felsen will ich meine Kirche (nicht: Kirchen) bauen." (Matth. 16, 18.)

245. Kann man diese eine von Christus gestiftete Kirche auch erkennen?

Man kann diese eine von Christus gestiftete Kirche leicht erkennen; denn Christus hat eine sichtbare Kirche gestiftet und ihr bestimmte Kennzeichen gegeben.

Christus vergleicht seine Kirche mit einer Stadt, die auf dem Berge liegt und daher leicht gesehen werden kann. Wenn die Kirche nicht sichtbar wäre, wie könnte man dann die Mahnung Christi befolgen: "Hat dein Bruder wider dich gesündigt,… so sage es der Kirche; wenn er aber die Kirche nicht hört, so sei er dir wie ein Heide und öffentlicher Sünder." (Matth. 18, 15. 17.)

246. Worin ist die Kirche Christi sichtbar?

Die Kirche Christi ist sichtbar

1) in ihren Vorstehern und Gliedern;

2) in der Verkündigung und dem Bekenntnisse ihrer Lehre;

3) in ihrem Opfer und der Ausspendung der Sakramente.

Unsichtbar an der Kirche ist das innere Gnadenleben, welches zu den genannten sichtbaren Stücken sich verhält wie die Seele zum Leibe; deshalb heißt es auch die Seele der Kirche.

247. Welches sind die Kennzeichen der wahren Kirche Christi?

Die wahre Kirche Christi ist 1) einig, 2) heilig, 3) katholisch und 4) apostolisch.

248. Warum muß die wahre Kirche Christi einig, heilig, katholisch und apostolisch sein?

Die wahre Kirche Christi muß

1) einig sein, weil kein Reich bestehen kann, das wider sich selbst uneins ist;

2) heilig, weil ihr Zweck die Heiligung der Menschen ist;

3) katholisch oder allgemein, weil Christus seine Kirche für alle Völker und alle Zeiten gestiftet hat;

4) apostolisch, weil sie von Christus auf die Apostel gegründet ist und nur durch deren rechtmäßige Nachfolger fortdauern kann.

1) Christus sprach: "Jedes Reich, das wider sich selbst uneins ist, wird verwüstet werden, und ein Haus wird über das andere fallen." (Luk. 11, 17.)

2) "Heilige sie in der Wahrheit." (Joh. 17, 17.) "Das ist der Wille Gottes, eure Heiligung." (1. Thess. 4, 3.)

3) "Gehet hin und lehret alle Völker… und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt." (Matth. 28, 19. 20.)

4) "Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch." (Joh. 20, 21. Vgl. Matth. 16, 18; Eph. 2, 20.)

249. Welche Kirche hat diese vier Kennzeichen?

Diese vier Kennzeichen hat offenbar nur die römisch-katholische Kirche, d.h. jene, die den Papst zu Rom als ihr Oberhaupt anerkennt.

250. Ist die römisch-katholische Kirche einig?

Die römisch-katholische Kirche ist einig, weil sie allezeit und überall

1) denselben Glauben

2) dasselbe Opfer und dieselben Sakramente,

3) ein gemeinsames Oberhaupt hat.

Meinungsverschiedenheiten in Fragen, welche die Kirche nicht entschieden hat, sowie gewisse vom Papste geduldete Verschiedenheiten in den kirchlichen Gebräuchen tun der Einigkeit der Kirche keinen Eintrag.

251. Ist die römisch-katholische Kirche heilig?

Die römisch-katholische Kirche ist heilig,

1) weil ihre Lehre heilig ist;

2) weil sie alle Heiligungsmittel treu bewahrt und ausspendet;

3) weil es in ihr allezeit Heilige gegeben hat, deren Heiligkeit auch durch Wunder von Gott bestätigt wurde.

Insbesondere hat Gott auch solche Heilige durch Wunder bestätigt, welche die katholische Lehre gegen die sog. Reformatoren mit aller Kraft verteidigten, z.B. den hl. Franz von Sales, den hl. Fidelis von Sigmaringen, den sel. Petrus Canisius. Darin liegt eine direkte göttliche Bestätigung der katholischen Lehre selbst.

Mißbräuche und Gebrechen einzelner Glieder können der Kirche selbst nicht zugeschrieben werden, weil sie nicht aus ihrer Lehre oder Einrichtung entstanden und niemals von ihr gebilligt worden sind. Solche Mißbräuche und Ärgernisse sind kein Zeichen, daß die katholische Kirche aufgehört hat, die wahre Kirche Christi zu sein. Verglich ja Christus selbst seine Kirche mit einem Acker, worauf Weizen und Unkraut wächst, und mit einem Netze, das gute und schlechte Fische enthält.

252. Ist die römische Kirche katholisch oder allgemein?

Die römische Kirche ist katholisch oder allgemein,

1) weil sie von Christus an durch alle Zeiten fortbestanden hat;

2) weil sie sich über alle Erdteile ausgebreitet hat und noch immer weiter ausbreitet.

Deshalb wurde die römische Kirche allezeit die katholische genannt, sogar von den Abtrünnigen und Ungläubigen, wie schon der hl. Augustin bezeugt; und bis auf den heutigen Tag heißt sie in aller Welt die katholische Kirche. - Sie zählt allein so viele Mitglieder als alle andern Religionsgesellschaften, die sich christlich nennen, zusammen. (Vgl. Schmitz, Kleine Apologetik § 43, 3.)

253. Ist die römisch-katholische Kirche apostolisch?

Die römisch-katholische Kirche ist apostolisch,

1) weil sie bis auf die Apostel zurückreicht;

2) weil ihre Lehre die Lehre der Apostel ist;

3) weil ihre Vorsteher, Papst und Bischöfe, rechtmäßige Nachfolger der Apostel sind.

Von allen Kennzeichen der Kirche ist das starkste und handgreiflichste die ununterbrochene Reihe der Päpste, die in rechtmäßiger Nachfolge bis auf den hl. Petrus zurückreichen; denn wo das Haupt ist, da muß auch jederzeit der übrige Körper sein, wo der Fels ist, da muß auch die darauf gebaute Kirche sein.

254. Haben aber die nichtkatholischen Religionsgesellschaften nicht auch diese vier Kennzeichen:

1) keine ist einig; denn sie haben kein gemeinsames Oberhaupt und sind in ihrer Lehre uneins;

2) keine ist heilig; denn sie haben keine durch Wunder bestätigten Heiligen aufzuweisen;

3) keine ist katholisch; denn keine hat von Christus an alle Zeit hindurch bestanden, und keine kann sich in Bezug auf die Verbreitung mit der katholischen Kirche vergleichen;

4) keine ist apostolisch; denn keine hat rechtmäßige Nachfolger der Apostel zu Vorstehern.

255. Wenn nun keine andere als die römisch-katholische Kirche die Kennzeichen der einen Kirche Christi hat, was folgt daraus?

Es folgt daraus, daß die römisch-katholische Kirche allein die wahre, von Christus gestiftete Kirche ist.

Nutzanwendung: Danke Gott aus ganzem Herzen, daß du ein Kind der katholischen Kirche bist, und bete oft für die Bekehrung der Irr- und Ungläubigen.


§ 3. Bestimmung der Kirche.

256. Wozu hat Christus die Kirche gestiftet?

Christus hat die Kirche gestiftet, um durch sie alle Menschen zur ewigen Seligkeit zu führen.

257. Was hat Christus getan, damit die Kirche alle Menschen zur ewigen Seligkeit führen könne?

Christus hat seiner Kirche

1) das Lehramt, Priesteramt und Kirchenamt übertragen;

2) den Beistand des Heiligen Geistes verliehen, damit sie dieses dreifache Amt zum Heile der Menschen verwaltet.

"Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie alles halten, was ich euch befohlen habe; und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt." (Matth. 28, 18 - 20.)


1. Das Lehramt der Kirche.

258. Wozu hat Christus das Lehramt eingesetzt?

Christus hat das Lehramt eingesetzt, damit die göttliche Wahrheit durch dasselbe treu bewahrt und aller Welt verkündigt werde.

Unter "Lehramt" versteht man bald das Amt, zu lehren, bald die Personen, welche mit diesem Amte betraut sind. Letztern Sinn hat es in den folgenden Fragen.

259. Wer bildet das Lehramt in der Kirche?

Das Lehramt in der Kirche bildet der römische Papst mit den Bischöfen.

Papst und Bischöfe heißen deshalb auch die lehrende Kirche, während die übrigen Gläubigen die hörende Kirche heißen.

260. Welche Gabe besitzt das kirchliche Lehramt?

Das kirchliche Lehramt besitzt die Gabe der Unfehlbarkeit, d.h. es kann in der Glaubens- und Sittenlehre nicht irren.

Die Gabe der Unfehlbarkeit besitzt das kirchliche Lehramt in seiner Gesamtheit, nicht aber jeder einzelne Bischof. Ein einzelner Bischof kann in Irrtum geraten, wenn er sich mit der Gesamtheit des kirchlichen Lehramtes in Widerspruch setzt. (Macedonius, Nestorius.)

261. Wer hat dem kirchlichen Lehramte die Unfehlbarkeit zugesichert?

Christus selbst hat dem kirchlichen Lehramte die Unfehlbarkeit zugesichert durch die dreifache Verheißung.

1) daß er bei ihm sein werde alle Tage bis ans Ende der Welt;

2) daß der Geist der Wahrheit bei demselben bleiben werde in Ewigkeit;

3) daß die Pforten der Hölle die Kirche niemals überwältigen werden.

1) "Gehet hin und lehret alle Völker…; und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt." (Matth. 28, 19. 20.)

2) "Ich will den Vater bitten, und er wird euch einen andern Tröster geben, damit er in Ewigkeit bei euch bleibe, den Geist der Wahrheit." (Joh. 14, 16. 17.)

3) "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen." (Matth. 16, 18.)

Könnte es je geschehen, daß die lehrende Kirche irrte, so müßte auch die hörende irren, da diese schuldig ist, sich von jener belehren zu lassen, und dann wäre gegen die Verheißung Christi die ganze Kirche vom Geiste der Lüge oder von der Hölle besiegt.

Wenn daher unsere Glaubensgegner sagen, die gesamte katholische Kirche sei im Laufe der Zeit im Irrtum verfallen, so widersprechen sie 1) den klaren Verheißungen Christi, sie widersprechen 2) aber auch dem fortdauernden Zeugnisse Gottes, der sowohl nach wie vor der sog. Reformation nicht aufgehört hat, die Kirche und besonders ihre Glaubensboten durch zahllose Wunder zu verherrlichen und so ihre Lehre zu bestätigen; sie widersprechen 3) allen heiligen Kirchvätern, die ganz dasselbe lehrten, was die katholische Kirche lehrt; sie widersprechen endlich 4) sich selbst, da sie untereinander darüber uneins sind, was eigentlich Lehre Christi sei.

262. Was müssen wir demnach tun, wenn in Sachen der Glaubens- und Sittenlehre Streitigkeiten entstehen?

Wir müssen uns an die Entscheidung des kirchlichen Lehramtes halten.

"Christus selbst hat einige zu Hirten und Lehrern verordnet…, damit wir nicht mehr Kinder seien, die (wie Meereswellen) hin- und herfluten und von jedem Winde der Lehre hin- und hergetrieben werden." (Ephes. 4, 11. 14.)

263. Welchen Quellen entnimmt das kirchliche Lehramt seine Entscheidungen?

Das kirchliche Lehramt entnimmt seine Entscheidungen der Heiligen Schrift und der Überlieferung.

264. Lehrt also die Kirche nichts Neues, wenn sie bei entstandenen Streitigkeiten entscheidet, was zu glauben sei?

Die Kirche lehrt im Grunde nie etwas Neues, sondern sie erklärt und verteidigt nur die alte, von Christus und den Aposteln überkommene Lehre.

Die kirchlichen Lehrentscheidungen sind nur insofern neu, als angezweifelte Punkte dadurch festgestellt oder dunkle erklärt oder auch Schlußfolgerungen aus den geoffenbarten Wahrheiten gezogen werden.

265. Wer gibt solche kirchliche Lehrentscheidungen?

Kirchliche Lehrentscheidungen gibt entweder das Oberhaupt der Kirche, der Papst, oder eine vom Papste bestätigte allgemeine Kirchenversammlung (Konzil).

266. Wann ist der Papst unfehlbar?

Der Papst ist unfehlbar, wenn er als oberster Hirt und Lehrer der Kirche in Sachen der Glaubens- und Sittenlehre eine Entscheidung gibt, die für die ganze Kirche bestimmt ist.

Die lehramtliche Unfehlbarkeit des Papstes wurde auf dem Vatikanischen Konzil im Jahre 1870 feierlich als Glaubenssatz erklärt. Die Unfehlbarkeit des Papstes sowie des kirchlichen Lehramtes überhaupt erstreckt sich auch auf alles, was mit der Glaubens- und Sittenlehre in notwendigem Zusammenhange steht, z.B. auf die Heiligsprechungen, auf die Gutheißung religiöser Orden oder kirchlicher Gebräuche.

267. Warum ist der Papst bei diesen Entscheidungen unfehlbar?

Der Papst ist bei diesen Entscheidungen unfehlbar,

1) weil Christus den Papst als den Nachfolger des heiligen Petrus zur Grundfeste seiner Kirche gemacht hat (Matth. 16, 18; Fr. 230);

2) weil er ihn zum Lehrer und Hirten der ganzen Kirche aufgestellt hat (Joh. 21, 15 - 17);

3) weil er ihm die Verheißungen gegeben hat, sein Glaube werde nicht wanken, und den Auftrag, seine Brüder im Glauben zu stärken.

"Ich habe für dich gebetet, daß dein Glaube nicht wanke, und du hinwiederum stärke deine Brüder." (Luk. 22, 32.)


2. Das Priester- und das Hirtenamt der Kirche.

268. Wozu hat Christus das Priesteramt eingesetzt?

Christus hat das Priesteramt eingesetzt, damit den Menschen die Gnaden der Erlösung durch dasselbe zugewendet werden.

Der Heilige Geist gibt den Menschen zwar auch manche Gnaden unmittelbar, aber viele will er nur durch die Vermittlung des katholischen Priestertums spenden, ähnlich wie der für die Mitteilung der Glaubenslehren die Menschen an das kirchliche Lehramt gewiesen hat, obschon er auch unmittelbar die Herzen erleuchtet und belehrt. Dasselbe gilt in bezug auf das Hirtenamt.

269. Wie übt die Kirche das Priesteramt aus?

Die Kirche übt das Priesteramt aus durch Darbringung des heil. Meßopfers und Spendung der heil. Sakramente, sowie durch Gebet und Segnung.

270. Wozu hat Christus das Hirtenamt eingesetzt?

Christus hat das Hirtenamt eingesetzt, damit die Gläubigen durch dasselbe regiert und auf dem Wege des Heiles geführt werden.

271. Wie übt die Kirche das Hirtenamt aus?

Die Kirche übt das Hirtenamt aus,

1) indem sie Gebote gibt, über deren Beobachtung wacht und die Übertreter straft;

2) indem sie durch Ermahnung, Warnung und andere Mittel der Liebe vom Bösen abhält und zum Guten antreibt.

Aus dem, was über die Bestimmung der Kirche gesagt wurde, folgt notwendig, daß die katholische Kirche die alleinseligmachende ist.


3. Die katholische Kirche, die alleinseligmachende.

272. Warum ist die katholische Kirche die alleinseligmachende?

Die katholische Kirche ist die alleinseligmachende, weil sie allein von Christus die Vollmacht und die Mittel erhalten hat, die Menschen zur Seligkeit zu führen.

Der heil. Paulus nennt die Kirche den Leib Christi und Christus das Haupt dieses Leibes (Kol. 1, 18). Das Leben des Hauptes kann sich aber nur dem mitteilen, der ein Glied des Leibes ist. Darum hat schon im Jahre 412 auf dem Konzil von Zirta der heilige Augustin mit den übrigen Bischöfen Afrikas den Ausspruch getan: "Wer immer von der katholischen Kirche getrennt ist, der wird eben deshalb, weil er damit auch von der Einheit Christi getrennt ist, wenn er auch noch so löblich zu leben vermeint, das Leben nicht haben, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm." - Ein Vorbild der alleinseligmachenden Kirche war die Arche Noes.

273. Was müssen wir also tun, wenn wir selig werden wollen?

Wenn wir selig werden wollen, müssen wir allezeit gehorsame Kinder der katholischen Kirche sein, d.h. wir müssen ihre Lehren glauben, ihre Gebote beobachten und ihre Gnadenmittel gebrauchen.

"Wenn jemand die Kirche nicht hört, so sei er dir wie ein Heide und öffentlicher Sünder." (Matth. 18, 17.) Dies gilt ganz besonders von jenen Katholiken, die nur noch dem Namen nach zur Kirche gehören, während ihr ganzes Verhalten mit den Lehren und Vorschriften der Kirche im Widerspruche steht.

274. Was ist von denjenigen zu halten, welche außerhalb der katholischen Kirche stehen?

Diejenigen, welche ohne ihre Schuld außerhalb der katholischen Kirche stehen, dabei aufrichtig die Wahrheit suchen und nach bestem Wissen die Gebote Gottes halten, gehören zwar nicht äußerlich, wohl aber innerlich zur Kirche und können daher selig werden.

Der Satz: "Außer der Kirche kein Heil" bezieht sich also bloß auf diejenigen, welche äußerlich und innerlich von der Kirche getrennt sind. Doch entbehren auch die schuldlos Irrenden der Reinheit, Vollständigkeit und Sicherheit der Lehre und großenteils auch der wichtigsten Heilsmittel, z.B. des hl. Meßopfers, des hlst. Altarssakramentes, der priesterlichen Lossprechung, der heiligen Sterbesakramente.

275. Welche gehören nicht zur katholischen Kirche?

Es gehören nicht zur katholischen Kirche

1) die Ungetauften, wie Juden, Mohammedaner und Heiden;

2) die getauften Irr- und Ungläubigen, welche wissentlich verwerfen, was die Kirche lehrt;

3) die Getrennten oder Schismatiker, die zwar glauben, aber sich vom Oberhaupte der Kirche, dem Papste, losgesagt haben;

4) die Exkommunizierten, welche die Kirche zur Strafe aus ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen hat. (Kirchenbann.)

Die Sünder in der Kirche gehören zwar zur Kirche, sind aber wie tote Glieder am Leibe.

Nutzanwendung: Wir nennen die katholische Kirche unsere Mutter, und zwar mit Recht; denn 1) hat sie uns in der Taufe geistigerweise wiedergeboren und zu Kindern Gottes gemacht, 2) nährt sie uns mit dem göttlichen Worte und dem Brote der Engel, 3) erzieht sie uns in der Furcht des Herrn und 4) steht sie uns, solange wir leben, und selbst nach dem Tode mit Trost und Hilfe liebevoll bei. Ehre und liebe also auch die Kirche wie deine Mutter; höre fleißig ihren Unterricht an und unterwirf dich demütig allen ihren Gesetzen und Anordnungen; denn "derjenige kann Gott nicht zum Vater haben, der die Kirche nicht zur Mutter hat". (Hl. Cyprian, Bisch. u. Märt. + 258.)


§ 4. "Gemeinschaft der Heiligen".

276. Was versteht man unter "Gemeinschaft der Heiligen"?

Unter "Gemeinschaft der Heiligen" versteht man die geistige Vereinigung der Christgläubigen auf Erden, der armen Seelen im Fegfeuer und der Seligen im Himmel. (Streitende, leidende und triumphierende Kirche.)

277. Worin besteht diese geistige Vereinigung?

Diese geistige Vereinigung besteht darin, daß alle gleichsam Glieder eines Leibes sind, von welchem Christus das Haupt ist, und das deswegen an den geistlichen Gütern des einen Gliedes auch die andern teilnehmen.

"Gleichwie wir an einem Leibe viele Glieder haben, so sind wir viele ein Leib in Christus, einzeln aber untereinander Glieder." (Röm. 12, 4. 5.) "Er (Christus) ist das Haupt des Leibes, nämlich der Kirche." (Kol. 1, 18.)

278. Löst aber der Tod nicht alle Verbindung zwischen Lebenden und Verstorbenen auf?

Nein; die Verstorbenen bleiben ebensowohl mit uns verbunden, wie sie mit Christus, unserm gemeinsamen Haupte, verbunden bleiben.

279. Warum werden die Glieder dieser Gemeinschaft Heilige genannt?

Die Glieder dieser Gemeinschaft werden Heilige genannt, weil alle durch die Taufe geheiligt, zur vollendeten Heiligkeit berufen und viele von ihnen schon zu dieser Heiligkeit gelangt sind.

Durch die Taufe werden wir in mehrfacher Hinsicht geheiligt: wir empfangen durch dieselbe die heiligmachende Gnade, werden in besonderer Weise der heiligsten Dreifaltigkeit geweiht und Christus, unserem Haupte, einverleibt.

280. Worin zeigt sich unsere Gemeinschaft mit den Heiligen im Himmel?

Wir verehren die Heiligen und rufen sie an; sie aber helfen uns durch ihre mächtige Fürbitte bei Gott. (Allerheiligen-Fest.)

281. Worin zeigt sich unsere Gemeinschaft mit den Seelen im Fegfeuer?

Wir kommen den Seelen im Fegfeuer zu Hilfe durch Gebet, Almosen und andere gute Werke, besonders durch das heilige Meßopfer. (Allerseelen-Tag.)

282. Worin zeigt sich die Gemeinschaft der Christgläubigen auf Erden untereinander?

Die Christgläubigen auf Erden haben Anteil an allen Meßopfern, Gebeten, und anderen guten Werken der ganzen katholischen Kirche, besonders wenn sie im Stande der Gnade sind.

283. Haben jene Gläubigen, welche nicht im Stande der Gnade sind, auch Anteil an diesen Gütern?

Jene Gläubigen, welche nicht im Stande der Gnade sind, gehen zwar als tote Glieder der meisten geistlichen Güter verlustig; doch haben sie wegen ihrer Verbindung mit der Kirche noch immer manche Mittel und Gnaden zu ihrer Bekehrung.

Nutzanwendung: Bete täglich für deine Mitchristen, die entweder auf Erden streiten oder im Reinigungsorte büßen, und empfiehl dich jeden Morgen und Abend dem Schutze der Heiligen im Himmel. - Vor allem befleiße dich eines heiligen Wandels; denn wir sind "Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes". (Eph. 2, 19.)





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