Katholischer Katechismus  


Erster Glaubensartikel.

"Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erde."


§ 1. Von Gott und seinen Eigenschaften.

1. Wesen Gottes.

49. Was ist Gott?

Gott ist der unendlich vollkommene Geist, der Herr des Himmels und der Erde, von dem alles Gute kommt.

"Gott ist ein Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geiste und in der Wahrheit anbeten." (Joh. 4, 24.)

50. Warum nennen wir Gott einen Geist?

Wir nennen Gott einen Geist, weil er Verstand und freien Willen, aber keinen Leib hat.

Ein Geist ist ein einfaches Wesen, das seine Teile hat wie die körperlichen Dinge, und dessen Tätigkeit hauptsächlich im Erkennen und Wollen besteht.

Die Heilige Schrift redet von Gottes Augen, Ohren, Händen usw., um uns Gottes Eigenschaften verständlich zu machen.


51. Warum nennen wir Gott unendlich vollkommen?

Wir nennen Gott unendlich vollkommen, weil er alle guten Eigenschaften im höchsten Grade besitzt.

Gott übertrifft nicht nur alle Geschöpfe an Vollkommenheit, sondern seine Vollkommenheit ist so groß, daß eine größere gar nicht gedacht werden kann. - Hieraus folgt auch, daß es nur einen Gott geben kann; denn eine solche Vollkommenheit schließt offenbar ein, daß Gott als höchster Herr über allem andern steht, was außer ihm da ist. Es kann aber selbstverständlich nur einen höchsten Herrn geben, der über allem andern steht.


2. Eigenschaften Gottes.

52. Welche Eigenschaften Gottes sollen wir uns vorzüglich merken?

Gott ist ewig und unveränderlich, allgegenwärtig und allwissend, allweise und allmächtig; er ist unendlich heilig und gerecht, unendlich gütig, barmherzig und langmütig, unendlich wahrhaft und getreu.

53. Was heißt: Gott ist ewig?

Gott ist ewig heißt: Gott ist immer, ohne Anfang und ohne Ende.

"Ehedenn die Berge wurden und gebildet ward die Erde und ihr Umkreis, bist du, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit." (Ps. 89, 2.)

54. Was heißt; Gott ist unveränderlich?

Gott ist unveränderlich heißt: Gott bleibt ewig derselbe, ohne jemals sich oder seine Ratschlüsse zu ändern.

"Bei Gott ist kein Wechsel und kein Schatten von Veränderlichkeit." (Jak. 1, 17.) - Zwar heißt es (1. Mos. 6, 6.) von Gott, daß es ihn reute, die Menschen geschaffen zu haben; dadurch soll aber nur ausgedrückt werden, daß die Menschen in Gottes Augen unwürdig geworden waren, länger zu leben.

55. Wozu soll uns der Gedanke an Gottes Ewigkeit und Unveränderlichkeit antreiben?

Der Gedanke an Gottes Ewigkeit und Unveränderlichkeit soll uns antreiben, daß wir das Vergängliche nicht unordentlich suchen, sondern von ganzem Herzen nach dem Ewigen trachten.

"Die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit." (1. Joh. 2, 17.)

56. Was heißt: Gott ist allgegenwärtig?

Gott ist allgegenwärtig heißt: Gott ist überall, im Himmel, auf Erden und an allen Orten.

"Gott ist nicht fern von jedem aus uns; denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir." (Apostelgesch. 17, 27. 28.)

Im Himmel, im heiligsten Altarssakramente und in der Seele des Gerechten ist Gott noch auf eine ganz besondere Weise, nämlich nicht bloß mit seinem Wesen und seiner Kraft, sondern auch mit seiner besondern Huld und Gnade.


57. Was heißt: Gott ist allwissend?

Gott ist allwissend heißt: Gott weiß alles vollkommen und von Ewigkeit her; er weiß das Vergangene, das Gegenwärtige und das Zukünftige, auch unsere geheimsten Gedanken.

Gott braucht nicht nachzudenken oder zu forschen; mit einem Blicke schaut und durchschaut er alles, nicht bloß was wirklich ist, war oder sein wird, sondern auch was sein kann oder unter bestimmten Bedingungen sein würde.

"Gottes Augen sind viel heller als die Sonne und durchschauen die tiefsten Abgründe in den Herzen der Menschen." (Sir. 25, 28.)

58. Wozu soll uns der Gedanke an Gottes Allgegenwart und Allwissenheit antreiben?

Der Gedanke an Gottes Allgegenwart und Allwissenheit soll uns antreiben,

1) überall, auch im Verborgenen, das Böse zu meiden und das Gute zu tun;

2) in keiner Not und Gefahr zu versagen.

1) Ich will lieber ohne die Tat in eure Hände fallen, als sündigen vor dem Angesichte des Herrn." (Dan. 13, 23.)

2) "Wenn ich auch wandle mitten im Todesschatten, so will ich nichts Übles fürchten, weil du (o Herr) bei mir bist." (Ps. 22, 4.)

59. Was heißt: Gott ist allweise?

Gott ist allweise heißt: Gott weiß alles auf das beste einzurichten, um seine Ratschlüsse auszuführen.

"Wie groß sind deine Werke, o Herr! Alles hast du mit Weisheit gemacht." (P. 103, 24) - Beisp.: Der Knabe Moses gerettet, Joseph erhöht, Aman gestürzt.

Selbst in den unscheinbarsten Geschöpfen Gottes zeigt sich eine solche Fülle von Weisheit, daß man um so mehr darüber staunt, je genauer man sie erforscht.

60. Was heißt: Gott ist allmächtig?

Gott ist allmächtig heißt: Gott kann alles, was er will, und er braucht nur zu wollen, um es zu vollbringen.

"Bei Gott ist kein Ding unmöglich." (Luk. 1, 37.) "Alles, was er will, macht der Herr im Himmel, auf erden, im Meere und in allen Tiefen." (Ps. 134, 6.) - Beisp.: die Schöpfung, die wunder in Ägypten und in der Wüste.

Nur das Vernunftwidrige und das Böse kann Gott weder wollen noch vollbringen.

61. Wozu soll uns der Gedanke an Gottes Weisheit und Allmacht antreiben?

Der Gedanke an Gottes Weisheit und Allmacht soll uns antreiben,

1) unser ganzes Vertrauen auf Gott zu setzen;

2) mit seinen Fügungen allezeit zufrieden zu sein.

1) "Vertrauet nicht auf Menschenkinder, die nicht helfen können. Glückselig, wer seine Hoffnung auf Gott den Herrn setzt." (Ps. 145, 2 5.) - Beisp.: Gedeon

2) "Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's recht machen." (Ps. 36, 5.) - Beisp.: Job, Tobias.

62. Was heißt: Gott ist heilig?

Gott ist heilig heißt: Gott liebt und will nur das Gute und verabscheut das Böse.

"Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott der Heerscharen." (Js. 6, 3.)

Weil Gott unendlich heilig ist, darum hat er auch vor der kleinsten Sünde einen unaussprechlichen Abscheu.

63. Was heißt: Gott ist gerecht?

Gott ist gerecht heißt: Gott belohnt das Gute und bestraft das Böse nach Verdienst.

"Er wird jedem vergelten nach seinen Werken…; denn bei Gott ist kein Ansehen der Person." (Röm. 2, 6. 11.)

Beisp.: Die Welt gezüchtigt durch die Sintflut, Noe gerettet; Sodoma und Gomorrha zerstört durch das Feuer vom Himmel, Lot verschont.

Die vollkommene Vergeltung findet erst in der Ewigkeit statt; hier müssen wir an die Gerechtigkeit Gottes glauben, dort werden wir sie sehen und erfahren. Gleichwohl ist auch schon in diesem Leben kein Gottloser wahrhaft glücklich und kein Gerechter wahrhaft unglücklich.

64. Wozu soll der Gedanke an Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit uns antreiben?

Der Gedanke an Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit soll uns antreiben, daß wir

1) uns bestreben, immer heiliger zu werden;

2) uns fürchten, Gott zu beleidigen.

1) "Ich bin der Herr, euer Gott; seid heilig, weil ich heilig bin." (3. Mos. 11, 44.)

2) "Fürchtet euch nicht vor denen, welche den Leib töten, aber die Seele nicht töten können; sondern fürchtet vielmehr denjenigen, der Leib und Seele ins Verderben der Hölle stürzen kann." (Matth. 10, 28.)

65. Was heißt: Gott ist gütig?

Gott ist gütig heißt: Gott ist voll Liebe gegen die Geschöpfe und erweist ihnen zahllose Wohltaten.

"Gott ist die Liebe." (1. Joh. 4, 8.) "So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn hingab, damit alle die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben." (Joh. 3, 16.)

Gott würde uns noch unvergleichlich mehr Wohltaten spenden, wenn wir die empfangenen weniger mißbrauchten.

66. Was heißt: Gott ist barmherzig?

Gott ist barmherzig heißt: Gott ist voll Erbarmen gegen die Unglücklichen und verzeiht gern allen bußfertigen Sündern.

"So wahr ich lebe, spricht Gott der Herr, ich will nicht den Tod des Gottlosen, sondern daß der Gottlose sich bekehre von seinem Wege und lebe." (Ezech. 33, 11.)

Beisp.: Ninive; der verlorene Sohn.

Von all seinen Eigenschaften betätigt Gott während dieses Lebens am meisten seine Barmherzigkeit. Im andern Leben dagegen hat die Barmherzigkeit ein Ende, und die Gerechtigkeit tritt an ihre Stelle.

67. Wozu soll der Gedanke an Gottes Güte und Barmherzigkeit uns antreiben?

Der Gedanke an Gottes Güte und Barmherzigkeit soll uns antreiben,

1) Gott dankbar zu sein und ihn von Herzen zu lieben;

2) ihn vertrauensvoll um Verzeihung unserer Sünden zu bitten.

1) "Lasset uns Gott lieben, weil uns Gott zuerst geliebt hat." (1. Joh. 4, 19.)

2) "Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen." (Luk. 15, 18.)

68. Was heißt: Gott ist langmütig?

Gott ist langmütig heißt: Gott wartet oft lange mit seiner Strafe, um den Sündern Zeit zur Buße zu lassen.

"Der Herr ist gnädig und barmherzig, langmütig, und von großer Erbarmung." (Ps. 102, 8.)

Die Langmut Gottes darf uns aber nicht veranlassen, die Buße zu verschieben. "Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht." (Ps. 94, 8.)

69. Was heißt: Gott ist wahrhaft?

Gott ist wahrhaft heißt: Gott offenbart nur Wahrheit, weil er weder irren noch in Irrtum führen kann.

"Gott ist nicht wie ein Mensch, daß er lüge." (4. Mos. 23, 19.) Die Wahrhaftigkeit Gottes ist der Grund, auf den sich unser Glaube stützt; und weil die Wahrhaftigkeit Gottes unendlich ist, darum ist auch unser Glaube durchaus untrüglich.

70. Was heißt: Gott ist getreu?

Gott ist getreu heißt: Gott hält, was er verspricht, und erfüllt, was er androht.

"Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen." (Matth. 24, 35.) Die Treue Gottes ist der Hauptgrund der christlichen Hoffnung.

71. Wozu soll der Gedanke an Gottes Wahrhaftigkeit und Treue uns antreiben?

Der Gedanke an Gottes Wahrhaftigkeit und Treue soll uns antreiben,

1) fest an Gottes Wort zu glauben;

2) unerschütterlich auf seine Verheißungen zu vertrauen und ernstlich seine Drohungen zu fürchten.



3. Quellen der Erkenntnis Gottes.

72. Wie sind wir zur Erkenntnis Gottes und seiner Eigenschaften gekommen, da wir Gott nicht sehen können?

Gott selbst hat sich den Menschen auf verschiedene Weise zu erkennen gegeben, nämlich

1) durch die sichtbare Welt, die uns sagt, daß jemand sein muß, der sie gemacht und so weise eingerichtet hat,

2) durch die Stimme des Gewissens, welche uns mahnt, daß es einen höchsten Richter gibt, der alles Gute belohnt und alles Böse bestraft.

3) vorzüglich durch die übernatürliche Offenbarung, welche uns selbst über die inneren Geheimnisse der Gottheit sicher Kunde gibt, und deren Wahrheit Gott durch zahllose und unleugbare Wunder verbürgt hat.

1) "Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und das Firmament verkündet die Werke seiner Hände." (Ps. 18, 2.) "Frage die Tiere, sie lehren es dich, die Vögel des Himmels, sie zeigen's dir an; rede mit der Erde, sie antwortet dir, es erzählen's die Fische des Meeres: Wer weiß nicht, daß alles dies die Hand des Herrn gemacht hat?" (Joh. 12, 7.) "(Nur) der Tor spricht in seinem Herzen, es gibt keinen Gott." (Ps. 13, 1.)

2) "Die Heiden zeigen, daß das Werk des Gesetzes in ihre Herzen geschrieben ist, indem ihr Gewissen ihnen davon Zeugnis gibt." (Röm. 2, 15.)

3) "Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborne Sohn, der im Schoße des Vaters ist, er hat es uns erzählt." (Joh. 1, 18.) "Alles, was ich von meinem Vater gehört, habe ich euch kund getan." (Joh. 15, 15.) - "Wenn ihr mir (meinen Worten) nicht glauben wollt, so glaubt meinen Werken." (Joh. 10, 38.)

Nutzanwendung: "Alle Tage deines Lebens habe Gott in deinem Herzen und hüte dich, je in eine Sünde zu willigen." (Joh. 4, 6.)


§ 2. Von den drei göttlichen Personen.

73. Warum sagen wir: "Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater"?

Wir sagen: "Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater",

1) weil Gott unser unsichtbarer Vater im Himmel ist;

2) weil in Gott mehrere Personen sind, von denen die erste Vater heißt.

74. Wie viele Personen sind denn in Gott?

Es sind drei Personen in Gott: der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

"Lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." (Matth. 28, 19.)

Bei der Taufe Jesu im Jordan offenbarten sich alle drei Personen zugleich.

75. Ist jede dieser Personen wahrer Gott?

Ja; der Vater ist wahrer Gott, der Sohn ist wahrer Gott, und der Heilige Geist ist wahrer Gott; doch sind diese drei Personen nur ein Gott.

76. Warum sind die drei Personen nur ein Gott?

Die drei Personen sind nur ein Gott, weil sie eine und dieselbe Natur oder Wesenheit haben.

77. Ist keine dieser Personen älter oder vollkommener als die andere?

Nein; alle drei Personen sind von Ewigkeit her, alle drei sind gleich vollkommen.

Die drei göttlichen Personen besitzen nicht nur völlig gleiche, sondern ganz dieselben Vollkommenheiten; denn die Vollkommenheiten gehören zur Wesenheit, welche bei allen Personen dieselbe ist. Wie es in Gott nur eine Wesenheit gibt, so gibt es in ihm auch nur eine Allmacht, eine Weisheit usw.

78. Ist denn gar kein Unterschied zwischen dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste?

Zwischen dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste ist ein Unterschied in der Person, der darin besteht, daß der Vater seinen Ursprung hat, der Sohn aber vom Vater geboren ist und der Heilige Geist vom Vater und Sohne zugleich ausgeht.

Der Sohn wird geboren oder gezeugt aus dem Verstande des Vaters durch einen ewigen Akt der Erkenntnis, gleichsam durch ein geistiges Sprechen des Vaters; darum heißt er auch die ewige Weisheit oder das Wort des Vaters. Der Heilige Geist geht hervor aus dem Willen des Vaters und des Sohnes durch einen ewigen Akt heiliger Liebe, gleichsam durch eine geistige Hauchung (spiratio); deshalb heißt er Heiliger Geist (Spiritus, Hauch) oder auch die ewige Liebe.

Wenn der Vater die erste Person heißt, der Sohn die zweite und der Heilige Geist die dritte, so wird dadurch nicht ein Vorrang der einen Person vor der andern bezeichnet, sondern bloß die Ordnung, in welcher die eine Person aus der andern von Ewigkeit her ihren Ursprung hat.

79. Welche Werke werden den einzelnen göttlichen Personen besonders zugeschrieben?

Dem Vater wird besonders zugeschrieben die Erschaffung, dem Sohne die Erlösung, dem Heiligen Geiste die Heiligung, obgleich diese Werke allen drei Personen gemeinsam sind.

Dem Vater wird die Erschaffung deshalb besonders zugeschrieben, weil er der ewige Urgrund alles Seins ist, da auch der Sohn und der Heilige Geist aus ihm ihren Ursprung haben. Dem Heiligen Geiste wird die Heiligung, die ein Werk der Liebe ist, zugeschrieben, weil er die persönliche Liebe Gottes ist. Dem Sohne aber wird die Erlösung nicht bloß zugeschrieben, sondern sie ist ihm auch in besonderer Weise eigen, weil er allein die menschliche Natur angenommen und uns durch seinen Kreuzestod erlöst hat, obgleich auch die beiden andern Personen dabei mitgewirkt haben.

80. Wie nennen wir das Geheimnis von dem einen Gott in drei Personen?

Das Geheimnis von dem einen Gott in drei Personen nennen wir das Geheimnis der heiligsten Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit.

81. Können wir dieses Geheimnis begreifen?

Unser schwacher Verstand erkennt selbst die erschaffenen Dinge nur unvollkommen; er kann also unmöglich ein Geheimnis begreifen, das über alle erschaffenen Dinge unendlich erhaben ist.

So unbegreiflich aber auch dieses Geheimnis ist, so widerspricht es doch keineswegs der Vernunft; denn wir sagen nicht, daß Gott in einer und derselben Beziehung einfach und dreifach sei, sondern daß er in einer Beziehung einfach und in einer andern Beziehung dreifach sei, einfach in der Natur, dreifach in den Personen (Vergleich mit der Seele).

Die Lehre von der heiligsten Dreifaltigkeit ist die Grundlehre des Christentums; ohne sie könnte man z. B. die Menschwerdung des Sohnes Gottes und das ganze Werk der Erlösung, das damit zusammenhängt, gar nicht verstehen.

Nutzanwendung: Vergiß niemals, welchen Dank du der allerheiligsten Dreifaltigkeit für die unschätzbaren Wohltaten der Erschaffung, der Erlösung und der Heiligung schuldig bist, und was du ihr in der heiligen Taufe feierlich versprochen hast.



§ 3. Von Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde.

1. Von der Erschaffung, Erhaltung und Regierung der Welt.

82. Warum heißt Gott "Schöpfer Himmels und der Erde"?

Gott heißt "Schöpfer Himmels und der Erde", weil er die ganze Welt, Himmel und Erde, erschaffen, d. h. durch seinen allmächtigen Willen aus nichts hervorgebracht hat.

"Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde." (1. Mos. 1, 1.) "Du hast alle Dinge erschaffen, und durch deinen Willen wurden sie." (Offb. 4, 11.)

83. Erschuf Gott die Welt, weil er ihrer bedurfte?

Gott erschuf die Welt nicht, weil er ihrer bedurfte, denn er ist in sich selbst unendlich reich und selig und bedarf nichts außer sich.

"Mein Gott bist du, denn meiner Güter bedarfst du nicht." (Ps. 15, 2.)

84. Wenn Gott nichts außer sich bedarf, warum hat er denn die Welt erschaffen?

Gott hat die Welt erschaffen, weil er unendlich gut ist und von seinem Reichtum auch andern Wesen mitteilen wollte.

"Weil Gott gut ist, sind wir." (Hl. Augustinus.) Gott war vollkommen frei, eine Welt zu erschaffen oder nicht, diese oder eine andere Welt zu erschaffen.

85. Wozu hat Gott die Welt erschaffen?

Gott hat die Welt erschaffen

1) zu seiner Verherrlichung;

2) zum Besten der Geschöpfe.

86. Was tut Gott auch nach der Erschaffung noch immer für die Welt?

Gott erhält und regiert die Welt.

87. Was heißt: Gott erhält die Welt?

Gott erhält die Welt heißt: Gott macht, daß die Welt fortbesteht, wie und solange es ihm gefällt.

"Wie könnte etwas bestehen ohne deinen Willen?" (Weish. 11, 26.)

Gleichwie ein Stein zu Boden fällt, sobald man die Hand zurückzieht, die ihn trägt; ebenso würde die Welt alsbald in ihr Nichts zurücksinken, wenn Gott seine erhaltene Allmacht ihr entzöge.

88. Was heißt: Gott regiert die Welt?

Gott regiert die Welt heißt: Gott sorgt für alles, ordnet und leitet alles zu dem Ziele, wozu er die Welt erschaffen hat.

"Gott hat den Kleinen wie den Großen gemacht und sorgt auf gleiche Weise für alle." (Weish. 6, 8.) "Alle Haare eures Hauptes sind gezählt." (Matth. 10, 30.)

89. Für wen sorgt Gott noch besonders?

Gott sorgt besonders für die Menschen, ganz vorzüglich aber für die Gerechten.

"Denen, die Gott lieben, gereicht alles zum besten." (Röm. 8, 28.)

90. Wenn aber Gott alles in der Welt ordnet und leitet, warum geschieht dennoch Böses? Will er auch dieses?

Das Böse will Gott nicht; er läßt es aber zu,

1) weil er dem Menschen einen freien Willen gegeben hat;

2) weil er auch das Böse zum Guten, d. h. zur Vollstreckung seiner ewigen Ratschlüsse, zu lenken weiß.

Beisp.: Geschichte des ägyptischen Joseph. "Ihr sannet Böses gegen mich; Gott aber wandte es zum Guten." (1. Mos. 50, 20.)

So wandte der Allmächtige den Gottesmord der Juden zum Heile der Welt und die Verstockung derselben Juden zur Bekehrung der Heiden. Und so wendet er noch täglich die Ratschläge der Gottlosen zur Verherrlichung seiner Kirche; denn es ist keine Weisheit und keine Klugheit und kein Rat gegen den Herrn." (Spr. 21, 30.)

91. Und wenn Gott für alles sorgt, warum gibt es denn so viele Leiden?

Es gibt so viele Leiden,

1) damit der Sünder sich bessere und nicht ewig zugrunde gehe;

2) damit der Gerechte an Verdiensten reicher werde und desto größern Lohn im Himmel empfange.

1) Die Brüder Josephs: "Wir haben verschuldet, was wir leiden; denn wir haben an unserm Bruder gesündigt." (1. Mos. 42, 21.)

2) "Selig seid ihr, wenn euch die Menschen schmähen und verfolgen und alles Böse mit Unrecht wider euch reden um meinetwillen. Freuet euch und frohlocket, denn euer Lohn ist groß im Himmel." (Matth. 5, 11. 12.)

Viele Leiden ziehen sich die Menschen durch ihre eigenen Sünden zu (z. B. Armut durch Trägheit, Krankheit durch Trunksucht usw.) Für manchen ist das Leiden notwendig, um ihn vor Übermut und Gottvergessenheit zu bewahren.

92. Warum läßt es aber Gott den Bösen oft gut gehen, während es den Frommen übel geht?

Gott läßt es den Bösen oft gut gehen, weil er das wenige Gute, welches sie tun, auf Erden belohnen will, da er es wegen ihrer Unbußfertigkeit in der Ewigkeit nicht belohnen kann.

"Wehe euch, ihr Reichen; denn ihr habt euren Trost," d.h. ihr habt euern Lohn schon hienieden. (Luk. 6, 24.)

93. Wie heißt die Fürsorge Gottes in Erhaltung und Regierung der Welt?

Die Fürsorge Gottes in Erhaltung und Regierung der Welt heißt göttliche Vorsehung.

Die Heiden glaubten an ein blindes Verhängnis (Fatum), die Ungläubigen sprechen von blindem Zufall, der Christ aber weiß, daß alle seine Geschicke von einem allweisen und allgütigen Vater geleitet werden.

94. Wozu soll uns der Gedanke an die göttliche Vorsehung antreiben?

Der Gedanke an die göttliche Vorsehung soll uns antreiben,

1) in allen Dingen auf Gott zu vertrauen und uns nicht mit ängstlichen Sorgen zu quälen;

2) alle Leiden als Gnaden Gottes anzunehmen.

1) "Betrachtet die Vögel des Himmels; sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr als sie?" (Matth. 6, 26.)

2) "Wen der Herr lieb hat, den züchtigt er." (Hebr. 12, 6.)

Nutzanwendung: Klage nie gegen Gottes Anordnung; denn Gott weiß am besten, was dir gut und heilsam ist.


2. Von den Engeln.

95. Hat Gott nichts anderes als die sichtbare Welt erschaffen?

Gott hat auch eine unsichtbare Welt erschaffen, nämlich unzählige Geister, die wir Engel nennen.

"Tausendmal Tausende (von Engeln) dienten ihm, und zehntausendmal Hundertausende standen vor ihm." (Dan. 7, 10.)

Die Heilige Schrift nennt neun verschiedene Klassen oder Chöre von Engeln, nämlich: Engel, Erzengel, Kräfte, Mächte, Herrschaften, Oberherrschaften, Throne, Cherubim und Seraphim. (Kol. 1, 16; Eph. 1, 21; Ez. 10; Js. 6, 2.)


96. Wie waren die Engel, als Gott sie erschaffen hatte?

Die Engel waren alle gut und glücklich und mit herrlichen Gaben, besonders mit der heiligmachenden Gnade ausgestattet.

Von Natur besitzen die Engel eine hohe Erkenntnis, große Willenskraft und übermenschliche Stärke. Ein einziger Engel erschlug in einer Nacht 185000 Mann im Lager der Assyrier. (Js. 37, 36.)

97. Blieben die Engel alle gut und glücklich?

Nein, viele Engel sündigten und wurden in die Hölle gestürzt; diese heißen Teufel oder böse Geister.

"Gott hat die Engel, welche sündigten, nicht geschont, sondern mit Ketten der Hölle sie in den Abgrund gezogen und der Pein übergeben." (2. Petr. 2, 4.)

Die Engel waren bald nach ihrer Erschaffung (ähnlich wie unsere Stammeltern) einer Prüfung unterworfen worden. Luzifer, einer der vornehmsten Engel, fiel zuerst und zwar durch Hoffart. Derselbe zog dann noch eine große Zahl anderer Engel nach sich in die Sünde. An der Spitze der treugebliebenen Engel stand der Erzengel Michael und kämpfte mit diesen siegreich gegen Luzifer und seinen Anhang. (Offb. 12, 7. 8.)

98. Womit hat Gott die treu gebliebenen Engel belohnt?

Gott hat die treu gebliebenen Engel mit der ewigen Seligkeit belohnt.

Die Engel besaßen nicht sogleich nach ihrer Erschaffung die beseligende Anschauung Gottes, obgleich sie dem Orte nach im Himmel waren, von wo die gefallenen Engel herabgestürzt wurden.

99. Wie sind die guten Engel gegen uns gesinnt?

Die guten Engel lieben uns; darum beschützen sie uns an Leib und Seele, bitten für uns und ermahnen uns zum Guten.

"Seinen Engeln hat er deinetwegen befohlen, dich zu behüten auf allen deinen Wegen." (Ps. 90, 11.)

Beisp.: Lot, Tobias, Judith, Petrus im Gefängnisse.

100. Welche Engel heißen Schutzengel?

Schutzengel heißen jene Engel, die den Menschen ganz besonders zum Schutze gegeben sind.

"Ihre Engel im Himmel schauen immerfort das Angesicht meines Vaters, der im Himmel ist." (Matth. 18, 10.)

Nach der allgemeinen Ansicht der Gottesgelehrten hat jeder Mensch gleich von seiner Geburt an einen besonderen Schutzengel. "O große Würde der Seelen, daß jede gleich von der Geburt an einen zu ihrem Schutze bestellten Engel hat!" (Hl. Hieronymus.)

101. Was sind wir unsern Schutzengeln schuldig?

Wir sollen

1) mit Ehrfurcht an die Gegenwart unseres heiligen Schutzengels denken;

2) ihn vertrauensvoll anrufen;

3) seinen Einsprechungen willig folgen. (Schutzengelfest.)

"Siehe ich sende meinen Engel, daß er vor dir herziehe... Habe acht auf ihn und höre seine Stimme." (2. Mos. 23, 20. 21.)

102. Wie sind die bösen Geister gegen uns gesinnt?

Die bösen Geister hassen und beneiden uns; darum suchen sie uns an Leib und Seele zu schaden und uns ins ewige Verderben zu stürzen.

"Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und suchet, wen er verschlinge." (1. Petr. 5, 8.)

Beisp.: Eva, Job, Judas.

Solange wir im Stande der heiligmachenden Gnade und dadurch Kinder Gottes sind, können die bösen Geister uns wohl versuchen, aber keinerlei Schaden zufügen ohne besondere Erlaubnis unseres himmlischen Vaters. Dagegen erhalten sie eine große Gewalt über uns, sobald wir durch eine Todsünde freiwillig Sklaven Satans geworden sind.

103. Warum läßt Gott die Nachstellungen der bösen Geister zu?

Gott läßt die Nachstellungen der bösen Geister zu, weil er sie zu seiner Verherrlichung und zum Heile der Menschen zu lenken weiß.

Die Seligen des Himmels verdanken ihre schönsten Siegeskronen den Kämpfen, die sie mit der Gnade Gottes gegen die Anfechtungen der bösen Geister geführt haben.

104. Was sollen wir gegen die Nachstellungen der bösen Geister tun?

Wir sollen wachen und beten und den Versuchungen der bösen Geister standhaft widerstehen.

"Ergreifet den Schild des Glaubens, mit dem ihr alle feurigen Pfeile des Bösewichtes auslöschen könnt." (Eph. 6, 16.)

"Widerstehet dem Teufel, so wird er von euch fliehen." (Joh. 4, 7.) - Beisp.: Der Heiland in der Wüste

Nutzanwendung: Verehre täglich deinen heiligen Schutzengel und empfiehl dich ihm in allen Gefahren des Leibes und der Seele. Hüte dich, in seiner Gegenwart etwas Böses zu tun oder zu reden, besonders gegen die Schamhaftigkeit.


3. Von der Erschaffung der ersten Menschen.

105. Welches ist das vorzüglichste Geschöpf auf Erden?

Das vorzüglichste Geschöpf auf Erden ist der Mensch.

Der Mensch ist der König der sichtbaren Schöpfung; er soll über die vernunftlosen Geschöpfe herrschen, indem er sie zur Ehre Gottes und zu seinem eigenen Wohle gebraucht.

106. Wie hießen die ersten Menschen, die Gott erschaffen hat?

Die ersten Menschen hießen Adam und Eva; sie sind die Stammeltern des ganzen Menschengeschlechtes.

107. Auf welche Weise schuf Gott den Adam?

Gott bildete einen Leib aus Erde und hauchte ihm eine unsterbliche Seele ein.

Den Leib der Eva bildete Gott aus einer Rippe Adams, die er demselben während des Schlafes aus der Seite nahm.

108. Wie hat Gott den Menschen bei seiner Erschaffung ausgezeichnet?

Gott hat den Menschen nach seinem Ebenbilde erschaffen.

"Lasset uns den Menschen machen nach unserm Bilde und Gleichnisse." (1. Mos. 1, 26.)

109. Wie vielfach war das Ebenbild Gottes?

Das Ebenbild Gottes war zweifach; ein natürliches und ein übernatürliches.

110. Worin bestand das natürliche Ebenbild Gottes?

Das natürliche Ebenbild Gottes bestand darin, daß die Seele ein unsterblicher, mit Verstand und freiem Willem begabter Geist war.

111. Worin bestand das übernatürliche Ebenbild Gottes?

Das übernatürliche Ebenbild Gottes bestand darin, daß der Mensch die heiligmachende Gnade besaß und dadurch ein Kind Gottes und Erbe des Himmels war.

Das übernatürliche Ebenbild Gottes in unserer Seele verhält sich zum natürlichen Ebenbild etwa wie ein in lebensfrischen Farben ausgeführtes Gemälde zu einer aus wenigen Strichen bestehenden Zeichnung. - Das übernatürliche Ebenbild Gottes verleiht der Seele eine solche Schönheit und Ähnlichkeit mit Gott, daß die ganze heiligste Dreifaltigkeit mit höchstem Wohlgefallen darauf niederschaut und dieselbe zu ihrer Wohnung erwählt.

112. Welche andere Gaben waren bei den ersten Menschen mit diesem übernatürlichen Ebenbilde Gottes verbunden?

1) Die ersten Menschen hatten eine höhere Erkenntnis;

2) sie wurden nie von böser Lust versucht;

3) sie lebten glücklich im Paradiese und sollten keinerlei Mühseligkeiten und Schmerzen, auch nicht dem Tode unterworfen sein.

Diese Gaben waren zugleich mit dem übernatürlichen Ebenbilde Gottes ein besonderes Gnadengeschenk, auf das der Mensch von Natur keinen Anspruch hat.

113. Hatten die ersten Menschen das übernatürliche Ebenbild Gottes und die damit verbundenen Gaben bloß für sich allein empfangen?

Die ersten Menschen hatten das übernatürliche Ebenbild Gottes und die damit verbundenen Gaben auch für alle ihre Nachkommen empfangen; darum sollten wir alle sie von ihnen erben, sofern sie diese bewahrten und nicht sündigten.

Es war dies gleichsam ein Familiengut, welches Adam als das Haupt der ganzen menschlichen Familie bewahren und auf alle Nachkommen vererben sollte.


4. Von dem Sündenfalle der ersten Menschen und von der Erbsünde.

114. Haben unsere Stammeltern das Ebenbild Gottes bewahrt?

Nein; unsere Stammeltern sündigten und verloren dadurch das übernatürliche Ebenbild Gottes und die damit verbundenen Gaben; das natürliche Ebenbild wurde verunstaltet.

115. Welche Sünde begingen sie?

Sie wollten Gott gleich sein und aßen von der verbotenen Frucht.

Diese Sünde war um so schwerer, da das Gebot so leicht war und die Stammeltern eine so vollkommene Erkenntnis und einen noch ungeschwächten Willen besaßen.

116. Hat der erste Mensch durch diese Sünde nur sich selbst geschadet?

Der erste Mensch hat durch diese Sünde nicht nur sich selbst geschadet, sondern auch das ganze Menschengeschlecht in das größte Elend gestürzt.

117. Worin besteht dieses Elend?

Die Sünde ist mit ihren bösen Folgen von Adam auf alle Menschen übergegangen, so daß jetzt alle mit der Sünde behaftet zur Welt kommen.

"Durch einen Menschen ist die Sünde in diese Welt gekommen und durch die Sünde der Tod; und so ist der Tod auf alle Menschen übergegangen, weil alle in ihm gesündigt haben." (Röm. 5, 13.)

118. Wie nennen wir die Sünde, mit der wir alle zur Welt kommen?

Die Sünde, mit der wir alle zur Welt kommen, nennen wir Erbsünde, weil wir sie nicht persönlich begangen, sondern von unserm Stammvater geerbt haben.

Das Wesen der Erbsünde besteht darin, daß wir durch die Schuld unseres Stammvaters geboren werden ohne die heiligmachende Gnade, die wir nach Gottes Anordnung haben müssen, um ihm wohlgefällig zu sein (sündhafter Zustand - geistiger Tod).

119. Wer wurde vor aller Makel der Erbsünde bewahrt?

Nur die allerseligste Jungfrau Maria wurde aus besonderer Gnade um der Verdienste Christi willen vor aller Makel der Erbsünde bewahrt. (Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariä.)

Diese Lehre, welche von jeher in der kirchlichen Überlieferung enthalten war, wurde im Jahre 1854 von Pius IX. feierlich zum Glaubenssatz erhoben.

120. Welche böse Folgen sind mit der Erbsünde auf alle Menschen übergegangen?

Mit der Erbsünde sind auf alle Menschen übergegangen;

1) der Verlust der Kindschaft Gottes und des Rechtes auf den Himmel;

2) Verdunkelung des Verstandes;

3) Begierlichkeit und Neigung des Willens zum Bösen;

4) Mühseligkeiten, Schmerzen, Plagen und endlich der Tod.

1) "Wenn jemand nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem Heiligen Geiste, so kann er in das Reich Gottes nicht eingehen." (Joh. 3, 5.)

2) "Was uns vor den Augen liegt, finden wir mit Mühe." (Weish. 9, 16.)

3) "Der Sinn und die Gedanken des menschlichen Herzens sind zum Bösen geneigt von Jugend auf." (1. Mos. 8, 21.)

4) "Viele Mühseligkeit ist allen Menschen anerschaffen, und ein schweres Joch liegt auf den Kindern Adams vom Tage ihrer Geburt bis zum Tage ihres Begräbnisses." (Sir. 40, 1.) "Gott hat den Menschen unsterblich erschaffen; aber durch den Neid des Teufels ist der Tod in die Welt gekommen." (Weish. 2, 23. 24.)

121. Tragen die schlimmen Folgen der Sünde nur die Menschen?

Die Strafe Gottes kam auch über die ganze Erde, welche um des Menschen willen erschaffen worden ist.

"Die Erde sei verflucht in diesem Werke," sprach Gott zu Adam; "mit vieler Arbeit sollst du essen von ihr alle Tage deines Lebens. Dornen und Disteln soll sie dir tragen." (1. Mos. 3, 17. 18.)

122. Wie wäre es den Menschen ergangen, wenn Gott sich ihrer nicht erbarmt hätte?

Wenn Gott sich der Menschen nicht erbarmt hätte, so hätte niemand mehr selig werden können.

123. Warum hätte niemand mehr selig werden können?

Die Erbsünde war, wie jede andere Todsünde, eine so unermeßliche Schuld, daß kein bloßes Geschöpf sie zu tilgen vermochte.


5. Von der Verheißung des Erlösers und der Vorbereitung auf denselben.

124. Wie erbarmte sich Gott der Menschen?

Gott verhieß den Menschen gleich nach dem Sündenfall einen Erlöser.

"Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, zwischen deiner Nachkommenschaft und ihrer Nachkommenschaft; sie wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihrer Ferse nachstellen." (1. Mos. 3, 15.)

125. Wie lange dauerte es noch, bis der verheißene Erlöser erschien?

Es dauerte noch mehrere tausend Jahre. (Adventszeit.)

126. Warum kam der Erlöser nicht sogleich nach dem Sündenfalle?

Die Menschen sollten vorerst erfahren, in wie tiefes Elend die Sünde sie gestürzt habe, und daß niemand sie retten könne als Gott.

127. Hat Gott die Menschen während dieser Zeit ganz sich selbst überlassen?

Nein, Gott hat während dieser Zeit den Menschen

1) um der zukünftigen Verdienste Christi willen schon im voraus die zum Heile nötigen Gnaden verliehen;

2) sie in besonderer Weise auf den Erlöser vorbereitet.

128. Wodurch hat Gott die Menschen auf den Erlöser vorbereitet?

Gott hat die Menschen auf den Erlöser vorbereitet

1) durch die Auserwählung des israelitischen Volkes, mit dem er einen besonderen Bund schloß;

2) durch die gnädige Führung, die er auch den Heiden zuteil werden ließ.

129. Wozu wählte Gott sich ein eigenes Volk aus?

Gott wählte sich ein eigenes Volk aus, damit der Glaube an ihn, den einen wahren Gott, und die Hoffnung auf den Erlöser erhalten blieben.

130. Wodurch erhielt Gott den wahren Glauben und die Hoffnung auf den Erlöser?

Gott erhielt den wahren Glauben und die Hoffnung auf den Erlöser

1) durch das Gesetz mit seinen Opfern und Gebräuchen;

2) durch Vorbilder und durch die Weissagungen der Propheten, die immer deutlicher auf den Erlöser hinwiesen. (Vgl. Fr. 142 - 149.)

Der hl. Paulus nennt die Opfer und Gebräche des alten Bundes "den Schatten der zukünftigen Güter". (Hebr. 10, 1.) Wie ein vorausgeworfener Schatten deuteten sie auf die kommende Erlösung hin.

131. Wodurch hat Gott die Heiden auf den Erlöser vorbereitet?

Die Heiden hat Gott auf den Erlöser vorbereitet

1) durch religiöse Überlieferungen aus der Urzeit, die seine besondere Vorsehung unter ihnen erhielt;

2) durch auffallende Strafgerichte, die sie von den Wegen des Lasters abschrecken sollten;

3) durch außerordentliche Männer, die er unter ihnen erweckte oder zu ihnen sandte;

4) durch Israeliten, die er mit den heiligen Büchern unter sie zerstreute.

1) Bis auf den heutigen Tag, finden sich bei den heidnischen Völkern unverkennbare Reste solcher Überlieferungen, z.B. über das Paradies, den Sündenfall, die Verheißung eines Erlösers usw.

2) Sintflut; Sodoma und Gomorrha; die Plagen Ägyptens.

3) Job; Melchisedeck; Balaam; Jonas; Daniel.

4) "Darum hat Gott euch (Israeliten) unter die Heiden zerstreut, die ihn nicht kennen, damit ihr seine Wunder erzählet und ihnen zu wissen tuet, daß kein anderer allmächtiger Gott ist als er." (Job. 13, 4.)

Nutzanwendung: Vergiß nie, daß du ein Ebenbild Gottes bist, und hasse die Sünde, die alles Unheil in die Welt gebracht hat. "Die Sünde macht elend die Völker." (Spr. 14, 34.) - Danke Gott, daß der verheißene Erlöser auch für dich gekommen ist.





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